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Versicherungen für Wanderer

6 Minuten Lesezeit
Jedes Jahr verletzen sich zahlreiche Wanderer. Trotz aller Vorsicht kann auch beim Wandern ein Unfall nie ganz ausgeschlossen werden. Man sollte sich über einen sinnvollen Versicherungsschutz in den Bergen auf jeden Fall Gedanken machen.

Die Wander-Saison läuft auf Hochtouren, die Berge sind oft noch schneebedeckt, das Wetter immer wechselhafter und die alpinen Gefahren sowieso obsolet. Immer mehr Unfälle beim Wandern in den Bergen passieren, weil Wanderer untrainiert starten, sich überschätzen, nicht mit einem Wetterumschwung rechnen oder schlecht bzw. falsch ausgerüstet sind. Manchmal reicht ein Fehltritt, ein Augenblick der Unkonzentriertheit oder ein Problem mit dem Kreislauf beim Wandern und schon wird die Hilfe der Bergrettung benötigt. Jede Bergung bzw. jeder Einsatz und seine Folgen ziehen Kosten nach sich. Es macht also Sinn sich Gedanken über Versicherungen zu machen, auch für den Fall, das ein anderer zu Schaden gekommen ist.

Private Haftpflichtversicherung für Wanderer

Foto: Bergzeit / Hansi Heckmair
Wer gut versichert unterwegs ist beim Wandern, hat im Falle eines Unfalls einige Sorgen weniger.

Eine Haftpflichtversicherung sollte in Deutschland jeder haben, das ist aber nicht Pflicht. Wie bei Hausratversicherungen decken z. B. auch manche Haftpflichtversicherungen eigene Schäden ab – das kommt wie immer auf den Tarif bei der jeweiligen Versicherung und ihr individuelles Angebot an.

Der Klassiker: Auf einem Weg muss ein Radfahrer einem im Weg stehendem Wanderer ausweichen und stürzt – eine Situation, die schnell und überall vorkommen kann. Die Ausrüstung des Bikers nimmt bei dem Sturz Schaden. Wer einen Unfall verursacht, bei dem ein anderer und/oder sein Eigentum zu Schaden kommt, haftet und muss für dessen Schäden aufkommen. Das kann Ausrüstung, wie eine Outdoor-Jacke oder aber auch eine Lohnauszahlung bzw. Unterhaltszahlungen sein. Für Schäden gegenüber Dritten besteht eine Haftung mit dem gesamten Vermögen, bis der finanzielle Schaden, der entstand, vollständig ersetzt ist. Das Beispiel zeigt, wie wichtig eine Haftpflichtversicherung sein kann und welche unangenehmen Folgen sie verhindern kann.

Ein Geschädigter klagt in der Regel sofort, wenn der entstandenen Schaden nicht ersetzt wird. Genau hinschauen lohnt sich, denn die meisten Haftpflichtversicherer schließen sogenannte durch Freizeitsport verursachte Haftpflichtschäden mit ein, doch die Realität kann auch anders aussehen. In den Versicherungsbedingung wird darauf zwar hingewiesen, dennoch wird es oft überlesen: Sobald es bei der sportlichen Betätigung um das Erreichen einer Bestzeit geht – zum Beispiel bei einem Wandermarathon mit Zeitnehmung – handelt es sich um einem Rennen bzw. einen Wettkampf. Dann besteht in vielen Fällen kein Versicherungsschutz mehr.

Private Unfallversicherung für Wanderer

Die gesetzliche Unfallversicherung bietet in der Regel für Freizeitunfälle keinen ausreichenden oder gar keinen Schutz und gilt nur für den Geltungsbereich des deutschen Sozialgesetzbuches, nämlich Deutschland. Die private Versicherungswirtschaft bietet hier diverse Absicherungslösungen, wie eine private Unfallversicherung, eine Krankenhauszusatzversicherung oder eine Berufsunfähigkeits-Police. Wichtig bei der Auswahl einer solchen Versicherung ist, dass nicht Wandern oder Bergsport nicht per se als „Risikosportart“ ausgeschlossen ist!

Wer ohne sich Gedanken zu machen einfach eine private Unfallversicherung abschließt, kann im Ernstfall Probleme bekommen. Viele private Unfallversicherungen schließen Bergsport zwar nicht von vornherein aus, aber es werden zunächst Freizeitaktivitäten abgefragt. Es kann also durchaus sein, dass Bergsport im Allgemeinen ausgeschlossen wird. Gegebenenfalls ist ein Aufschlag fällig, damit die Aktivität wieder mitversichert werden kann. Auch spielt die Höhe bei Wanderungen eine Rolle, denn es kann tatsächlich sein, dass ein bestimmtes Höhenlimit nicht überschritten werden darf, z.B. 4.000 Meter. Wer sich informiert und nachfragt ist klar im Vorteil. Genau Hinschauen und Verhandeln lohnt sich immer!

© nullplus istockphoto.com
Kommt der Rettungshubschruaber zum Einsatz, schnellen die Such-, Bergungs- und Rettungskosten schnell in die Höhe. Gut beraten ist, wer sich abgesichert ist.

Wichtig, vor allem für Wanderer, ist die Abdeckung eventueller Such-, Bergungs- und Rettungskosten. Auch hier muss man aufpassen: Erstens müssen diese Leistungen überhaupt im Versicherungspaket angeboten werden und zweitens auch mit einer möglichst hohen Grenze. Bei einer guten Versicherung liegt diese Grenze zwischen 25.000 und 55.000 Euro. Gerade in schwer zugänglichem Gelände kann eine Bergung bzw. Rettung durch den Einsatz eines Rettungshubschraubers, durch Feuerwehr oder Bergwacht, extrem hohe Kosten verursachen. Ein weiterer Punkt ist unbedingt zu beachten: nicht überall auf der Welt greifen diese Versicherungen!

Auslandsreise-Krankenversicherung innerhalb Europas

Generell gilt bei Auslandversicherungen bei Reisen innerhalb Europas, dass die Leistungspflicht der Gesetzlichen Krankenversicherung (Europa-Länder mit Abkommen) vorrangig ist. Das gilt aber nicht für Krankenrücktransport, Bergung, und ähnliche Leistungen. Es können sogar länderspezifische Mehrkosten im Falle eines Unfalles auf einen zukommen. Grundsätzlich ist im europäischen Ausland die Behandlung im Krankenhaus durch Vorlage der EHIC (Europäische Krankenversicherungskarte) abgedeckt.  Aber auch hier ist Vorsicht geboten, denn die meisten Auslandskrankenversicherungen gelten nur für 42 Tage bzw. drei Monate im Ausland.

Auslandsreise-Krankenversicherung außerhalb Europas

Ausgenommen von üblichen privaten Unfallversicherungen sind unter anderem die Ausübung von Alpinsport, wie beispielsweise Trekkingtouren und Expeditionen im Rahmen von Pauschalreisen, außerhalb Europas. Eine auch im außereuropäischen Ausland wirksame Versicherung wird dann auf jeden Fall notwendig für gesetzlich Versicherte, denn nur private Krankenversicherungen übernehmen bei entsprechender Auswahl einen Krankenrücktransport aus dem Ausland. In der Regel sind auch Such-, Bergungs- und Rettungskosten in einer solchen Versicherung abgedeckt, jedoch mit einer Höchstgrenze. Auch hier gilt: Je höher, desto besser! Natürlich muss man wiederum bei den einzelnen Versicherungen darauf achten, dass die oben genannten Leistungen vollständig abgedeckt sind. Die meisten privaten Krankenversicherungen für den Auslandsaufenthalt sind – sollte man einen längeren Aufenthalt im Ausland planen – mit einer gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland zu koppeln.

Rechtsschutzversicherung kann nie schaden

Foto: Bergzeit / Hansi Heckmair
Wer träg dann die Such-, Rettungs- und Bergungskosten? Zum Beispiel bei einem Zwischenfall bei einer Wanderung in Tirol?

Eine Rechtsschutzversicherung hilft immer dann, wenn Ansprüche gegen andere geltend gemacht werden sollen, z.B. Schmerzensgeld oder Schadensersatz nach einem von Dritten verschuldetem Unfall. Vor allem Unfälle im Ausland ziehen oft komplizierte und zum Teil langwierige Verfahren nach sich. Selbst bei bereits zugunsten des Geschädigten entschiedenen Prozessen ist ein Teil der Gerichts- und Anwaltskosten ohne Versicherung oft selbst zu zahlen.

Reiserücktritts- und Reiseabbruchversicherung bei organisierten Wanderungen

Eine Reiserücktritts- und Reiseabbruchversicherung tritt dann ein, wenn wegen einer unerwarteten schweren Erkrankung oder im Falle eines Unfalles am Urlaubsort eine planmäßige Rückreise nicht mehr möglich ist. Je nach Versicherung und deren Portfolio werden Ereignisse wie unerwartete und schwere Erkrankung, Tod, schwere Unfallverletzung, Schwangerschaft, Bruch von Prothesen, erheblicher Schaden am Eigentum der versicherten Person infolge von Feuer, Wasserrohrbruch, Elementarereignissen oder strafbarer Handlungen Dritter abgesichert. Auch Verkehrsmittelverspätung und Ersatz der vertraglich geschuldeten Stornokosten sowie anfallende Umbuchungskosten beim Veranstalter sind im Leistungsumfang von Versicherungen zu finden.

Prinzipiell gilt: Da man selbst bei leichten Wanderungen im In- und Ausland trotz guter und kompletter Ausrüstung, einen Unfall nie ganz ausschließen kann, macht es Sinn sich vor dem Ausflug in die Berge Gedanken zu machen. Bin ich im Falle des Falles versichert? Auch in Nachbarländern wie Österreich, Schweiz und Frankreich? Und, was ist mit der nächsten Trekkingreise?

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