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Zwischen zwei Gipfeln

Über die Kuhleitenhütte zum Ifinger hoch über Meran

5 Minuten Lesezeit
Der Ifinger ist der Hausberg Merans - nur wenige Meter unter seinem Gipfel liegt die Kuhleitenhütte, uriges Bergdomizil und zugleich erstklassiger Aussichtspunkt. Bergzeit-Autorin Sabine Dettling berichtet über eine aussichtsreiche Tour.

Im zweiten Teil unserer Serie „Kulinarisches Wandern in Südtirol“ entführte uns Sabine Dettling nach Lana, von wo aus über Jausenstationen und Buschenschänken die aussichtsreiche Kirche St. Hippolyt erwandert wurde. Im dritten Teil geht es etwas höher hinauf – vom Haflinger Ortsteil Falzeben zur Kuhleitenhütte und weiter Richtung Ifinger, dem Meraner Hausberg.

Von Falzeben Richtung Kuhleitenhütte

Bevor wir an diesem eisig kalten Morgen Mitte September den Gipfelsturm angehen, wärmen wir uns im Hotel Falzeben oberhalb von Hafling mit einem Cappuccino auf. In der Nacht ist Schnee gefallen. Die Temperaturen liegen um den Gefrierpunkt. Weg 14, der parallel zur Umlaufbahn Falzeben verläuft, ist perfekt zum Aufwärmen, denn seine Steigung ist nur mäßig und erlaubt flottes Gehen.

Auf einem Aussichtsbalkon erbaut: Die Kuhleitenhütte. | Foto: Sabine Dettling
Auf einem Aussichtsbalkon erbaut: Die Kuhleitenhütte. | Foto: Sabine Dettling

Die hübschen blonden Haflinger Pferde, die früher als Saum- und Zugpferde eingesetzt wurden, sind schon sehr munter und füllen sich den Bauch mit frischem Gras. Kurz nach der Rotwandhütte wechseln wir von Weg 14 auf Weg 3, den sogenannten Kuhleitenweg – und werden plötzlich von einem ganzen Wanderer- und Spaziergängerschwarm geschluckt, den die Bergbahn ausgespuckt hat. Von hier aus überblicken wir weite Teile des Skigebiets Meran 2000.

Als wir am Naifjoch Richtung Ifinger abbiegen, folgt uns niemand mehr. Jetzt sind wir ganz alleine auf dem schmalen Pfad unterwegs, der zu den beiden Gipfeln, dem Kleinen (2.552 Meter) und dem Großen Ifinger (2.581 Meter), führt. Je weiter wir nach oben kommen, umso größer werden die Schneeflecken. Der Untergrund ist zum Teil ziemlich vereist und rutschig, und der stark böige und eisige Nordföhn sorgt nicht gerade für Wohlfühlklima.

Den Heini-Holzer-Klettersteig zum Gipfel des Großen Ifinger nehmen wir von der Scharte aus in Augenschein, entscheiden uns aber angesichts der widrigen Bedingungen für den Rückzug Richtung Kuhleitenhütte. Fast rechtzeitig zur Mittagessenszeit betreten wir die warme Stube des auf einem Aussichtsbalkon in 2.361 Metern erbauten Gasthauses.

Käseknödel auf der Kuhleitenhütte

Zwar wäre die Aussicht von der Terrasse wirklich grandios gewesen, aber wir suchen lieber einen Platz in der Nähe des Kachelofens. Die Kuhleitenhütte ist keine Berg- oder Schutzhütte und kein Stützpunkt für Bergsteiger im klassischen Sinne, sondern eher ein Alpengasthaus.

Die Hütte ist in Privatbesitz, sie bietet keine Möglichkeit zu nächtigen, und sie ist mit der Bergbahn Meran 2000 und über bequeme Bergwege problemlos erreichbar. Auf der Speisekarte stehen Köstlichkeiten der Südtiroler Küche wie das Kuhleitenbrettl mit Speck und Käse und das Kuhleiten-NudelPfandl, Kaiserschmarrn, Speckknödel auf frischen Pfifferlingen und Käseknödel auf Krautsalat.

Wir entscheiden uns für das Kuhleiten-Pfandl und die Käseknödel – und ein großes Stück Buchweizentorte zum Nachtisch. Die Portionen sind nun nicht so groß, dass der Gast übermäßig satt wäre, aber die Qualität des Essens ist hoch, und die Portionsgröße ist ausreichend, um noch einen Gipfel unter die Bergschuhe nehmen zu können.

Steinmännchen an der Oswald-Scharte. | Foto: Sabine Dettling
Steinmännchen an der Oswald-Scharte. | Foto: Sabine Dettling

Rückzug am Plattinger

Unser nächstes Ziel ist der Plattinger (2.615 Meter). An der Oswaldscharte zeigt der Nordföhn ein besonders unangenehmes Gesicht. Nicht viel angenehmer ist das Klima auf Weg 19B hinauf zum Fuße des Plattinger und Vorderer Verdinser Plattenspitze, und je näher wir dem Gipfel des Plattinger kommen, umso schwieriger wird das Unterfangen. Rings um uns fallen große Eiszapfen krachend in die Tiefe. Die großen Steinblöcke sind mit einer dünnen Schicht aus Eis und Schnee überzogen.

Der eisige Plattinger war an diesem Tag nicht zu bezwingen. | Foto: Sabine Dettling
Der eisige Plattinger war an diesem Tag nicht zu bezwingen. | Foto: Sabine Dettling

In diesem steilen Gelände würde jeder Ausrutscher ein bitterböses Ende nehmen. Wir entdecken Fußabdrücke im Schnee: An dieser Stelle muss kürzlich jemand umgekehrt sein. Etwa zehn Höhenmeter später kapitulieren auch wir und treten zum zweiten Mal an diesem Tage den Rückzug an.

Im windgeschützten Tal des St. Oswald-Baches sieht die Welt schon wieder viel freundlicher aus. Wir kehren in der Waidmann-Alm ein und genießen eine fast schon sündhaft teure Buttermilch. Als wir auf den Fernwanderweg E5 einbiegen, kommt die Sonne heraus, und die Föhnlinsen am Himmel zeigen sich von ihrer schönsten Seite.

Der Weg hinunter zur Moschwald-Alm führt durch Wald und weite Almböden. Die Alm selbst lassen wir links liegen, denn der Tag neigt sich mit großen Schritten dem Ende entgegen. Vom Alten Almsteig im Grüblalmbach-Tal, den wir über ein steiles Wegstück mit gut zwanzig Prozent Gefälle erreichen, wechseln wir, den Bach querend, auf Weg 51, der weitestgehend eben zurück zum Ausgangspunkt Falzeben führt.

Alle Daten zur Tour:

  • Start und Ziel: Parkplatz Falzeben
  • Tourenlänge: 16,6 Kilometer
  • Höhenmeter: 1.278 Meter

 

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