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Mit Kids on Tour!

Tipps und Wanderspiele für entspannte Familienausflüge

6 Minuten Lesezeit
Wie wird das Wandern für Kinder zum Abenteuer? Mit welchen Tipps und Wanderspielen unterhalte ich die Kids unterwegs, wenn schlechte Stimmung aufkommt? Wir erklären, warum Kinder das Wandern anders erleben als Erwachsene und geben Tipps für ein unvergessliches Familien-Outdoorerlebnis.

„Wann sind wir endlich dahaa?“ Oder: „Ich kann nicht mehr!“ Gerne auch beides im Wechsel. Wer mit Kindern auf Tour ist, kennt sie: diese Momente, in denen die Stimmung am Kippen ist. Das Kind hat keine Lust mehr. Die Wanderung ist damit zu Ende – oder doch nicht? Zunächst einmal ist es wichtig, zu verstehen, warum unsere Kleinen so ticken. Schließlich haben wir als Eltern weder Zeit noch Mühe gescheut, eine tolle Wanderung zu planen, mit wunderschönem Bergpanorama und einen Spielplatz gibt es am Ende auch. Laut Führer die perfekte Familienwanderung. Warum bitte ist dann der Nachwuchs nicht happy?

Kinder brauchen die Natur! Mit diesen Tipps und Spielideen macht das Wandern auch den Kleinen Spaß.

Isbjorn of Sweden

Kinder brauchen die Natur! Mit diesen Tipps und Spielideen macht das Wandern auch den Kleinen Spaß.


Kindergehirne funktionieren anders

Die Antwort ist relativ simpel und kam für mich doch einer kleinen Offenbarung gleich: Kinderhirne funktionieren anders. Die Wahrnehmung ihrer Umwelt ist vielfältiger, einzelne Sinne werden je nach Alter intensiver genutzt. Den Blick für das „große Ganze“ (ein Bergpanorama, ein Meereshorizont, ein Ausblick ins Tal, etc.) haben die Kleinen noch nicht. Das liegt nicht zuletzt daran, dass sich das periphere Sehen erst mit ca. zehn Jahren herausbildet. Jüngere Kinder sehen also alles aus der Froschperspektive. „Schau mal, der schöne Ausblick!“ ruft bei Kindern meist ein „Aha“ hervor. Ein einzelner, lustig geformter Stock kann sie hingegen stundenlang beschäftigen.

Mit diesem Verständnis ist es leichter, locker zu bleiben, wenn die Wanderung mal nicht so gut ankommt. Ein paar zusätzliche Tipps und Wanderspiele können Dir zusätzlich helfen, die Wanderung zum Abenteuer für alle zu gestalten. Denn: Wird Wandern zum „Zwang“, ist schnell die Luft raus. Das kann den Kleinen – und uns damit leider auch – die Freude an solchen Unternehmungen auf lange Zeit verderben. Sicher kennst Du Leute in Deinem Bekanntenkreis (oder gehörst selbst dazu), die immer wieder berichten, wie schrecklich sie das Wandern mit der Familie früher fanden.

Kinder nehmen ihre Umwelt anders wahr als Erwachsene.

Legowear

Kinder nehmen ihre Umwelt anders wahr als Erwachsene.


Flexibel bleiben

Seit ich Mutter bin, stelle ich immer wieder erstaunt fest, welch großen Unplanbarkeits-Faktor so ein kleiner Mensch in meinen Alltag bringt. Plötzlich ist Flexibilität gefragt. Die liebevoll vorbereitete Brotzeit ist in der Pfütze gelandet? Egal, dann gibt es heute eben ausnahmsweise die „Notfall-Gummibärchen“. Das Kind hat auch die Wechselwäsche innerhalb von zwei Minuten vollgematscht? Okay, dann ziehen wir ihm auf der Heimfahrt eben die Regenjacke an oder wickeln es in Papas Pulli ein. Dafür war es eine Dreiviertelstunde in sein Buddelspiel versunken, während wir Cappuccino schlürfen durften.

Keinen Druck machen und Pausen einlegen

Der Gipfel wäre eigentlich gar nicht mehr weit, doch das Kind trödelt, hat keine Lust mehr oder gar einen Wutanfall? Dann den Druck rausnehmen – sonst ist schlechte Stimmung vorprogrammiert. Natürlich gibt es Ausnahmen: Wenn Ihr zurück zum Auto müsst, beispielsweise, oder umkehren aus logistischen Gründen einfach nicht mehr geht. Dann gilt es, abzulenken, kreative Spiele zu erfinden und locker zu bleiben. Regelmäßige Pausen – auch ungeplante – gehören natürlich dazu. Oft bestimmt die das Kind unterwegs sowieso von selbst, wenn etwas seine Aufmerksamkeit erregt hat. Lass Dich drauf ein und versuche, die Welt einmal mit „Kinderaugen“ zu sehen. Du wirst staunen, was Du dabei Neues entdecken kannst.

Abwechslungsreiche Wege wählen

Eigentlich klar, uns Erwachsenen geht es ja auch so: Ein abwechslungsreicher Weg, eine Mischung aus Pfaden, Forstwegen, Wiese und vielleicht sogar Kraxelfelsen ist spannender als ein langer Hatsch auf der Forststraße. Für Kids ist „Abwechslung“ aber möglicherweise etwas ganz anderes als für uns: In ihrem Fall kommen zum Beispiel Bäche, Höhlen, aber vielleicht auch die Lama-Weide oder große Landwirtschaftsfahrzeuge super an. Eine Wanderung, die diese Stationen abklappert, hat also gute Chancen auf ein „wann fahren wir da wieder hin?“.

Je abwechslungsreicher das Terrain, desto besser unterhalten fühlen sich die Kinder.

Patagonia

Je abwechslungsreicher das Terrain, desto besser unterhalten fühlen sich die Kinder.


Du bist das Vorbild

Du bist gerne draußen in der Natur? Großartig! Damit hast Du den wichtigsten Grundstein sowieso schon gelegt – auch, wenn Du es im Moment vielleicht noch nicht merkst. Kinder nehmen Stimmungen und Gefühle intensiver wahr als wir Erwachsenen. Wenn Du Dich draußen einfach wohlfühlst, die Natur liebst und Dich gerne bewegst, ziehst Du Dir höchstwahrscheinlich eine neue Generation von Outdoorfans heran.

Wanderspiele für Kinder: 5 Ideen

Wenn’s doch Gemecker gibt oder die Luft raus ist: Versuch‘ es doch mal mit unseren Wanderspielen für kleine und große Wanderer. Mit denen vergeht die Zeit nämlich wie im Flug – und der Nachwuchs merkt gar nicht mehr, dass er immer noch laufen muss.

1. Mikrokosmen

Die Kinder liegen auf einer Sommerwiese auf dem Bauch und beobachten, was vor ihnen herumsummt, -kriecht und -krabbelt. Reihum beschreibt jedes Kind ein Tier seiner Wahl so genau wie möglich, die Gruppe versucht dann gemeinsam einen Fantasienamen für das Tier zu finden (z.B. Latzhosenkäfer, Bartmücke, etc.). Am besten eine Lupe mitnehmen.

Wenn man genau hinschaut...

Pixabay, Pexels

Wenn man genau hinschaut…


... entdeckt man im Kleinen die verrücktesten Tierchen.

Simon J. McChaffie, Unsplash

… entdeckt man im Kleinen die verrücktesten Tierchen.


2. Miniolympiade

Verschiedene, ebene Wegstrecken werden für Wettbewerbe genutzt: Zunächst beispielsweise ein normales Wettrennen bis zu einem gewissen Punkt (Baum, Mast, Haus) in der näheren Umgebung, auf der nächsten geeigneten Wegstrecke vielleicht ein Wetthüpfen, anschließend ein Wettrückwärtslaufen etc. Diese Wettkämpfe sollten selbstverständlich nur auf breiten Strecken und niemals in abschüssigem Gelände stattfinden. Der Gesamtsieger ist „Miniolympiasieger“ und erhält eine selbstgebastelte Medaille.

3. Wer sammelt mehr?

Kastanien, Bucheckern, bunte Blätter oder Tannenzapfen: Draußen liegt genug rum, was kleine Sammelfreaks in ihren Rucksack packen können. Das Sammeln wird zum Wettbewerb mit den anderen Familienmitgliedern. Als zusätzlichen Anreiz lassen sich aus den gesammelten Schätzen zuhause tolle Sachen basteln. Oder man macht die Naturschätze zur Tauschwährung: Je gesammelter Kastanie gibt es ein Gummibärchen, für zehn ein neues Pixiebuch, etc.

Kastanien oder Tannenzapfen sind hervorragende Sammelobjekte für einen Wettbewerb...

Markus Spiske, Unsplash

Kastanien oder Tannenzapfen sind hervorragende Sammelobjekte für einen Wettbewerb…


... mit der ganzen Familie. Vor allem, wenn man sie anschließend gegen eine Belohnung eintauschen kann.

Matheus Bertelli, Unsplash

… mit der ganzen Familie. Vor allem, wenn man sie anschließend gegen eine Belohnung eintauschen kann.


4. Auf Tuchfühlung gehen

Bei diesem Wanderspiel lassen sich die kleinen Teilnehmer barfuß mit verbundenen Augen über den Boden führen und erspüren so verschiedene Untergründe: Wald- und Nadelboden, Wiese, Kies, Moos, etc. Das Spiel erfolgt im Wechsel; mal führen die Erwachsenen die Kinder, mal anders herum.

Ob Gras, Wasser oder Steine: Barfuß gehen ist eine ganz besondere Erfahrung für Kinder.

Isbjorn of Sweden

Ob Gras, Wasser oder Steine: Barfuß gehen ist eine ganz besondere Erfahrung für Kinder.


5. Blinder Baum

Verbinde Deinem Kind die Augen und führe es zu einem Baum Deiner Wahl. Nun sind die Sinne gefragt (mit Ausnahme des Sehsinns natürlich): Wie riecht der Baum? Wie fühlt er sich an? Macht er spezielle Geräusche im Wind? Führe Dein Kind an den Ausgangspunkt zurück und nimm ihm die Augenbinde ab. Nun frage: „Welcher war Dein Baum?“ Du wirst staunen: Die meisten Kinder finden „ihren“ Baum mühelos wieder. Wähle für den Anfang einen Baum, der sich von den anderen abhebt – so habt Ihr ein garantiertes Erfolgserlebnis.

Fazit zum Wandern mit Kindern

Neben einer Hand voll Spiele in petto lautet der wichtigste Tipp fürs Wandern mit Kindern eigentlich: entspannt bleiben. Natürlich ist das manchmal leichter gesagt als getan. Gerade, wenn der Aufwand für die Wanderung (Ferienvorbereitungen, Anreise, neue Ausrüstung fürs Kind etc.) hoch war, steigen damit auch oft die Erwartungen von uns Eltern. Trotzdem sollte man versuchen, sich davon frei zu machen. Wenn ihr einen mehrtägigen Wanderurlaub plant, lasst ein paar Tage im Terminkalender „leer“. Ebenfalls eine gute Idee: Verabredet Euch mit anderen Eltern zum Wandern. Mit Freunden macht den Kleinen die Wanderung gleich doppelt Spaß.

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