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Wer die Waal hat!

Waalwege in Südtirol: Wandern am Glurnser, Kuenser und Algunder Waalweg

7 Minuten Lesezeit
Wer die Wahl hat, sollte sich eine Wanderung auf einem der zahlreichen Waalwege Südtirols nicht entgehen lassen. Uli Wittmann stellt drei leichte, familientaugliche Waal-Wanderungen vor.

Waalwege gehören zu Südtirol wie der deftige Speck, die Dolomiten oder das Schüttelbrot. Im Vinschgau und dem Burggrafenamt sind die uralten Kanäle, mit denen die Landwirte früher ihre Felder bewässerten, erhalten geblieben. Alle, die Südtirol von einer ganz anderen Seite kennenlernen wollen, schnüren sich die Wanderschuhe und gehen entlang eines solchen Kanals auf einem Waalweg. Drei dieser Waalwege stellen wir euch hier vor:

Warum gibt es Waalwege?

Waalwege führen entlang der historischen Bewässerungskanäle ("Waale"), die vor allem im Vinschgau früher die Felder mit Wasser versorgten. Heute sind es wunderbare Wanderwege. | Foto: Südtirol Marketing/Thomas Grüner
Waalwege führen entlang der historischen Bewässerungskanäle („Waale“), die vor allem im Vinschgau früher die Felder mit Wasser versorgten. Heute sind es wunderbare Wanderwege. | Foto: Südtirol Marketing/Thomas Grüner

Roadtog. Was sich englisch anhört, war ein wichtiger Tag für einen mittelalterlichen Bauern in Südtirol. An diesem Tag durfte er über eine Bretterschleuse das Wasser vom Waal auf seine Felder und Wiesen leiten. Im Vinschgau und dem Burggrafenamt kämpften die Menschen mit der Trockenheit. Obwohl hier ein mildes Klima herrscht, fehlte für eine erfolgreiche Landwirtschaft das nötige Wasser. Über die Waale, ein ausgeklügeltes Kanalsystem, leiteten die Menschen das Wasser aus den Höhenlagen in die Täler ab. Dazu mussten alle mitanpacken, um die Kanäle zu graben und Rohre durch die Felsen zu treiben. Auch das Bewässerungssystem instand zu halten kostete viel Arbeit. Dazu wurden schmale Wege entlang der Kanäle angelegt. Bis heute sind in Südtirol die Waale zu sehen und eine Wanderung an den Waalwegen ist ideal für alle Genusswanderer oder aktive Familien.

Woher kommt die Bezeichnung Waal?

Manche Forscher gehen davon aus, dass das lateinische Wort „aqualis“ (Wasserkrug, Wasserlauf, Bach oder Kanal) der Grundstein für das Wort Waal gewesen ist. Andere Experten führen es auf das keltische Wort „boul“ zurück. Übersetzt bedeutet das Graben. In Südtirol und angrenzenden Regionen gibt es für die Wasserwege die unterschiedlichsten regionalen Bezeichnungen.

1. Glurnser Mitterwaal: Kurz und gut!

Eine Wanderung entlang des Glurnser Mitterwaals ist im Herbst besonders schön. | Foto: Bruckmann Verlag / Peter Mertz
Eine Wanderung entlang des Glurnser Mitterwaals ist im Herbst besonders schön. | Foto: Bruckmann Verlag / Peter Mertz

Zu den kleinsten Städten Italiens gehört Glurns mit über 800 Einwohnern. Beeindruckend ist die mittelalterliche Ringmauer, welche den Ort im Vinschgau vollständig umgibt und in die Inner- sowie die Außerstadt trennt. Es lohnt sich, gemütlich durch Glurns mit seinen Laubengassen zu schlendern. Zuerst wandern wir über den Stadtplatz zum markanten Tauferer Tor. In seinen Mauern befindet sich auf allen vier Etagen eine Ausstellung über die Geschichte von Glurns.
An der Etsch gehen wir weiter, bis der kommunale Campingplatz (Parkwg 1) erreicht ist. Hier mündet der Rambach in den Fluss. Wir wandern über die Brücke und folgen den Wegweisern zum Mitterwaal. Für ein kurzes Stück geht es auf einer Straße bergauf. Bald kommen wir zu einem kleinen Parkplatz. Von der Münstertalstraße führen Serpentinen im Wald hinauf zum Mitterwaal. Von hier aus geht der Weg bis nach Taufers im Münstertal. Auch an heißen Sommer- oder Herbsttagen ist dieser Weg angenehm zu gehen, weil er in einem dichten Mischwald verläuft. Im Herbst ist der Calvenwald besonders schön, dann leuchten dort die Lärchen in feurigen Gelbtönen. Beim Weiler Unterifiar überqueren wir den Rimbach und wandern auf Taufers im Münstertal zu. Es lohnt sich, Zeit für den Ort einzuplanen. Westlicher liegt keine Südtiroler Gemeinde und in der Sankt Johannkirche ist das (wahrscheinlich) älteste Bild vom Heiligen Christophorus in ganz Südtirol zu sehen. Wer möchte, wandert über den Höhenweg Nummer 8 und den früheren Turnawaal zurück nach Glurns. Alle anderen nehmen den gleichen Hinweg zurück. Wem die Wanderung lang genug gewesen ist, der fährt mit dem Bus zurück nach Glurns.

Eckdaten zur Wanderung auf dem Glurnser Mitterwaal:

  • Start: Glurns
  • Wegstrecke: 20 Kilometer
  • Höhenmeter: 550 Meter
  • Wanderzeit: vier bis fünf Stunden
  • Beste Jahreszeit: Frühjahr, Sommer und Herbst

2. Der Algunder Waalweg: „Über(w)aal“ Wanderer

So einsam ist es auf dem Algunder Waalweg selten. | Foto: Gerhard Eichstetter / pixelio.de
So einsam ist es auf dem Algunder Waalweg selten. | Foto: Gerhard Eichstetter / pixelio.de

Wer die Einsamkeit beim Wandern sucht, hört bitte an dieser Stelle zu lesen auf. Am Algunder Waalweg ist immer was los. Wie sagte ein Einheimischer: „Entweder es sind viele oder sehr viele Leute am Waalweg unterwegs!“ Warum ist der Algunder Waalweg so populär? Weil manche Wanderer wie Lemminge sind und einer dem anderen nachläuft? Nein, wer den Algunder Waalweg gegangen ist, der weiß wieso. Dieser Waal ist noch ursprünglich und unterwegs gibt es wunderbare Aussichtspunkte.

Ein weiterer Grund, warum immer einige Wanderer zu viel hier unterwegs sind: Es gibt verschiedene Möglichkeiten, von wo aus man diese Tour startet. Wer möchte kann in Algund losgehen. Andere Wanderer beginnen in Meran. Auch vom Dorf Tirol aus ist der Algunder Waalweg leicht zu erreichen. Ideal ist die Ortschaft Töll für diese gemütliche Waalwege-Tour. Egal ob mit dem Auto, Bus oder Bahn: Töll ist leicht zu erreichen und entsprechend gut an den Verkehr angebunden. Zuerst die Etsch überqueren und Richtung Oberplars wandern. Bald ist der Waldrand erreicht. Ab hier ist Verlaufen unmöglich. Vorbildlich ist der Algunder Waalweg ausgeschildert. Was die Erbauer von diesem Weg nicht wissen konnten, wie viele Urlauber hier einmal wandern. Ursprünglich legten ihn die Bauern an, um Arbeiten am Waal durchführen zu können. Denn ohne Waal kein Wasser und ohne Wasser keine Ernte. Entsprechend schmal fällt der Weg aus und es kann manchmal etwas eng zugehen. Unterwegs gibt es einen tollen Blick auf Algund oder das malerische Schloss Tirol. Auch Meran und seine Weinberge sind vom Algunder Waalweg aus gut zu sehen. Wir nähern uns immer mehr dem Ende vom Waal bei Gratsch. Wem das alles nicht genug ist, der kann zum Dorf Tirol aufsteigen. Alle anderen steigen nach Meran Obermais ab. Vom Kurort selbst fahren Busse nach Töll. Oder man nimmt das umweltfreundlichste Fortbewegungsmittel – die eigenen Beine – und geht wieder zum Ausgangspunkt in Töll zurück.

Eckaten zum Algunder Waalweg:

  • Start: Töll
  • Wegstrecke: sechs Kilometer (einfach!)
  • Höhenmeter: 210 Meter
  • Wanderzeit: zwei Stunden
  • Beste Jahreszeit: Frühjahr, Sommer und Herbst

3. Kuenser Waalweg: Waale schauen am Tor vom Passeiertal

Waal in Sicht? Auf dem Kuenser Waalweg am Eingang zum Passeiertal. | Foto: Bruckmann Verlag / Peter Mertz
Waal in Sicht? Auf dem Kuenser Waalweg am Eingang zum Passeiertal. | Foto: Bruckmann Verlag / Peter Mertz

Eigentlich gehört der Kuenser Waal mit seinen 2,5 Kilometern zu den eher kürzeren Wasserwegen in Südtirol. Doch es ist die Natur, welche hier die Wanderer beeindruckt. Der Kuenser Waalweg befindet sich an einer besonderen Stelle: Dem Eingang zum Passeiertal! Noch eine Besonderheit hat der Kuenser Waal: Er ist immer noch in Betrieb. Das Wasser kommt vom Finelebach und der wiederum speist sich aus den Spronser Seen. Diese liegen auf über 2.000 Metern in der Texelgruppe. Einen langen Weg hat das Wasser hinter sich, bevor es im Kuenser Waal ankommt. Entsprechend kalt ist es auch.
Unsere Tour startet beim Gasthof Ungericht, der sich nach der Wanderung perfekt für eine Einkehr eignet. Er liegt zwischen Meran und dem Dorf Riffian im Passeiertal. Auf einer kleinen Straße geht es bergauf bis zum malerischen Mutlechnerhof. Hier zeigt ein Wegweiser, wo es zum „Oberen Waalweg“ langgeht. Nahezu ohne Steigungen geht es am Kuenser Waal entlang. Seit mehr als 600 Jahren funktioniert dieses Bewässerungssystem hier. Am Ende ist die Waalfassung beim Finelebach erreicht. Auf einer Brücke überqueren wir den Bach und halten uns rechts bergab. Nach wenigen hundert Metern geht es links ab und wir erreichen so den unteren Waalweg. Der liegt angenehm im Schatten. Diesem Weg folgen wir, bis wir zum Ausgangspunkt der Wanderung, dem Gasthof Ungericht, kommen.

Eckdaten zum Kuenser Waalweg:

Peter Mertz, Wandern am Wasser in Südtirol, Bruckmann Verlag
Peter Mertz, Wandern am Wasser in Südtirol, Bruckmann Verlag
  • Start: Gasthof Ungericht (zwischen Meran und Riffian)
  • Wegstrecke: fünf Kilometer
  • Höhenmeter: 250 Meter
  • Wanderzeit: zweieinhalb bis drei Stunden
  • Beste Jahreszeit: Frühjahr, Sommer und Herbst

Mehr Infos über Waalwege in Südtirol und zahlreiche Tourentipps am Wasser gibt’s im Wanderführer Wandern am Wasser in Südtirol (Bruckmann Verlag).

Wanderwege in und nach Südtirol:

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