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Superleichter Allrounder

Movement Race Pro 85 2019/2020 Tourenski im Test

6 Minuten Lesezeit
Der neue Tourenski von Movement - der Race Pro 85 2019/2020 - überzeugt vor allen Dingen mit seinem Gewicht. Aufstiege sind mit ihm eine Leichtigkeit und im Tiefschnee ist er eine echte Wucht. Einzig bei der Abfahrt muss man ein paar Abstriche machen, was bei einem Tourenski in dieser Gewichtsklasse aber auch zu erwarten ist.

Gewicht und Material

Neben dem schlicht-coolen Design fällt mir als erstes auf, wie wahnsinnig leicht der Movement Race Pro 85 ist. Meine Waage zeigt gerade mal gut 1.000 Gramm pro Ski mit Bindung an. Damit ist der Movement Race Pro gerade mal rund 180 Gramm schwerer als mein altes Renn-Setup (Dynafit DNA 16/17 + ATK Trofeo Bindung) und das bei einem längeren und vor allem breiteren Ski! Ziemlich beeindruckend, zumal ich bei dem Movement Ski mehr das Gefühl habe einen richtigen (sprich: abfahrtstauglichen) Ski in den Händen zu halten und keine windige Rennlatte.

Mann steht mit Movement Ski vor Bergpanorama
Erster Eindruck: Der Movement ist ein super-leichter Tourenski mit schlichtem und coolem Design. | Foto: Sylke Verheyen

Bei einem derart leichten Ski bin ich natürlich sofort neugierig und zugleich skeptisch was die tatsächlichen Fahreigenschaften angeht. Um die nötige Stabilität beim Fahren zu gewährleisten, hat Movement den leichten Karuba-Holzkern mit viel Carbon verstärkt sowie Glasfaser und Titanal im Bindungsbereich verbaut. So dürfte es zumindest in der Theorie keine komplette Wackelpartie bergab geben, wie man es eventuell von anderen Rennkollegen kennt.

Aufstieg mit dem Tourenski

Im Aufstieg ist das geringe Gewicht natürlich genial. Hier ist der einzige erkennbare Unterschied zu einem lupenreinen Rennski der etwas höhere Reibungswiderstand des Fells. Das ist aber kein Wunder bei der größeren Oberfläche des Tourenskis. Allerdings ist es für mich auch keine wirkliche Einschränkung, im Gegenteil: bei steileren, eisigen Passagen ist es sogar von Vorteil mehr Grip zu haben. Auch bei Querungen lässt sich das Gewicht mühelos auf die Kante verlagern und man kommt sicher und flott voran.

Somit ist es wenig überraschend, dass sich der Race Pro 85 absolut perfekt gehen lässt und auch bei Tragepassagen bequem am Rucksack zu befestigen ist. Zugegebenermaßen ist das aber nichts Neues für einen derart leichten Tourenski. Was ich mir von dem Ski erhoffe ist eine deutlich bessere Abfahrtsperformance als andere Ski seiner Gewichtsklasse.

Skitourengeher beim Aufstieg
Der Movement Race Pro 85 erweist sich als hervorragend im Aufstieg – auch wenn er dabei nur am Rucksack befestigt wird. | Foto: Sylke Verheyen

Abfahrt auf der Piste

Die ersten Schwünge auf der Piste waren dann erstmal ernüchternd. Der Race Pro ist schon recht wackelig und gedämpft wird hier sowieso nicht wirklich viel. Doch nach ein paar Versuchen habe ich mich daran gewöhnt. Auch hier lässt sich das Leichtgewicht erwartungsgemäß gut auf die Kante bringen und fährt sich verhältnismäßig spurtreu. Immer vorausgesetzt man fährt sauber und erlaubt sich keine Schnitzer. Das verzeiht der Race Pro nämlich nicht und verreißt entsprechend einfach.

Aber das ist für so einen leichten Tourenski nichts Unerwartetes. Ich empfand es eher als angenehm, wie wenig die Ski bei höheren Geschwindigkeiten flattern und ausbrechen wollten – das macht schon direkt Spaß! Aber vormachen sollte man sich trotzdem nichts, der Race Pro ist definitiv aufstiegsorientiert und keine Freeridemaschine. Wenn man mehr Stabilität sucht, braucht man einen schwereren Ski.

Wie macht sich der Movement Race Pro 85 bei der Abfahrt im Gelände?

Auf der Piste fahren ist für mich meistens nur eine Notlösung und ich will wissen wie sich der Tourenski im Gelände macht. Schließlich soll das ja auch der Haupteinsatzbereich für den Race Pro sein. Hier bin ich sofort von dem Fliegengewicht überzeugt, denn ich hätte nie gedacht, dass der Ski so viel Auftrieb hat! Getestet habe ich den Ski im frühwinterlichen Gletscher-Tiefschnee, auf verspurten Nachmittags-Geländeabfahrten und in windverpressten Hängen.

Mit seinen gerockerten Schaufel- und Skienden lässt er sich schön im weichen Tiefschnee drehen – ein himmelweiter Unterschied zu anderen Rennski, mit denen ich dann doch öfter senkrecht im Schuss abfahren muss. Wird der Schnee dann allerdings verspurt oder windverpresst, muss man wieder sehr viel mehr arbeiten. Denn steht man unsauber auf dem Race Pro bricht er einfach aus und man verliert schnell die Kontrolle.

Doch insgesamt ist die Abfahrt mit diesem Ski gut zu meistern und man bewegt sich insgesamt eher auf Augenhöhe mit schwereren Tourenski als sonst im Rennsektor üblich.

Das Set-up: Movement Carbon Pro Tourenschuh und Race Tracks Bindung

Auf meinem Testski ist eine Movement Race Tracks Bindung (baugleich mit der Dynafit Low Tech Race Bindung) montiert. Diese Bindungskategorie ist mit ihrem geringen Gewicht perfekt für den Race Pro, da es wirklich nicht mehr braucht um den Ski zu kontrollieren und zusätzliches Gewicht nur beim Aufstieg stören würde.

Movement hat mir auch den passenden Carbon Pro Tourenstiefel zur Verfügung gestellt und dieser Skischuh hat mich richtig begeistert. Erst war ich sehr skeptisch, da ich diesen Stiefel nicht richtig einordnen konnte: meiner Meinung nach ist er einen Tick zu schwer für einen Rennschuh und als Allrounder vielleicht ein bisschen zu minimalistisch?!

Doch der Carbon Pro ist der perfekte Skischuh für den Race Pro 85! Mit seiner hochgezogenen Gamasche bleiben die Füße auch bei Tragepassagen im tiefen Schnee trocken und die ungewöhnliche Schnallen/Klettband-Verschlusskombination sorgt für einen verhältnismäßig angenehmen Flex beim Abfahren. Und das bei einem derart leichten Schuh mit optimaler Bewegungsfreiheit. Von Rennschuhen bin ich es gewohnt, dass sie entweder sehr weich oder bretthart sind, aber der Carbon Pro findet hier einen super Mittelweg. Außerdem lässt er sich mit einem Handgriff von Aufstiegs- auf Abfahrtsmodus umstellen. Ich werde den Race Pro bestimmt auch mit schwereren Ski auf langen Touren fahren.

Mein Testfazit zum Movement Race Pro 85

Der Movement Race Pro 85 ist auf gar keinen Fall ein Tourenski für Anfänger! Auch sollte man keine Wunder bei der Abfahrtsleistung erwarten. Doch gemessen an seiner Gewichtsklasse ist er vor allem im Tiefschnee eine echte Wucht! Wer sauber auf dem Ski steht oder bisherige Rennski-Wackelpartien gewohnt ist, wird eine wahre Freude mit ihm haben. Im Aufstieg ist er sogar so gut, dass er eine ernst zunehmende Alternative für Wettkämpfe mit anspruchsvollen Schneebedingungen oder Abfahrten darstellt – sofern man das Mehrgewicht in Kauf nehmen will. Also eher Pierra Menta anstatt Freeride World Tour.

„Eher Pierra Menta statt Freeride World Tour“

Abgesehen von Wettkämpfen ist der Race Pro perfekt für Touren mit sehr vielen Höhenmetern, Mehrtagestouren, Hochtouren – überall wo Gewicht eine Rolle spielt und man auch mal Abstriche bei der Abfahrt in Kauf nimmt. Ich persönlich freue mich auch auf lange Firntouren im Frühjahr damit, weil der Ski da seine Stärken voll ausspielen kann.

Den aktuellen Race Pro 85 Tourenski gibt’s hier im Bergzeit Shop:

 

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