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Skitourenabenteuer in den Walliser Alpen

Girls Haute Route Skitour powered by Karpos

8 Minuten Lesezeit
Die beiden österreichischen Bergsportlerinnen Caro und Sophie starteten im April letzten Jahres den Versuch, sich ihren lang ersehnten Traum zu erfüllen: Die Haute Route Skitour in den Walliser Alpen. Erlebe mit ihnen vier abenteuerliche, anspruchsvolle und wunderschöne Tage voller Überraschungen.

Vorbereitungen auf die Haute Route Skitour

Die Haute Route der Walliser Alpen ist die Königin der Ski Hochtouren. Sie zu bewältigen war seit vielen Jahren der große Traum der beiden österreichischen Bergsportlerinnen Caro Gredler und Sophie Wirnsberger. Um den Traum Wirklichkeit werden zu lassen sah ihr Plan vor, die mehrtägige Skidurchquerung im April 2022 in Angriff zu nehmen.

Bereits bei der Vorbereitung hatten die beiden, aufgrund diverser Erkrankungen und der unkalkulierbaren Wetterbedingungen auf der Haute Route, mit Widerständen zu kämpfen. Mehrfach mussten Caro und Sophie den Start verschieben, was zusätzlich einige berufliche Herausforderungen mit sich brachte. Beide mussten unter anderem immer wieder ihre Urlaube canceln und neu beantragen. Doch das sind kleine Herausforderungen im Vergleich zu dem, was ihnen unterwegs noch bevorstand.

Die beiden österreichischen Bergsportlerinnen lassen sich durch einige Hindernisse in Vorbereitung und Anreise nicht ihre gute Laune nehmen.

Caro Gredler, Sophie Wirnsberger

Die beiden österreichischen Bergsportlerinnen lassen sich durch einige Hindernisse in Vorbereitung und Anreise nicht ihre gute Laune nehmen.


Anreise in die Walliser Alpen

Nach einer ausgiebigen Vorbereitungsphase mit viel Literatur- und Internetrecherche, sowie etlichen Gesprächen mit erfahrenen Alpinisten, machten sich Caro und Sophie schließlich am Sonntag, den 24. April 2022 mit dem Auto auf den Weg nach Zermatt. Von dort aus fuhren sie mit dem Zug weiter nach Charmonix beziehungsweise nach Argentière, um am 25. April endlich starten zu können.

Doch extremer Starkregen und ein erhöhtes Lawinenrisiko machte den beiden erneut einen Strich durch die Rechnung und sie mussten ihren Aufbruch nochmals um einen Tag verschieben. Die Unsicherheit und Zweifel, ob es dieses Jahr einfach nicht sein soll, steigerte sich von Stunde zu Stunde. Dennoch entschieden sich die beiden, bis Dienstagmorgen abzuwarten und dann abzuwägen, ob sie aufbrechen können oder ob es zu gefährlich sei.

Tag 1: von Argentière zur Cabane du Trient

Der Wettervorhersage nach sollte es an diesem Dienstag bewölkt sein, mit einer leichten Regenwahrscheinlichkeit am Nachmittag.

Die Realität brachte Dauerregen am Morgen in Argentière.

Die Entscheidung, erst gegen 11:00 Uhr zu starten, war also die richtige. Zudem wussten Caro und Sophie, dass sie wohl nur diesen ersten kritischen Tag zu überstehen hatten. Denn ab Mittwoch sollte das Wetter besser werden und es sollte dann auch mehr Spuren geben, um bei der strapaziösen Tour etwas leichter voranzukommen.

Grenzerfahrungen gleich am ersten Tag

Und doch brachte dieser erste Tag für die beiden eine der größten alpinen Herausforderungen ihres bisherigen Lebens. Schlechte Sicht, fehlende Spuren, wenig vertrauenerweckende Seilschaften, hohes Lawinenrisiko, gefährliche Gletscherspalten – all das brachte Caro und Sophie an die Grenzen ihrer Belastbarkeit.

Der erste Tag der Tour war nicht nur wettertechnisch eine Herausforderung für die beiden.

Caro Gredler, Sophie Wirnsberger

Der erste Tag der Tour war nicht nur wettertechnisch eine Herausforderung für die beiden.


Einige Couloirs konnten nur mit Seil bewältigt werden und endeten zum Teil vor trügerisch von Neuschnee verborgenen Gletscherspalten. Aufgrund des verspäteten Tourstarts an diesem Tag, kam auch noch die einbrechende Dunkelheit dazu. Sie sorgte letztlich dafür, dass die beiden nach endlosen Überlegungen, Abwägungen und zahlreichen Blicken auf die Karte, ihren ursprünglichen Plan aufgaben und sich in Richtung Cabane du Trient aufmachten. Es wäre bei diesen Bedingungen viel zu gefährlich und verantwortungslos gewesen, der geplanten Route weiter zu folgen.

Sicherheit geht vor

So erreichten die Zwei über eine weitaus sicherere Route bei Sonnenuntergang die Hütte Cabane du Trient in einer Höhe von 3.170 Metern. Während sie sich an die Neuplanung ihrer Haute Route Tour machten, stieg in der Hütte eine wilde Party. Der Grund zum Feiern: Es war die letzte Nacht der Frühjahrssaison, in der die Cabane du Trient geöffnet hatte. Caro und Sophie mussten trotz einsetzender Müdigkeit mitfeiern, um sich ihren notwendig gewordenen Shuttleplatz für den nächsten Tag zu sichern. Lieber hätten sie zwar auf diesen verzichtet, aber sie waren sich einig, dass es besser war, ein Stück mit dem Taxi zu absolvieren, als das Projekt komplett aufgeben zu müssen oder gar ihr Leben zu riskieren. Spoiler: es wurde eine extrem kurze Nacht…

Tag 2: von der Cabane du Trient zur Cabane de Chanrion

Der Wecker klingelte am nächsten Morgen um 5:30 Uhr. Alles andere als ausgeschlafen starteten Caro und Sophie gegen 7:00 Uhr bei Sonnenaufgang mit den Skiern die Abfahrt in Richtung Champex. In ihrer eigentlichen Planung wären sie deutlich früher aufgebrochen, um an diesem Tag zwei Etappen absolvieren zu können, aber die Routenänderung und die Abhängigkeit vom (ursprünglich nicht geplanten) Shuttle nach Bourg-Saint-Pierre ließen dies nicht zu.

Auf falscher Fährte

Um 11:00 Uhr endlich ging es in Bourg-Saint-Pierre bei perfektem Wetter weiter – zweieinhalb Stunden mit den Skiern auf dem Rücken. Die Geschwindigkeit war eher zügig bis schnell, weil immerhin noch 30 Kilometer und 2.000 Höhenmeter vor ihnen lagen. Sie folgten einer Gruppe, die mit Bergführer unterwegs war, obwohl diese die an sich falsche (Sommer-) Route wählten. Aber Caro und Sophie trauten dem Bergführer, was sich als Fehler herausstellen und wodurch sie nochmal eineinhalb Stunden verlieren sollten. Es war sehr heiß und die schweren Rucksäcke sowie der fehlende Schlaf machten sich mehr und mehr bemerkbar.

Caro und Sophie müssen an Tag 2 für ihre Fehlentscheidung am Vormittag den Preis zahlen – schlagen sich aber tapfer trotz Schlafmangel und Hitze.

Caro Gredler, Sophie Wirnsberger

Caro und Sophie müssen an Tag 2 für ihre Fehlentscheidung am Vormittag den Preis zahlen – schlagen sich aber tapfer trotz Schlafmangel und Hitze.


Erst gegen 15:00 Uhr erreichten sie mit der Cabane de Valsorey das offizielle Haute Route Etappenziel dieses Tages. Und wieder mussten die beiden entscheiden: Den Tag hier beenden? Oder doch weiter über eine zum Teil durch Neuschnee und Tageszeit sehr gefährliche und schwierige Route, zur Hütte Cabane de Chanrion? Nachdem sie einen Großteil ihrer Essensvorräte an andere Hüttengäste verteilt hatten, bestärkten der Hüttenwirt und ein lokaler Bergführer die beiden, es an diesem Tag noch bis zur Cabane de Chanrion zu schaffen.

Große Schritte mit kleinem Gepäck

Mit deutlich leichterem Rucksack, aber auch großem Respekt vor Lawinen und der restlichen Strecke, machten sie sich auf den Weg. Es folgten bei schlechten Schneeverhältnissen, aber traumhaftem Panorama, fünf harte und kräftezehrende Stunden über steile Couloirs in einer Höhe von über 3.500 Metern. Erst um 20:30 Uhr kamen die zwei auf der Cabane de Chanrion an, wo sie von einem bereits besorgten Hüttenwirt erleichtert empfangen wurden.

Mit Sonnenbrand und anderen körperlichen Wehwehchen ging es fast nahtlos an die erneute Planung des nächsten Tages. Die Frage an diesem Abend auf der Cabane de Chanrion: Sollten sie, wie die meisten anderen anwesenden Haute Route Aspiranten, den etwas längeren Weg über Arolla wählen? So würden sie es nicht an einem Tag schaffen. Oder sollten sie der schwierigeren und auch gefährlicheren, ursprünglich geplanten Route folgen? Der Wecker wurde für den nächsten Morgen wieder auf 5:30 Uhr gestellt.

Tag 3: von der Cabane de Chanrion nach Zermatt

Die Entscheidung war gefallen: Caro und Sophie starteten um 7:00 Uhr alleine und als einziges Team auf der Hütte ihre geplante Route in Richtung Zermatt. Und das ohne den Umweg über Arolla. Beide fühlten sich gut an diesem dritten Tag. Auch die Höhe machte ihnen keinerlei Probleme. Schöne Gletscher, unendliche Weiten und die Einsamkeit waren zudem angenehme Begleiter.

Ein wahrer Traumtag auf der Route: Tag 3 entpuppt sich als Erfolg.

Caro Gredler, Sophie Wirnsberger

Ein wahrer Traumtag auf der Route: Tag 3 entpuppt sich als Erfolg.


Dennoch bremste mehrere Unterbrechungen die beiden trotz ihres flotten Tempos immer wieder aus. Zeit für Film- und Bildaufnahmen sowie einige vorzunehmende Modifikationen an Caros Schuhen und Einlegesohlen waren waren verlangsamende aber unvermeidbare Störfaktoren. Mit Blick auf das, was noch vor ihnen lag, beschlossen sie, auf die Besteigung des Tête Blanche zu verzichten. Rückblickend wäre dies zwar problemlos machbar gewesen, aber sich für die sicherere Variante zu entscheiden war dennoch eine gute Entscheidung.

Unverhoffte Stärkung

Auf ihrem Weg über die Gletscher trafen sie unvermittelt auf Teilnehmer der PDG (Patrouille des Glaciers). Die Patrouille des Glaciers ist das weltweit größte Rennen für Skibergsteiger. Dabei wird in Dreier-Teams gestartet und man kann zwischen zwei Strecken wählen: Von Arolla nach Verbier (26 Kilometer) oder von Zermatt nach Verbier (53 Kilometer).

Die sympathischen, lustigen und äußerst gastfreundlichen PDG-Jungs luden Caro und Sophie zum Essen in ihre Zelte ein. Ordentlich gestärkt machten sich die beiden anschließend auf den langen, landschaftlich traumhaften und nahezu schneefreien Weg Richtung Zermatt, dem Matterhorn immer ganz nah. Ihnen wurde langsam bewusst, dass es nun keine besonderen Überraschungen mehr geben sollte und die größten Herausforderungen hinter ihnen lagen.

Um 19:00 Uhr erreichten Caro und Sophie glücklich, stolz und auch etwas ungläubig ihr letztes Tagesziel.

Sie hatten die Haute Route tatsächlich gemeistert und es rechtzeitig nach Zermatt geschafft!

Super motiviert durch das Geleistete und den letzten Tag, erschien den beiden ihr leiser Traum von der zusätzlichen Besteigung der Dufourspitze im Monte Rosa Massiv wieder deutlich näher. Aber sowohl die Bedingungen, der um einen Tag verschobene Haute Route Start als auch die anstehende Hochzeit von Sophie’s Schwester machten dies schlichtweg unmöglich. Es war klar, dass die beiden am nächsten Tag, gezeichnet von Sonnenbrand und etlichen Blasen an den Füßen, die Heimreise antreten mussten. Es war aber auch klar, dass sie sicher zurückkehren werden!

Fazit und Rückblick auf die Haute Route

Erst mit etwas Abstand und der Einordnung des Geleisteten, war es Caro und Sophie möglich, stolz ein finales Fazit zu ziehen.

Manchmal muss man einfach loslegen und etwas riskieren, auch wenn die Vorzeichen nicht optimal erscheinen.

Gleichzeitig aber sollte man sich, bei aller Risikobereitschaft, immer vor Augen führen, wo man unterwegs ist. Wechselnde Schnee- und Wetterbedingungen erfordern permanente Flexibilität. Sicherheit muss immer vorgehen, vor allem in dieser Höhe mit all ihren Gefahren!

Generell hätten sie häufiger mehr auf ihren Instinkt vertrauen dürfen, als irgendwelchen vermeintlich richtigen Spuren zu folgen. Zudem wären sie auch mit deutlich weniger Proviant zurecht und somit auch leichter, zügiger vorangekommen.

Zu guter Letzt, Caro und Sophie werden ganz sicher wiederkommen und eines Tages womöglich auch die Patrouille des Glaciers in Angriff nehmen. Ihr Erfolg auf der Haute Route hat ihnen gezeigt, was für ein hervorragendes Team sie sind.

Dieser Text erschien zuerst auf karpos-outdoor.com

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