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Tuber & Autotuber in einem

Das Sicherungsgerät Giga Jul von Edelrid im Test

10 Minuten Lesezeit
Vom Autotuber- in den Tuber-Modus mit nur einem Handgriff. Durch dieses Feature wird das Giga Jul zum vielseitigen Kletterbegleiter. Bergzeit Autor Bene Hirschmann hat das neue Sicherungsgerät von Edelrid draußen ausprobiert.

„Unser vielfältigstes Sicherungsgerät aller Zeiten“. So preist die Firma Edelrid aus dem Allgäu ihr neuestes Sicherungsgerät an – das Giga Jul. Doch was macht das Giga Jul zum vielfältigsten Sicherungsgerät auf dem Markt? Und wie bewährt sich diese Vielfalt in puncto Sichern beim Einsatz in der Praxis? Diesen Fragen werde ich in diesem Testbericht auf den Grund gehen!

Anmerkung: Auf den Bildern habe ich stets ein Halbseil verwendet. Das Giga Jul ist jedoch auch für Zwillingsseile oder Einfachseile geeignet und kann analog zu den dargestellten Methoden mit diesen Seiltypen verwendet werden.

Edelrid Giga Jul: Je nach Anwendungsbereich Tuber und Autotuber in einem

Eine bisher einzigartige Besonderheit macht das Giga Jul von Edelrid so vielfältig: Mit nur einem Handgriff wandelst Du es vom gewöhnlichen Tuber in einen Autotuber um – und natürlich umgekehrt. Somit kannst Du das Giga Jul in den verschiedenen Spielarten des Klettersports universell anwenden. Sei es beim Sportklettern, beim bohrhakengesicherten Klettern in Mehrseillängenrouten oder beim anspruchsvollen Alpinklettern – das Giga Jul lässt sich in jeder Situation so umfunktionieren, dass es die jeweiligen Ansprüche an Sicherheit und Sicherungsstil erfüllt.

Das Edelrid Giga Jul in Grafik erklärt
Das Edelrid Giga Jul im Überblick. | Grafik: Edelrid

Ein Umschaltmechanismus in Form eines leichtgängigen Schiebereglers mit komfortablem Schiebeaufsatz ermöglicht Dir das Umschalten des Giga Juls in den jeweiligen Modus. Beim Wechsel in den anderen Modus musst Du das Gerät beim Sichern um 180 Grad gedreht verwenden, damit die Funktion wirksam wird. Eine Beschriftung an der Seite des Sicherungsgeräts sorgt dafür, dass sich der Schieberegler an der richtigen Seite des Giga Jul befindet und beugt dadurch effektiv einer Fehlbedienung vor.

Die Fakten: langlebiges Material und große Einsatzbandbreite

  • Material: intelligente Hybridkonstruktion aus Aluminium und Stahl
  • Gewicht: 121 g
  • Geeignet für Seildurchmesser: 7,8 – 10 mm
  • Geeignet für Seiltyp: Einfachseil, Halbseil, Zwillingsseil

Das Material des Giga Jul ist besonders leicht und gleichzeitig extrem robust und abriebfest. Der Großteil des Geräts besteht aus extrem stabilem und besonders leichtem Aluminium. Im Rahmen der „Steel Story“ von Edelrid hat die Firma an den abriebgefährdeten Stellen (z.B. den Bremsschlitzen für das Seil) des Giga Jul abriebfeste und langlebige Elemente aus Edelstahl eingebaut. Somit kannst Du das Giga Jul wesentlich länger verwenden als gewöhnliche Sicherungsgeräte, die durch die fehlenden Edelstahlkomponenten schneller verschleißen.

Das Giga Jul ist darüber hinaus für alle Seiltypen geeignet und bietet sich daher sowohl für das Sportklettern mit Einfachseil, als auch für das Alpinklettern mit Doppelseil (Halbseil/Zwillingsseil) an.

Vergleicht man das Gewicht des Giga Jul mit anderen Autotubern bzw. Tubern, stellt man fest, dass es definitiv zu den schwereren Tubern zählt. Dies ist wohl dem großen Vorzug der Edelstahl-Elemente am Gerät geschuldet. Der geringe Unterschied von 30 bis 40 Gramm im Vergleich zu anderen Alpin-Tubern fällt in der Praxis im wahrsten Sinne des Wortes aber nicht allzu sehr ins Gewicht.

Autotuber oder Tuber? Die Anwendungsbereiche der Sicherungsmodi

Folgende Anwendungsbereiche eignen sich für die jeweiligen Sicherungsmodi:

1. Autotuber-Modus: Sichern des Vorsteigers im Autotuber-Modus

Der Autotuber-Modus ist vor allem für das Sportklettern geeignet. Er bietet Dir eine deutliche Sicherheitsreserve gegenüber dem Tuber-Modus: Er hat einen speziellen Bremsmechanismus, der im Sturzfall eine so starke Reibung am Seil erzeugt, dass sehr viel weniger Kraft bei der Bremshand ankommt als bei einem normalen Tube.

Dadurch ist das Halten eines Sturzes wesentlich sicherer, da das Gerät selbst den Großteil der Bremskraft aufbringt. Selbstverständlich musst Du aber auch beim Autotuber-Modus zu jedem Zeitpunkt das Bremshandprinzip einhalten, d.h. Deine Bremshand (Hand am Seilstrang, der sich unterhalb des Geräts befindet) muss das Seil immer fest umschließen.

Beim Autotuber-Modus musst Du bedenken, dass das starke Blockieren des Seils einen aprupt abgebremsten Sturz bewirkt. Um dem entgegenzuwirken, musst Du als Sicherer im Autotuber-Modus mit Deinem eigenen Körper einen dynamisch abgefangenen Sturz erzeugen. Dies geschieht am besten durch ein „Mitgehen“ mit der Sturzlast nach oben – Du stößt Dich als Sicherer beim Eintreten der Sturzlast in das Sicherungsgerät also etwas vom Boden ab, sodass der Stürzende „weicher“ ins Seil fällt (wenn es das Sturzgelände zulässt).

2. Tuber-Modus: Standplatzsicherung im Tuber-Modus sowie Sichern des Vorsteigers im Tuber-Modus

Der Tuber-Modus ist besonders beim Alpinklettern empfehlenswert, da hier eine natürlich dynamische Sicherungsweise bei Stürzen auftritt: Das Seil läuft bei einer Sturzbelastung noch eine gewisse Strecke durch das Sicherungsgerät und erzeugt dadurch automatisch eine angenehme Bremsdynamik für den Stürzenden. Beim Alpinklettern können auch weitere Stürze auftreten, die dynamisch („weich“) gesichert werden müssen – dies ist mit dem Tuber-Modus des Giga Jul wesentlich besser möglich als im Autotuber-Modus. Außerdem findet der Tuber-Modus beim Nachsichern über den Standplatz seine Verwendung – der Autotuber-Modus ist hier beim Giga Jul nicht möglich bzw. auch nicht erforderlich, da der Tuber-Modus im Nachstieg eine automatische Blockierunterstützung bei einem Nachstiegssturz hat.

3. Abseilen im Tuber- und Autotuber-Modus

Zum Abseilen mit dem Giga Jul kannst Du zwischen dem Tuber- oder dem Autotuber-Modus wählen. Der Einsatz als Autotuber hat den Vorteil, dass dieser auch hier zusätzlich bremst, wenn Du das Seil loslässt.

Verwendest Du beim Abseilen die Tuber-Funktion, funktioniert das Giga Jul wie alle gewöhnlichen Tuber. Eine Prusikschlinge empfiehlt sich trotzdem in beiden Fällen, da diese immer eine Sicherheitsreserve darstellt.

Natürlich kann der Tuber-Modus des Giga Jul auch beim Sportklettern verwendet werden, wenn hier eine natürliche Bremsdynamik gewünscht ist. Analog dazu kannst Du auch beim Alpinklettern den Autotuber-Modus verwenden, wenn Du Dir Deiner Sache sicher und im dynamischen Sichern mit Autotubern auch im alpinen Bereich geübt bist.

Sichern und Abseilen mit dem Giga Jul: Tuber-Modus

Zum Sichern im Tuber-Modus stellst Du den Schieberegler des Geräts auf „Manual“ ein. Dieser Begriff bezeichnet das gewöhnliche Sichern in der Tuber-Funktion ohne automatische Bremswirkung des Geräts bei einem Sturz. Den Seilstrang bzw. der Doppelseilstrang legst Du nun wie bei einem gewöhnlichen Tuber ein: Das Bremsseil läuft über die Bremsschlitze aus Edelstahl von unten in das Gerät, wird zuerst dort und dann im eingehängten HMS-Karabiner zweimal im Gerät geknickt („Doppelknickprinzip“) und läuft dann an der Seite des „Manual“-Schiebers nach oben aus dem Gerät zum Kletterer.

Edelrid Giga Jul im Tuber-Modus mit eingelegtem Seil
Korrekt eingelegtes Seil im Tuber-Modus mit dem herkömmlichen Doppelknickprinzip. | Foto: Bene Hirschmann

In diesem Modus kannst Du nun im Vorstieg und im Nachstieg sichern sowie Dich abseilen. Das Bremshandprizip musst Du beim Sichern im Vorstieg in allen Fällen beim Sichern einhalten. Damit wird beispielsweise ein besonders weiches Sichern (etwa von Kindern durch Erwachsene) möglich.

Aluminiumöse des Edelrid Giga Jul
Die Aluminium-Öse zum Befestigen des Geräts am Standplatz für das Sichern im Nachstieg. | Foto: Bene Hirschmann
  1. Für das Sichern im Vorstieg hängst Du den HMS-Karabiner in das Seil im Gerät und dann in die Gurtschlaufe ein und sicherst ganz regulär über den Körper.
  2. Für das Sichern im Nachstieg (beim Alpinklettern) verwendest Du das Giga Jul im Tuber-Modus wie alle anderen herkömmlichen Alpin-Tuber (z.B. Petzl Reverso oder Black Diamond ATC Guide): An der großen Aluminium-Öse befestigst Du das Gerät mit einem Schraubkarabiner am Standplatz-Zentralpunkt. Das Seil legst Du genau wie beim Sichern im Vorstieg in das Gerät ein. In diesem Modus funktioniert das Giga Jul nach dem Prinzip der typischen „Bremsplatte“, das sich seit Jahrzehnten beim Sichern im Nachstieg bewährt hat: Wird das Seil bei einem Sturz des Nachsteigers belastet, klemmt das Seil, der „obere“ Seilstrang im Gerät drückt auf den darunterliegenden und bewirkt dadurch eine Verstärkung der Bremskraft. Das Sichern im alpinen Nachstieg ist mit dem Giga Jul also eine sehr sichere und zuverlässige Angelegenheit.
  3. Zum Abseilen im Tuber-Modus verfährst Du beim Seileinlegen genauso wir beim Sichern im Vorstieg.

Sichern und Abseilen mit dem Giga Jul: Autotuber-Modus

Die Verwendung im Autotuber-Modus unterschiedet sich bezüglich des Seil-Handlings nur wenig vom Tuber-Modus.

Der Unterschied: Zum Sichern im Autotuber-Modus stellst Du den Schieberegler des Geräts auf „Brake Assist“ ein. Dieser Begriff bezeichnet die automatische Bremswirkung des Geräts bei einem Sturz. Den Seilstrang bzw. der Doppelseilstrang legst Du nun wie bei einem gewöhnlichen Tuber ein: Das Bremsseil läuft über die Bremsschlitze auf der Seite des Plastikhebels von unten in das Gerät, wird zuerst dort und dann im eingehängten HMS-Karabiner zweimal im Gerät geknickt („Doppelknickprinzip“) und läuft dann an der Seite des „Brake Assist“-Schiebers nach oben aus dem Gerät zum Kletterer.

Achtung: Der Autotuber-Modus eignet sich nur für das Sichern im Vorstieg oder zum Abseilen – das Sichern im Nachstieg funktioniert in diesem Modus nicht!

Abseilen im Autotuber-Modus mit Edelrid Giga Jul
Abseilen im Autotuber-Modus mit dem Edelrid Giga Jul. | Foto: Bene Hirschmann
  1. Beim Sichern im Vorstieg im Autotuber-Modus hängst Du den HMS-Karabiner in das Seil im Gerät und dann in die Gurtschlaufe ein und sicherst ganz regulär über Deinen Körper. Anders als beim Tuber benötigst Du zum Seilausgeben den runden Plastikhebel auf der Seite des Bremsseils. Diesen Hebel umschließt Du mit dem Daumen – das Bremsseil läuft durch die verbleibenden Finger der gleichen Hand.
    Ziehst Du den Hebel leicht von Dir weg und nach oben, wirkst Du dem automatisch eintretenden Bremsmechanismus des Seils entgegen und das Seil lässt sich sehr leicht ausgeben. Extrem wichtig und unerlässlich ist es, immer die Bremshand am Seil zu lassen. Dieser Sicherungsmodus erfordert anfangs etwas Übung, da es für Dich ungewohnt sein kann, sowohl den Plastikhebel als auch das Bremsseil gleichzeitig mit einer Hand zu umfassen.
  2. Zum Ablassen des Kletterers ziehst Du mit der Bremsseilhand den Plastikhebel wie beim Seilausgeben von Dir weg und leicht nach oben. Dadurch löst sich der Bremsmechanismus des Geräts. Mit der zweiten Hand umschließt Du bereits davor fest das Bremsseil unterhalb der anderen Hand und dosierst bzw. bremst das Durchlaufen des Seils. Die zweite Hand muss unter allen Umständen beim Ablassen am Bremsseil bleiben, da das Seil ansonsten ungehindert durch das Gerät rutscht und die Bremskraftverstärkung erst nach vielen Metern Seildurchlauf bzw. auch unter Umständen gar nicht mehr wieder eintritt.
  3. Das Abseilen funktioniert analog zum Ablassen – natürlich mit dem Unterschied, dass Du Dich selbst am Seil „ablässt“ und nicht den Vorsteiger: Auch hier muss eine Hand den Plastikhebel und das Bremsseil umschließen und die zweite Hand unterhalb der anderen Hand den Seildurchlauf am Bremsseil dosieren.

Zusammenfassung: Vor- und Nachteile der beiden Sicherungsmodi

Die Firma Edelrid führt für den Tuber- bzw. Autotuber-Modus des Giga Jul folgende anwendungsbezogene Vor- und Nachteile an:

 Tuber-ModusAutotuber-Modus
Vorteile- universell einsetzbar in allen Spielarten des Kletterns
- dynamisches Sichern optimal durch die Eigendynamik des Sicherungsmechanismus möglich
- seilschonend
- geringe Krangelbildung am Seil
- Sicherheitsreserve: automatisches Blockieren des Geräts bei Stürzen
- Bremskraft des Geräts entlastet den eigenen zusätzlichen Kraftaufwand beim Sichern
- geringe Krangelbildung am Seil
Nachteile- kein automatisches Blockieren des Geräts
- Bremskraft des Geräts muss durch zusätzlichen eigenen Kraftaufwand unterstützt werden
- bei dünnen, glatten Seilen wird die Bremskraft schwächer
- dynamisches Sichern ist nur durch zusätzliche eigene Körperdynamik möglich (wie bei Halbautomaten) und muss geübt werden
- Handhaltung ist gewöhnungsbedürftig
- nicht für das Sichern im Nachstieg geeignet

Mein Testfazit zum Edelrid Giga Jul

Eine der schönsten Eigenschaften des Klettersports ist, dass man viele verschiedene Möglichkeiten hat, diesen Sport in all seinen Facetten auszuleben. Sei es in kurzen Routen im Klettergarten oder in hohen Wänden – das Giga Jul lässt sich so umfunktionieren, dass es in jeder Spielart des Kletterns seine Verwendung findet.

Für das Ausbouldern von schweren Routen im Klettergarten ist der Autotuber-Modus eine optimale Unterstützung durch die Bremskraftunterstützung: Hängt der Kletterer lange im Seil, muss der Sicherer nur wenig eigene Kraft aufbringen, um das Seil vor einem Durchrutschen durch das Gerät zu bewahren.

„Für Allrounder, die sich gerne allen Facetten des Kletterns widmen, ist das Giga Jul der perfekte Begleiter.“

Warst Du am Vortag noch im Klettergarten und konntest dort die Vorzüge des Autotuber-Modus genießen, kannst Du am Tag darauf mit dem gleichen Sicherungsgerät in eine alpine Mehrseillängentour einsteigen. Du musst lediglich das Giga Jul in den Tuber-Modus umschalten. Dann kann es los gehen und ein dynamisches Sichern über die Tuber-Funktion ist in dieser Spielart des Kletterns garantiert. Gleichzeitig kannst Du den Nachsteiger damit sichern – und wenn Du genug von einer Wand hast, seilst Du mit dem Giga Jul bequem ab. Dann kannst Du zwischen dem leichtgängigen Tuber- Modus und dem stark unterstützenden Autotuber-Modus wählen.

Bist Du also ein Allrounder, der sich gerne allen Facetten des Kletterns widmet, ist das Giga Jul Dein perfekte Begleiter – dieses Gerät wird allen Ansprüchen an Sicherungsstil und Sicherheitsreserve in jeder Situation gerecht.

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