Inhalt
- Für wen ist das Ortovox Focus Voice gedacht?
- Features des Ortovox Focus Voice LVS-Geräts
- Feature: Leistung / Reichweite: Reichweitentypen und Suchstreifenbreite
- Feature: Unterstützung
- Feature: Schutz
- Interferenzen im Sendemodus
- Interferenzen im Suchmodus
- Praxiserfahrungen im Gelände
- Kritische Betrachtung
Im Frühjahr 2026 – gerade noch rechtzeitig zum Abschluss der Wintersaison – erhielt ich die Möglichkeit, ein neues Lawinen-Verschütteten-Suchgerät des Herstellers Ortovox zu testen: Das Focus Voice. Besonders interessant an diesem Angebot war, dass das Gerät ein Prototyp war, also noch nicht auf dem Markt erhältlich. Somit waren auch noch keine Infos, Testergebnisse, Vorverurteilungen oder bereits Lobeshymnen in irgendwelchen Medien zu finden. Für mich war das Anlass genug, mich nochmals grundlegend mit dem Thema LVS auseinanderzusetzen und mir genau anzusehen, was Ortovox mit dem neuen Gerät bezweckt.
📡 Hohe Reichweite: Bis zu 80 m Suchstreifenbreite mit stabiler Signalführung
🗣️ Sprachunterstützung: Klare, überarbeitete Sprachkommandos für eine sichere Nutzerführung
📺 Modernes Display: Großes MIP-Display mit hoher Auflösung und starker Ablesbarkeit
🛡️ Hohe Sicherheit: Smart-Antenna-Technologie und effektive Interferenzunterdrückung
🧤 Einfache Bedienung: Intuitive Handhabung mit Handschuhen und zuverlässiger Mehrfachverschüttungssuche
Für wen ist das Ortovox Focus Voice gedacht?
Welche Personen verwenden LVS-Geräte und welche Interessen beziehungsweise Fähigkeiten bringen sie mit? Diese Frage stellt sich nicht nur Ortovox, sondern letztlich jeder Nutzer vor dem Kauf eines LVS.
Jeder, der sich im winterlichen Gebirge abseits gesicherter Bereiche bewegt, muss als potenzieller Anwender eines LVS betrachtet werden.
Ortovox identifiziert dabei drei Anwendergruppen: Einsteiger, Enthusiasten und Profis. Das Ortovox Focus Voice richtet sich laut Hersteller an alle Anwendergruppen. Wichtig ist dabei die Botschaft, dass das Focus Voice keine abgespeckte Version des Focus PRO ist. Beide Geräte sind qualitativ gleichwertig aufgebaut, verfügen über dieselbe Reichweite, dieselbe Suchstreifenbreite sowie dasselbe MIP-Display. Das PRO-Modell bietet lediglich zusätzliche Spezialfunktionen, die vor allem für professionelle Anwender relevant sind.
Features des Ortovox Focus Voice LVS-Geräts
Mit dem Focus Voice verfolgt Ortovox drei zentrale Ziele: maximale Suchleistung, eine noch bessere Unterstützung des Anwenders und eine schnellere Auffindbarkeit von Verschütteten. Dafür kombiniert das LVS-Gerät eine hohe Reichweite mit intelligenter Sprachnavigation, einem deutlich verbesserten Display und zahlreichen Sicherheitsfunktionen. Im Folgenden schauen wir uns die wichtigsten Features des Focus Voice sowie deren praktische Relevanz im Detail an.
Feature: Leistung / Reichweite: Reichweitentypen und Suchstreifenbreite
Ortovox unterscheidet zwischen:
- maximaler Reichweite,
- realistischer Reichweite,
- Suchstreifenbreite.
Während die maximale Reichweite lediglich den Punkt beschreibt, an dem überhaupt erstmals ein Signal empfangen wird, beschreibt die realistische Reichweite jenen Bereich, in dem das Gerät den Sender zuverlässig anzeigt und die Richtungsangaben stabil werden.
Michael Roepke
Großes Display, eine Markiertaste, kleiner Lautsprecher: so übersichtlich präsentiert sich das Focus Voice.
Michael Roepke
Das Piktogramm auf der Rückseite fasst den Ablauf bei der Suche zusammen: Signalsuche → Grobsuche → Feinsuche → Punktortung → Stabilisieren
Um eine Suchstreifenbreite von 80 Metern zu erreichen, muss laut ICAR-Protokoll eine realistische Reichweite von 57 Metern erreicht werden. Das Focus Voice erfüllt diese Vorgaben und gehört damit aktuell zu den stärksten Geräten am Markt hinsichtlich Reichweite und Suchstreifenbreite.
Noch wichtiger: Diese Werte konnten wir in unseren Praxistests nachvollziehen.
Feature: Unterstützung
Ortovox misst der Sprachnavigation nach wie vor eine zentrale Bedeutung bei. Grundlage dafür ist unter anderem eine wissenschaftliche Studie der Universität Innsbruck, die zu dem Ergebnis kommt, dass Sprachunterstützung psychischen Stress reduziert und dadurch Suchzeiten verkürzen kann.
Im Vergleich zum Diract Voice wurden die Sprachkommandos nochmals überarbeitet. Die Ansagen wirken direkter, klarer und natürlicher. Aus meiner Sicht ist die Sprachsteuerung kein Marketing-Gimmick, sondern tatsächlich eine sinnvolle Unterstützung.
Gerade wenn mehrere Dinge gleichzeitig passieren und Ablenkungen vorhanden sind, erinnert sie den Suchenden an notwendige Handlungsschritte und hilft dabei, Fehler im Suchablauf zu vermeiden.
Mein einziger Kritikpunkt bleibt die nicht individuell einstellbare Lautstärke. Sobald starker Wind, Gespräche in der Gruppe oder andere Umgebungsgeräusche hinzukommen, kann die Lautstärke an ihre Grenzen kommen. Allerdings sind da ja immer noch die visuellen Signale, die mich ans Ziel führen.
Display: mehr Überblick
Zusätzliche Unterstützung bietet das neue MIP-Display (Memory in Pixel) mit vollgrafischem User Interface. Ortovox nennt folgende Vorteile:
- größtes MIP-Display auf dem Markt,
- hoher Kontrast bei Sonnenlicht,
- vierfach höhere Auflösung gegenüber dem Diract Voice.
Und genau hier liegt für mich einer der größten Fortschritte gegenüber dem Vorgänger.
Das Display des Focus Voice ist klar besser lesbar als jenes des Diract Voice. Es ist größer, kontrastreicher und wirkt insgesamt deutlich aufgeräumter. Allein das Display nimmt nun gefühlt zwei Drittel der Gerätefront ein. Wer beide Geräte nebeneinanderlegt, erkennt den Unterschied sofort.
Michael Roepke
Sonne im Gesicht und trotzdem ist das kontraststarke Display gut zu lesen.
Michael Roepke
Das kontraststarke Display nimmt knapp ein Drittel des Geräteoberfläche ein.
Haptik und Bedienung
Auch bei Ergonomie und Bedienbarkeit macht das Focus Voice einen sehr guten Eindruck.
Bedienung mit Handschuhen? Unproblematisch. Tastenqualität? Einwandfrei. Umschalten zwischen Senden und Suchen? Einfach und intuitiv.
Akku
Das Gerät verfügt über einen integrierten Akku und wird per USB-C geladen. Im Alltag empfinde ich das als komfortabel. Mein eigenes Diract Voice lade ich beispielsweise häufig direkt nach einer Tour im Auto wieder auf. Dennoch sollte man bedenken, dass Akkus bei niedrigen Temperaturen schneller Kapazität verlieren. Wer mehrere Tage ohne Lademöglichkeit unterwegs ist und zusätzlich viel mit dem LVS trainiert, sollte dies im Hinterkopf behalten.
Leicht-Gewicht
Die Gewichtsreduzierung gegenüber dem Diract Voice ist durchaus spürbar. Auf meiner Waage betrug der Unterschied knapp 30 Gramm.
Gegenüber einem Pieps IPS Mini ist das Focus Voice zwar weiterhin etwas schwerer, allerdings bewegen wir uns hier bereits in einem Bereich, über den wahrscheinlich vor allem gewichtssensible Skibergsteiger diskutieren werden.
Feature: Schutz
Zum Sicherheitskonzept gehört unter anderem die Smart-Antenna-Technologie von Ortovox. Diese soll sicherstellen, dass Verschüttete möglichst schnell geortet werden. Unter bestimmten Voraussetzungen kann sich die Suchstreifenbreite sogar auf 90 Meter erhöhen, wenn sowohl Suchender als auch Verschütteter ein Ortovox-Gerät verwenden.
Interferenzen im Sendemodus
Im Sendemodus sind Interferenzen vergleichsweise unkritisch. Metalle in Smartphones oder anderen Gegenständen können das Signal zwar dämpfen, dieser Effekt tritt jedoch nur in sehr geringem Abstand auf. Das Focus Voice warnt den Nutzer zudem und passt die Sendeleistung entsprechend an.
Interferenzen im Suchmodus
Im Suchmodus sieht die Situation anders aus. Hier können elektronische und metallische Quellen die Suche beeinflussen. Ortovox reagiert darauf mit:
- deutlicher Reduktion von Geistersignalen,
- Full-Screen-Warnungen,
- Interferenzhinweisen,
- dynamischer Suchstreifenbreite (80 m, 50 m, 20 m),
- zusätzlichen Sprachkommandos.
Unsere Praxistests bestätigen, dass diese Maßnahmen funktionieren und zu einer hohen Signalstabilität beitragen.
Michael Roepke
LVS-Gerät Ortovox Focus Voice im Suchmodus: Das große, kontrastreiche Display mit klaren Anweisungen.
Michael Roepke
Bildschirmanzeige mit der Warnmeldung, den Abstand zu elektronischen Geräten zu vergrößern. Auch bei strahlender Sonne ist das Display gut zu lesen.
Praxiserfahrungen im Gelände
Nach dem Blick auf die einzelnen Features, jetzt der Blick auf den Einsatz des Ortovox Focus Voice LVS-Gerät in der Praxis.
Neben den grundsätzlichen Funktionsprüfungen hinsichtlich Ergonomie, Handhabung und Verarbeitungsqualität habe ich gemeinsam mit einem Bergkameraden im winterlichen Gebirge die Reichweite, die Mehrfachverschüttung und das Thema Störquellen intensiv untersucht.
Für die Reichweitentests haben wir verschiedene Sender eingesetzt:
- Pieps IPS PRO
- Pieps IPS Mini
- Mammut Barryvox
- Ortovox Diract Voice
Die Geräte wurden jeweils in allen drei Koppellagen (X-, Y- und Z-Lage) in einer Entfernung von rund 80 Metern positioniert. Anschließend bewegten wir uns mit dem Focus Voice auf die Sender zu und notierten sowohl den stabilen Erstempfang als auch die Werte beim Übergang in die Feinsuche.
Dabei interessierten uns insbesondere:
- die Reichweite des Erstempfangs,
- die Stabilität der Richtungsanzeige,
- die Stabilität der Distanzangaben,
- mögliche Unterschiede zwischen den einzelnen Koppellagen.
Die von Ortovox genannten Leistungswerte konnten wir dabei vollumfänglich bestätigen. Die Signalführung arbeitete stabil und nachvollziehbar.
Auch das Thema Mehrfachverschüttung wurde intensiv getestet. Dazu wurden weitere Sender in unterschiedlichen Entfernungen und Koppellagen rund um einen Erstsender positioniert. Anschließend überprüften wir, wann das Focus Voice das zweite beziehungsweise dritte Signal detektiert und wie stabil die Signale dargestellt werden.
Michael Roepke
Das Ortovox Focus Voice kann bei einer Mehrfachverschüttung bis zu vier Personen erkennen und anzeigen.
Michael Roepke
Eindeutige Bildsprache: Drei von vier Signalen sind gefunden. Das letzte Signal ist 12 Meter entfernt.
Das Ergebnis war durchweg positiv. Die verschiedenen Sender wurden schnell erkannt, die Markierungsfunktion arbeitete zuverlässig und die Signaturen blieben auch nach dem Markieren stabil. Selbst bei zwei nahe beieinanderliegenden Sendern, konnten wir keinerlei Probleme feststellen.
Ebenso bewusst untersucht wurde das Verhalten bei elektromagnetischen Störungen. Hierzu fanden Suchtests direkt unter Stromleitungen und Liftanlagen statt. Zusätzlich wurden Lawinenairbag-Rucksack, Smartphone, Sportuhr und Stirnlampe in unterschiedlichen Distanzen zum Gerät positioniert. Das Smartphone wurde sogar direkt auf das Focus Voice gelegt, um den maximalen Einfluss zu simulieren.
Dabei achteten wir insbesondere auf Veränderungen bei Suchrichtung, Distanzanzeige und Signalstabilität. Positiv hervorzuheben ist, dass während unserer Testreihe keine überraschenden Reaktionen des Gerätes auftraten. Auch Geistersignale konnten wir nicht beobachten.
Kritische Betrachtung
Ein guter Testbericht sollte auch die Frage beantworten, was nicht gefällt. Ehrlicherweise fallen mir beim Focus Voice nur wenige Kritikpunkte ein.
Fehlende Funktionen konnte ich nicht identifizieren. Das Gerät konzentriert sich konsequent auf das Wesentliche. Das große Display, die Markierungstaste auf der Vorderseite und die reduzierte Anzahl an Bedienelementen sorgen für Klarheit und Übersicht.
Auch die Menüführung ist intuitiv aufgebaut und dürfte selbst Einsteiger nicht vor größere Herausforderungen stellen.
Der Preis von rund 380 Euro UVP ist für Anfänger sicherlich kein Schnäppchen. Wer zusätzlich noch Sonde und Schaufel benötigt, muss insgesamt deutlich mehr investieren. Allerdings spielt hier natürlich auch die Preisgestaltung der Konkurrenz eine Rolle.
Fazit
Das Ortovox Focus Voice hat mich im Praxistest überzeugt. Besonders hervorheben möchte ich:
- die hohe Reichweite,
- die stabile Signalführung,
- die zuverlässige Mehrfachverschüttungs-Funktion,
- die wirksame Interferenzunterdrückung,
- das hervorragende Display,
- die durchdachte Sprachunterstützung,
- die einfache Bedienung.
Vor allem aber gefällt mir, dass Ortovox beim Focus Voice nicht den Weg einer abgespeckten Einsteigerversion gegangen ist.
Das Gerät verfügt über dieselbe Reichweite, dieselbe Suchstreifenbreite und dasselbe Display wie das Focus PRO.
Wer zusätzliche Spezialfunktionen für Ausbildung, Rettungseinsätze oder sehr spezifische Anwendungsszenarien benötigt, greift zum Focus PRO. Für den überwiegenden Teil aller Skitourengeher, Freerider, Ausbildungsgruppen und selbst viele professionelle Anwender halte ich das Focus Voice jedoch für vollkommen ausreichend.
Die größte Innovation ist für mich nicht ein einzelnes Feature, sondern die gelungene Kombination aus hoher Suchleistung, moderner Nutzerführung, Sprachunterstützung, verbesserter Interferenzresistenz und dem neuen Display.
Das Ortovox Focus Voice ist ein LVS, mit dem Einsteiger ebenso gut zurechtkommen sollten wie erfahrene Anwender oder Profis. Genau das war offenbar das Ziel von Ortovox – und aus meiner Sicht wurde dieses Ziel erreicht.
Motivation und Ziel der Firma Ortovox zur Entwicklung des Focus Voice LVS
In der Wintersaison 2021/22 brachte Ortovox sein erstes LVS mit Sprachsteuerung auf den Markt, genannt Diract Voice. Auch damals konnte ich das Gerät testen und war grundsätzlich positiv von der Sprachsteuerung angetan.
Ortovox hat nach einer rund vierjährigen Entwicklungsphase nun sein neuestes LVS zur Serienreife gebracht. Als eines der führenden Unternehmen für alpine Sicherheitsprodukte gehört die Entwicklung von Notfallausrüstung am Berg zum Kern der Firmenphilosophie. Schutz ist bei Ortovox die oberste Maxime und steht als Markenwert Nummer 1 im Mittelpunkt allen Handelns.
Die vergangenen Jahre standen bei den Herstellern von LVS-Geräten vor allem die Themen Mehrfachverschüttung, Reichweite beziehungsweise Suchstreifenbreite sowie der Umgang mit elektronischen Störsignalen im Fokus. Diese Fähigkeiten weiterzuentwickeln, neue Standards zu setzen und gleichzeitig eine möglichst einfache sowie intuitive Bedienung zu ermöglichen, ist die Motivation hinter dem Focus Voice.
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