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Stehen, treten, hooken?

Boulder- und Kletterschuhe für Anfänger im Test

6 Minuten Lesezeit
Du bist Boulder-Neuling und auf der Suche nach Deinem ersten Paar Kletterschuhe? Melanie vom #bergzeitsquad Klettern & Bouldern hat sich vier Allround- bzw. Einsteigerkletterschuhe für einen Vergleichstest vorgenommen und gibt Dir Tipps, worauf Du bei der Auswahl achten solltest.

Zunächst möchte ich eine ganz wichtige Sache betonen: Es passt nicht jeder Kletterschuh zu jedem Fuß! Kaum eine Schuhart muss wohl so präzise sitzen wie ein Kletterschuh und bei kaum einer Sportart kommt dem Schuh eine so zentrale Rolle zu wie beim Klettern und Bouldern. Sei also nicht überrascht oder frustriert, wenn Du einige Kletterschuhe durchprobieren musst, um die richtigen für Dich zu finden.

The perfect fit: Um die passenden Boulderschuhe für Dich zu finden, lohnt es sich, verschiedene Modelle diverser Hersteller miteinander zu vergleichen.

Melanie Ordnung

The perfect fit: Um die passenden Boulderschuhe für Dich zu finden, lohnt es sich, verschiedene Modelle diverser Hersteller miteinander zu vergleichen.


Worauf ist bei Kletterschuhen zu achten?

Unsere Fußformen unterscheiden sich stark und auch die Zehenanordnung führt dazu, dass der Schnitt des Schuhs zu einem passt oder eben nicht. Die erste Herausforderung lautet also: Einen Schuh passend zur eigenen Fußform zu finden! Eine ausführlichere Beschreibung der Fußformen findest Du hier – die Begrifflichkeiten findest Du in diesem Vergleichstest der vier Einsteigermodelle wieder.

1. La Sportiva Tarantula

Der Tarantula von La Sportiva ist ein Schuh mit wenig Asymmetrie und Vorspannung und kaum Downturn. Im Test habe ich die Frauenvariante genutzt.

Den La Sportiva Klassiker Tarantula gibt’s als Frauen- und Herrenvariante.

Melanie Ordnung

Den La Sportiva Klassiker Tarantula gibt’s als Frauen- und Herrenvariante.


Er ist ziemlich bequem mit wenig Asymmetrie, Vorspannung und kaum Downturn.

Melanie Ordnung

Er ist ziemlich bequem mit wenig Asymmetrie, Vorspannung und kaum Downturn.


Passform & Komfort

Der Tarantula ist ein Klassiker – mit dem kannst Du eigentlich nicht viel falsch machen. Mit ihm sind schon viele Kletterer in ihre Karriere gestartet, in jeder Halle ist er vertreten. Zwar tendiert er zu einer römischen Zehenanordnung, passt aber auch breiten Füßen außerordentlich gut. Ich persönlich habe einen ziemlich schmalen Fuß, aber der Tarantula lässt sich auch hier flexibel enger stellen. Das Obermaterial ist aus weichem Velourleder (übrigens der einzige Schuh mit Leder hier im Testvergleich), das sich mit der Zeit noch genauer an den Fuß anpasst. Bezüglich der Größenwahl empfehle ich den Schuh etwa eine 0,5 bis 1 Nummer kleiner zu wählen als die Straßenschuhgröße.

Mein Testfazit: Der La Sportiva Tarantula

  • Vielseitiger und langlebiger Allrounder, der in Kletterkreisen schon zu großer Begeisterung geführt hat.
  • Durch das anpassungsfähige Leder auf lange Sicht sehr passgenau und „personalisiert“ auf den eigenen Fuß.
  • Der Tarantula eignet sich übrigens auch hervorragend zum Alpinklettern.

2. Red Chili Ventic Air

Der Ventic Air von Red Chili hat eine geringe Vorspannung und Asymmetrie sowie eine gerade Sohle ohne Downturn. Der Schuh ist unisex.

Der Red Chili Ventic Air ist unisex.

Melanie Ordnung

Der Red Chili Ventic Air ist unisex.


Er zeichnet sich durch geringe Vorspannung und Asymmetrie sowie eine gerade Sohle ohne Downturn aus.

Melanie Ordnung

Er zeichnet sich durch geringe Vorspannung und Asymmetrie sowie eine gerade Sohle ohne Downturn aus.


Passform & Komfort

Red Chili hat mit diesem Schuh in der Tat den Fokus auf den Komfort- und Einstiegskletterer gelegt, der seine Füße langsam an das Tragen von Kletterschuhen gewöhnen möchte und vor allem Spaß und eine angenehme Zeit beim Bouldern und Klettern sucht. Bezüglich der Form würde ich sagen, dass sich der Schuh für mittelbreite und breitere Füße eignet, die Zehenform ist eher römisch. Das Obermaterial ist aus einem relativ dehnbaren Strick-Stoff.

Der Schuh hat keine Zunge, sondern mehr die Form einer Socke, besteht also nur aus einem nahtlosen Stück (so treten Falten und Druckstellen gar nicht erst auf). Im Vergleich zu den anderen Schuhen hier im Test ist das Obermaterial das dünnste und luftigste, vor allem am mittleren Fußrücken ist es sehr luftdurchlässig durch die kleinen Löcher. Mit dem Ventic Air kann man also – wie der Name schon deutlich macht – schwitzige Füße super vermeiden. Der Ventic Air fällt ein bisschen größer aus, ich empfehle den Schuh etwa 0,5 Nummern kleiner zu wählen als die Straßenschuhgröße.

Ventic Air

Die Stärke des Ventic Air liegt im Komfort – dafür muss man etwas Abstriche beim Antritt auf kleinen Tritten machen


PerformancernDer Ventic Air macht so ziemlich alles mit, von Volumen über mittelgroße Tritte bis hin zu ganz passablen Hooks. Dabei wird vor allem Stabilität und Standfestigkeit geboten und mit Komfort verbunden. Man kann den Schuh somit die ganze Bouldersession über ohne Schmerzen am Fuß behalten. An sehr kleinen Tritten kommt der Ventic Air allerdings an seine Grenzen: Hier bräuchte er für mich persönlich ein bisschen mehr Sensibilität in den Fußspitzen.rnrnSohle & HaftungrnVon den vier Testschuhen hat der Ventic Air definitiv die steifste Sohle. Die RX2 Sohle (4,5 mm) lässt sich mit der Hand nur mit ordentlich Kraft durchbiegen. Der Vorteil davon ist, dass dies natürlich dem Fuß viel Unterstützung bietet, was einem Einsteigerfuß sehr entgegenkommt: Die Fußmuskulatur wird durch die feste Sohle entlastet. Kehrseite der Medaille: Dafür kann man entsprechend etwas weniger feinfühlig antreten.rnrnVerstellbarkeitrnMan kann den Schuh mit zwei Klettverschlüssen enger stellen und dem Fuß damit Halt geben. Zum Anziehen schlüpft man in den Ventic Air wie in eine Socke, das fand ich sehr angenehm. Insgesamt geht das An- und Ausziehen dank Klettverschluss super schnell.

Mein Testfazit: Der Red Chili Ventic Air

  • Empfehlenswert für Anfänger und für Kletterer, die einen Schuh mit viel Unterstützung für den Fuß suchen.
  • Luftiger und atmungsaktiver Schuh, für sportlich intensives Training und bei warmen Temperaturen.
  • Genusskletterschuh, der sich wunderbar für das Bouldern in der Halle eignet.

3. Black Diamond Momentum Lace

Der Momentum Lace von Black Diamond ist ein neutraler Schuh mit geringer Asymmetrie und ohne Vorspannung und Downturn. Ich habe ihn in der Frauenvariante getestet.

Den Momentum Lace von Black Diamond gibt es ebenfalls als Damen- und als Herrenvariante.

Melanie Ordnung

Den Momentum Lace von Black Diamond gibt es ebenfalls als Damen- und als Herrenvariante.


Durch die „Knit Technology“ – das gestrickte Obermaterial – ist der Schuh angenehm zu tragen.

Melanie Ordnung

Durch die „Knit Technology“ – das gestrickte Obermaterial – ist der Schuh angenehm zu tragen.


Passform & Komfort

Der Momentum Lace ist eher schmal geschnitten und hat ganz klar eine ägyptische Form. Nachdem ich persönlich eine sehr stark ägyptisch ausgeprägte Fußform und zudem einen sehr schmalen Fuß habe, passt mir dieser Schuh wie angegossen und von allen vier Testschuhen am besten. Außerdem lässt sich durch die Schnürung der Schuh recht eng an den Fuß anpassen. Die „Knit Technology“ von Black Diamond, sprich das gestrickte Obermaterial, ist sehr angenehm zu tragen, sieht gut aus und sorgt für eine gute Atmungsaktivität. Das Material gibt Halt, ist aber auch flexibel, somit treten keine Druckstellen auf. Achtung, der Schuh fällt sehr klein aus, ich empfehle, den Schuh 1-1,5 Größen größer als die Straßenschuhgröße zu wählen.

Mein Testfazit: Der Black Diamond Momentum Lace

  • Definitiv ein sehr bequemer Schnürer, der als Allrounder überzeugt und den man den ganzen Tag über tragen kann.
  • Für schmale Füße geeignet.
  • Klare Empfehlung für alle Genusskletterer, nicht nur für Einsteiger.
  • Als weiteren Verwendungszweck sehe ich hier übrigens ganz klar auch das Klettern von Mehrseillängen.

4. Scarpa Veloce

Mit dem Veloce hat Scarpa ein besonderes Konzept auf den Markt gebracht – einen Einsteigerschuh, der nicht wie üblich eher steif ist, sondern sehr weich. Der Veloce ist ein moderater Schuh mit wenig Vorspannung, moderat asymmetrisch und mit etwas Downturn. Er wurde speziell für das Hallenbouldern entworfen. Auch hier hatte ich die Frauenversion im Test.

Auch den Veloce von Scarpa gibt es in einer Damen- und einer Herrenvariante.

Melanie Ordnung

Auch den Veloce von Scarpa gibt es in einer Damen- und einer Herrenvariante.


Der zarte und sensible Veloce ermöglicht ein sauberes und präzises Antreten.

Melanie Ordnung

Der zarte und sensible Veloce ermöglicht ein sauberes und präzises Antreten.


Passform & Komfort

Für den Anfängerfuß ist der Veloce durchaus etwas gewöhnungsbedürftig, da ein leichter Downturn vorhanden ist. Daher ist er im Vergleich zu den anderen drei Schuhen sicherlich etwas anspruchsvoller zu tragen, da die Zehen bereits ein bisschen enger in die Zehenbox geschoben werden. Der Schuh hat eine eher runde Spitze und ist somit gut geeignet für römische Zehen. Wenn du schon eine Weile boulderst oder kletterst und bereits eine gute Fußmuskulatur hast, ist der Veloce eine Option für Dich. Sehr angenehm anzufassen ist das Mikrofaser-Obermaterial: Man hat ein super softes Gefühl, wenn man barfuß in die Schuhe schlüpft. Bezüglich der Größe rate ich zu etwa einer halben Größe kleiner als die Straßenschuhgröße.

Scarpa Veloce Kletterschuh für Damen und Herren

Beim Veloce ist etwas Eigenarbeit der Füße angesagt: Der sensible und softe Schuh bietet weniger Unterstützung für die Fußmuskulatur.


PerformancernDer Veloce ermöglicht ein präzises Antreten, man hat ein sehr genaues Gefühl in den Zehenspitzen. Es ist ein sehr zarter und sehr weicher Schuh, damit im Vergleich sehr viel sensibler als die anderen Schuhe im Test: Man spürt viel stärker, wo man an der Wand hintritt. Ein wenig Abstriche macht man dabei natürlich bei der Unterstützung, die der Schuh bietet, denn man muss selbst entsprechend stärker für die Kraftübertragung sorgen (z.B. bei kleinen Tritten gefragt).rnrnSohle & HaftungrnDie 4 mm Sohle hat einen sehr weichen Gummi, der geschmeidig ist und sich toll an den Tritt bzw. an Volumes anschmiegt. Damit hat man an der Wand auch mehr Grip auf Reibung. Die Sohle ist geteilt, das heißt im mittleren Fußbereich ist der Gummi unterbrochen. Dies begründet natürlich die weiche Beschaffenheit des Schuhs.rnrnVerstellbarkeitrnEin Zickzack-Klettverschluss verteilt den Zug schön gleichmäßig auf den Fußrücken. Vielleicht ist das Band einen Tick zu dünn geraten, aber diese Art des Klettverschlusses hat mir sehr gut gefallen.

Mein Testfazit zum Scarpa Veloce

  • Ein angenehmer Schuh, viel weicher als die meisten Einsteigerschuhe, mit sehr viel Gefühl fürs Antreten und super fürs Bouldern an Volumen! Der Veloce hat somit eine klare Stärke fürs Bouldern in der Halle.
  • Empfehlung für den ambitionierten Anfänger, der auf der Suche nach einem Schuh mit Sensibilität und Gefühl ist.
  • Der Schuh ist übrigens vegan-friendly.

Die vier Modelle im direkten Vergleich

ModellPassform & KomfortPerformanceSohle & HaftungVerstellbarkeit
La Sportiva TarantulaGut anpassbar, auch für breite Füße. Größe: 0,5-1 Nummern kleiner als gewohntVielseitige EinsatzmöglichkeitenGute Haftung, stabile Sohle, gutes Maß an UnterstützungKlettverschlüsse, einfach und flexibel verstellbar
Red Chili Ventic AirFür mittelbreite und breite sowie schnell schwitzende Füße. Größe: 0,5 Nummern kleiner als gewohntStabilität, Standfestigkeit und Komfort - kommt an sehr kleinen Tritten an seine GrenzenSteife Sohle mit viel Unterstützung für Einsteigerfüße, dafür weniger sensibel im AntrittKlettverschlüsse, einfach und flexibel verstellbar
Black Diamond Momentum LaceFür schmale Füße und mit gestricktem Obermaterial für angenehmes Tragen. Größe: 1-1,5 Nummern größer als gewohntAllrounder: Gut auf Reibung, auch für kleine Tritte geeignetLanglebige Sohle mit guter Reibung auf geneigten und senkrechten BouldernSchnürung, sehr genaue Anpassung an den Fuß
Scarpa VeloceAnspruchsvollerer Schuh mit leichtem Downturn. Größe: 0,5 Nummern kleiner als gewohntFür präzises Antreten mit viel Gefühl in den Zehenspitzen; Fußarbeit gefordertSehr weiche und geschmeidige Sohle für guten Grip auf ReibungZickzack-Klettverschluss, der den Zug gleichmäßig auf den Fuß verteilt

Fazit

Ich hoffe, ich konnte Dir mit diesen vier Beispielen eine gute Orientierungshilfe geben. Letzten Endes kann man weniger von einer guten oder schlechten Passform generell sprechen, sondern immer nur auf den individuellen Fuß bezogen. Natürlich gibt es viele weitere Allround-Kletterschuhe, schau Dir z.B. auch gern den Scarpa Velocity (für Herren und Damen) an oder auch den Red Chili Session. Insbesondere für die „griechische Fußform“ lohnt sich auch ein Blick auf den Mythos von La Sportiva.

Mehr über’s Bouldern gibt’s hier:

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