Mit der richtigen Skibrille sammelt man nicht nur Stylepunkte, sondern sieht vor allem mehr. Und wie findet man die richtige Skibrille für jeden Zweck? Die Kaufberatung informiert über Gläser, Größenwahl, Modelle für Brillenträger und vieles mehr.

Moderne Skibrillen gibt es in unzähligen Farben, Formen und Mustern, jedoch sind sie viel mehr als nur modisches Accessoire. Ihr oberstes Gebot: Die Gewährleistung einer möglichst guten Sicht. Diese ist für die Sicherheit beim Skifahren ebenso wichtig wie für den Genuss. Im Gegensatz zu Sonnenbrillen unterstützen Skibrillen die Augen nicht nur bei grellem Licht oder schlechtem Kontrast, sondern schützen auch vor Fahrtwind und Schnee. Die Bedingungen am Berg können stark variieren – von strahlendem Sonnenschein bis zu Nebel. Wenn man am Abend noch zum Skifahren ausrückt, kann auch Flutlicht dabei sein

Entsprechend vielseitig sind die Skibrillen konzipiert. Die größten Unterschiede gibt es bei spezialisierten Tönungen, Technologien sowie Formen der Gläser. Auch die Belüftung und die Gestaltung des Rahmens weisen beachtenswerte Qualitätsmerkmale auf.

Der Style-Faktor ist bei Skibrillen zwar nicht zu unterschätzen, aber in erster Linie muss die Skibrille ausreichend Schutz und gute Sicht gewährleisten. | Foto: Oakley
Der Style-Faktor ist bei Skibrillen zwar nicht zu unterschätzen, aber in erster Linie muss die Skibrille ausreichend Schutz und gute Sicht gewährleisten. | Foto: Oakley

Welches Glas soll die Skibrille haben? Farben und Wirkung

Die wichtigsten Komponenten jeder Skibrille – und generell jeder Sportsonnenbrille – sind die Brillengläser. Für die Auswahl ist zunächst die Tönung der Scheibe entscheidend. Sie regelt, wieviel Licht durch das Glas eintritt. Dazu filtert sie bestimmte Wellenlängen aus, um den Kontrast zu verbessern.

Das Scheibenspektrum bei Skibrillen – Wirkung und Einsatzbereich

  • transparentes Glas: Skilaufen bei Flutlicht (in der Nacht). Mit der „durchsichtigen“ Scheibe hat man hier den klarsten Blick, gefärbte Gläser würden die Sicht beeinträchtigen.
  • gelbe, orange und rosa Gläser: Bei schlechter Sicht, Schneefall, Nebel oder diesigem Wetter. Diese Farben filtern die vorhandenen Sonnenstrahlen nur schwach aus, verhindern aber störende Reflexionen im Schnee. Außerdem erhöhen Gläser in diesen Farben bei diffusem Licht und schlechter Bodensicht die Kontraste. Unebenheiten und Löcher in der Piste lassen sich leichter erkennen.
  • braunes, graues und blaues Glas: Allroundglas. Es ermöglicht sowohl bei sonnigen als auch bei schlechten Verhältnissen eine gute Sicht und ist deshalb besonders bei wechselhaften Bedingungen zu empfehlen. Gläser in dieser Farbe kommen auch bei dichtem Nebel zum Einsatz, wenn gelbe Gläser nicht genügend Licht absorbieren. Dadurch werden Kontraste besser sichtbar.
  • stark getöntes dunkles Glas: kommt speziell bei intensivem Sonnenschein / wolkenlosem Himmel zum Einsatz.

Wer viel am Berg unterwegs ist, sollte idealerweise zwei Gläser zu Hause liegen haben: eins für schlechtes Wetter und eins für schönes. Damit man sich keine zweite Skibrille kaufen muss, gibt es von Herstellern wie Julbo und Oakley Wechselsysteme. Hier verwendet man nur einen Rahmen und tauscht bei Bedarf das Glas mit wenigen Handgriffen gegen ein anderes aus. Beim Kauf ist lediglich darauf zu achten, dass das Glas auch mit dem Rahmenmodell kompatibel ist. Mittlerweile ist es bei fast allen Skibrillen-Modellen möglich, die Gläser zu wechseln. Teurere Modelle haben ausgefeiltere Wechselsysteme, zum Beispiel per Magnetmechanismus oder Schalter.

Welches Skibrillen-Glas die beste Sicht bietet, ist abhängig vom Wetter (strahlender Sonnenschein vs. Nebel und Schneefall). | Foto: Scott
Welches Skibrillen-Glas die beste Sicht bietet, ist abhängig vom Wetter (strahlender Sonnenschein vs. Nebel und Schneefall). | Foto: Scott

Welche Skibrille bei welchem Wetter? Der VLT-Wert

Um bestimmte Modelle und Gläser genau zu vergleichen, kann man sich nach dem VLT-Wert richten. Diese Herstellerangabe steht für Visible Light Transmission und besagt in Prozent, wieviel Licht die Scheibe durchlässt. Dabei gibt es fünf grobe Abstufungen:

Kategorie / Lichtdurchlässigkeit in Prozent (VLT) Einsatzbereich
Kategorie 0: 80-100% VLT für starke Bewölkung (Nebel) und Flutlicht (Nacht)
Kategorie 1: 43-80% VLT für wechselnde Lichtverhältnisse (Dämmerung)
Kategorie 2: 18-43% VLT für sonnige, teils bewölkte Tage (leichte Sonneneinstrahlung)
Kategorie 3: 8-18% VLT überwiegend Sonnenschein (starke Sonneneinstrahlung)
Kategorie 4: 3-8% VLT für strahlenden Sonnenschein (Gletscher)

Optimierte Sicht: Weitere Eigenschaften von Skibrillen-Gläsern

Neben vielen spezialisierten Tönungen verfügen die Gläser hochwertiger Skibrillen meist noch über zusätzliche Eigenschaften zur Optimierung des Lichteinfalls – genau wie Sonnenbrillen. Dazu gehören:

  • Polarisierende Gläser: Blockieren reflektierte Lichtwellen (z.B. vom Schnee reflektiertes Sonnenlicht) und verhindern damit Blendungen. Das steigert die Wahrnehmung von Kontrasten und Farben. Die Augen ermüden weniger schnell. Der Filter befindet sich im Inneren des Glases. Das Geheimnis liegt in seiner vertikalen Anordnung. So kann der Polfilter reflektiertes Licht aus einem bestimmten Winkel blocken. Damit können 99 Prozent aller Reflexionen von Oberflächen wie Wasser, Schnee oder nassen Straßen herausgefiltert werden.
  • Verspiegelte Gläser: Regeln die Lichtdurchlässigkeit und vermindern den Blendeffekt von reflektiertem Sonnenlicht – der beste Schutz bei aggressiver Bergsonne. Sie blocken grelles Licht stark ab, sind dafür aber bereits bei nur leicht dunkleren Verhältnissen ungeeignet. Verspiegelte Gläser gibt es in unterschiedlichen Farbtönungen und Verspiegelungsgraden – beispielsweise blau, orange, silber oder gold sowie teil- und vollverspiegelt.
  • Selbsttönende (photochrome) Gläser: Passen ihre Tönung automatisch dem Licht an. Die Gläser werden als Reaktion auf die Sonneneinstrahlung dunkler oder heller. Das Ganze funktioniert über Moleküle, die auf die Scheibe aufgebracht werden und auf UV-Strahlung, Wärme und Kälte reagieren. Je nach Stärke der Strahlung verändern die Moleküle ihre Anordnung und bewirken so die Veränderung der Tönung. Photochrome Gläser sind ideal für wechselnde Wetterbedingungen – zum Beispiel, wenn morgens beim Skifahren noch Schnee fällt, man nur einen Windschutz braucht und nachmittags die Sonne strahlt. Der Wechsel dauert allerdings etwas: Etwa 22 Sekunden brauchen beispielsweise die Zebra- oder Cameleon-Gläser von Julbo, bis sie sich von Kategorie zwei auf vier verdunkelt haben. Je kälter es ist, umso besser funktioniert die Tönung.
Die Prizm-Technologie von Oakley sorgt durch einen Farbfilter im Glas für beste Sicht im Schnee. | Foto Oakley
Die Prizm-Technologie von Oakley sorgt durch einen Farbfilter im Glas für beste Sicht im Schnee. | Foto Oakley

Besondere Glastechnologien

Darüber hinaus helfen spezialisierte Glastechnologien, die Sicht im Schnee zu verbessern. Oakley beispielsweise verwendet bei seinen Brillen die Prizm-Technologie. Hierbei handelt es sich um eine Art Farbfilter. Die Tönung des Glases filtert exakt die Wellenlängen bzw. Farben heraus, die in diesem Moment für das Auge und den Sport, den die Person betreibt, wichtig sind. Dadurch wird die Wahrnehmung von Kontrasten und Farben gesteigert. Speziell für den Einsatz im Schnee wurde die Variante Prizm Snow entwickelt: Sie filtert aus der weißen Oberfläche die Blau- und Orangetöne heraus und verbessert so den Kontrast und die Sicht. Verschiedenfarbige Gläser für unterschiedliche Lichtverhältnisse sorgen zusätzlich für eine perfekte Sicht bei allen Bedingungen.

Zylindrische vs. sphärische Scheiben

Vor nicht allzu langer Zeit hatten noch alle Skibrillenscheiben eine zylindrische Form, aber heute ist ein Großteil der hochwertigen Gläser sphärisch. Die Wölbung des Glases nach außen ahmt die Kugelform des menschlichen Auges nach. Sie verbessert die Rundumsicht und vermindert Verzerrungen am Rande des Blickfelds – bei hohen Geschwindigkeiten und ganz besonders beim Anvisieren von Landungen aus der Luft durchaus angenehm. Die komplexere Form ist jedoch auch aufwändiger in der Herstellung und damit teurer in der Anschaffung. Zylindrische Scheiben bieten hingegen ein hervorragendes Preis-Leistungsverhältnis.

Skibrille mit Belüftung, oder: Was hilft gegen Beschlagen?

Auch die beste Skibrille bringt nicht viel, wenn sie angelaufen ist. Das geht bei großer Anstrengung schneller als man denkt, doch eine gute Belüftung schafft Abhilfe. Idealerweise sind die Öffnungen so angelegt, dass schon geringer Fahrtwind die warme Luft aus dem Inneren der Brille nach außen trägt. Doppelscheiben verringern den Temperaturunterschied zwischen dem Inneren der Brille und der Umgebung. Dadurch beschlagen die Brillengläser nicht so leicht und man hat länger klare Sicht.

Hydrophobe Antifog-Beschichtungen auf der Innenseite helfen ebenfalls, das Beschlagen der Skibrille zu verhindern. Doch aufgepasst: Man sollte Feuchtigkeit auf der Innenseite nur trocken tupfen (zum Beispiel mit dem fusselfreien Tuch, in dem die Brille aufbewahrt wird), da man beim Wischen die Beschichtung beschädigen oder abtragen kann. Ist die Brille stark beschlagen, klopft man sie am besten aus und trocknet sie in einer warmen Stube. Ist sie nur leicht beschlagen, bleibt man am besten in Bewegung um die Luftzirkulation aufrecht zu erhalten. Eine konstante Luftzufuhr sorgt dafür, dass die Skibrille gar nicht erst beschlägt; deshalb beim Aufstieg oder im Lift die Brille auf den Helm ziehen oder ganz absetzen.

Für eine augezeichnete Luftzufuhr sorgt beispielsweise die Super Flow-Technologie von Julbo, wie sie beim Airflux-Modell zum Einsatz kommt. Bei Bedarf wird hier das Doppelglas der Skibrille wenige Zentimeter nach vorne geschoben, sodass ein Spalt zwischen Glas und Rahmen entsteht – etwa beim schweißtreibenden Aufstieg mit Tourenski oder beim Warten in der Gondel.

Aber auch andere Hersteller haben spezielle Lösungen gegen das Beschlagen entwickelt. Oakley löst das Problem mit der Inferno-Technologie, einer beheizbaren Scheibe, die jeden Beschlag auf Knopfdruck sofort eliminiert. Bei Smith kämpft ein mikro-elektrisches Turboluftgebläse gegen das Beschlagen an.

Helm und Skibrille sollten für optimale Sicherheit und Komfort nicht nur farblich zueinander passen. | Foto: Scott
Helm und Skibrille sollten für optimale Sicherheit und Komfort nicht nur farblich zueinander passen. | Foto: Scott

Die richtige Skibrillengröße

Einige Marken, darunter Oakley und Giro, stellen Skibrillen mit unterschiedlichen Rahmengrößen her. Die Rahmengröße wird in der Regel in kleine, mittlere und große Skibrillen unterteilt, dazu kommen Kinderskibrillen. Die Größe der Skibrille ist ausschlaggebend für den Komfort. Ist die Brille zu groß, drückt sie auf die Nase oder liegt nicht vollständig auf dem Gesicht auf; ist die Brille zu klein, schränkt sie das Sichtfeld ein und bildet unter Umständen Druckstellen. Bei der Größenwahl ist auch die Form des Skihelms relevant: Passen Brille und Helm nicht zusammen, kann ein unangenehmer Spalt an der Stirn entstehen. Deswegen ist es in jedem Fall ratsam, vor dem Kauf die Skibrille mit dem Helm zusammen anzuprobieren. Wer Helm und Brille von der gleichen Marke kauft, geht auf Nummer sicher. Bei Giro sind nicht nur die Formen, sondern teilweise sogar die Belüftungsöffnungen von Brille und Helm aufeinander abgestimmt. Weitere hilfreiche Infos erhältst Du in unserer Kaufberatung für Skihelme.

Die Größenunterschiede der Skibrillen sind zwar für die Gesichtsform relevant, teils aber auch eine Frage des Geschmacks. Den meisten Erwachsenen wird ein Großteil der Skibrillen passen, vorausgesetzt sie haben nicht außergewöhnlich große oder kleine Gesichter.

Grundsätzlich gilt: Je größer die Scheibe, desto größer das Sichtfeld. Einige Topmodelle holen das Maximum heraus, indem die Scheibe auf statt in den Rahmen gesetzt wird. Diese „rahmenlosen“ Konstruktionen bieten eine besonders uneingeschränkte Sicht, sind allerdings meist nur mit mittlerem bis großem Rahmen erhältlich.

Skibrille für Brillenträger

Auch für Brillenträger gibt es inzwischen stylische Skibrillen, unter denen man komfortabel seine Brille mit Sehstärke tragen kann. Diese Skibrillen bilden eine preiswerte Alternative zu teuren optischen Einsätzen und haben einen tieferen Rahmen sowie seitliche Aussparungen für die Bügel. Im Bergzeit Shop findet man sie mit dem Anhängsel OTG (Over The Glasses).

Wer es als Brillenträger noch eine Stufe komfortabler haben möchte, kann sich auch für einen Skihelm mit Visier entscheiden. Der Vorteil dabei: Das Visier kann bei Pausen schnell nach oben geklappt werden und beschlägt durch die gute Luftzirkulation nicht so leicht.

Exkurs: Was ist der Unterschied zwischen Ski- und Snowboardbrillen?

Ganz einfach: Es gibt keinen. Denn auch beim Snowboarden benötigt man widerstandsfähige Brillenmodelle, deren Gläser perfekt an die jeweiligen Witterungsbedingungen angepasst sind – egal ob bedeckter Himmel oder strahlender Sonnenschein.

Noch unsicher, welche Skibrille die beste ist? Kontakt zu unserer Kundenberatung gibt es unter +49(0)8024-902290 oder beratung@bergzeit.de 

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