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Gute Vorspannung!

Red Chili Voltage Kletterschuhe im Test

6 Minuten Lesezeit
Voltage, übersetzt "Spannung" - das ist der neue Kletterschuh von Red Chili. Und Vorspannung ist eines seiner Hauptmerkmale. Bergzeit Magazin-Redakteur Stefan hat die Schuhe ausgiebig in der Halle, beim Sportklettern am Fels und beim Bouldern getestet.

Jetzt also ein Red Chili-Kletterschuh. Manchmal muss man eben etwas Neues ausprobieren! Ich muss zugeben – meine Vorerfahrung mit Schuhen, die diese kleine, vermutlich scharfe Chilischote tragen, ist begrenzt. Genau genommen speist sie sich aus einer wenig schmeichelhaften Begegnung mit einem abgelatschten Verleih-Hallenschuh, der ungefähr das Feingefühl eines steigeisenfesten Bergstiefels hatte.

Das allerdings liest sich beim neuen Voltage ganz anders: Hochspannung soll er bieten (daher auch der Name), aber keine Verspannung im Fuß. Schon die Farbe – warnwestenneongelb – will diese Ankündigung unterstreichen. Und trotzdem viel Gefühl für kleine Tritte haben. Hört sich ja eigentlich ganz gut an.

Der neue Red Chili Voltage – das Wichtigste zuerst

Herzlich wilkommen, lieber Voltage. Jetzt kannst Du mal zeigen, was zu kannst ... | Foto: Markus Stadler
Herzlich wilkommen, lieber Voltage. Jetzt kannst Du mal zeigen, was zu kannst … | Foto: Markus Stadler

Also, zu Potte kommen bitte, was gibt es über den neuen Red Chili Voltage zu sagen?

  1. Komplett neu entwickelter, relativ breiter Leisten (check – das passt zu mir!)
  2. Vibram XS-Grip-Sohle (check – also nicht so weich wie die XS Grip2-Sohle – und damit hoffentlich etwas haltbarer)
  3. Zwei Velcros (check – damit auch perfekt für die Halle)
  4. Starke Vorspannung, das Markenzeichen des Voltage (nun gut, hier muss ich zugeben, dass ich das nur bei manchen Kletterschuhen gerne mag. Manchmal tut‘s halt dann auch einfach nur weh …)

Größenwahl und Passform beim Voltage

Ein Segen für die Kletterschuhauswahl ist die Größenpolitik von Red Chili, das wird mir bei der Anprobe klar. Red Chili gibt an, dass die Kletterschuhe in der normalen Strassenschuhgrösse bequem sind. Je nach Performance- und Schmerzbedürfnis könne man bis zu zwei EU-Größen nach unten gehen. Nachdem ich die Schuhe auch fürs Routenklettern verwenden will, verbleibe ich im komfortablen Bereich – und nehme den Voltage in 42 bei einer Straßenschuhgröße von 42,5. Für mich bietet der Schuh so eine großartige Performance, aber dazu später mehr. Würde ich den Schuh fürs richtig schwere Bouldern verwenden wollen, müsste ich nochmals eine halbe Schuhgröße runtergehen…

Was haben Voltage und Vorspannung miteinander zu tun?

Die Vorspannung des Voltage unterstützt beispielsweise in Überhängen. | Foto: Markus Stadler
Die Vorspannung des Voltage unterstützt beispielsweise in Überhängen. | Foto: Markus Stadler

Ziel der Entwickler sei es gewesen, gibt Red Chili Auskunft, einen Schuh mit starker Vorspannung zu entwickeln, der eben nicht die Schmerztoleranz seines Trägers auf die Probe stellt.

Das führt zur sehr viel grundlegenderen Frage: Was soll diese Vorspannung eigentlich bringen? Aaaalso: Die Vorspannung kommt durch das flache Gummiband zustande, das um die Ferse gespannt ist, und diese nach vorne zieht. Das hat zwei Vorteile. Erstens behält der Schuh so seine Leistenform länger und zweitens unterstützt die Vorspannung den Fuß beim Stehen auf kleinen Tritten.

Das bedeutet: Durch die Vorspannung des Schuhs wird die Spannung des gesamten Körpers besser übertragen. Und das ist gerade bei körperspannungsintensiven Passagen hilfreich …

Testphase 1: Bouldern

Ich sitze in der überfüllten Boulderhalle und habe es mit etwas Mühe geschafft, mich aufzuwärmen. Aus Bequemlichkeit habe ich dazu meine Schlappen an, also meine Komfort-Kletterschuhe. Langsam geht’s aber an die schweren Sachen und so hole ich mir den Red Chili Voltage dazu.

  • Erste Überraschung: der Schuh trägt sich dafür, dass er ein Hight-End Gerät sein soll, richtig gut
  • Zweite Überraschung: der steht richtig gut! Auf kleinen Tritten kann ich präzise antreten und stehe sicher. Die Mischung aus Entlastung und Gefühl überzeugt mich.
  • Dritte Überraschung: Volumes kann er auch, wenn‘s sein muss! Die Schrauber hatten an dem Abend einige dieser modernen Trittelemente in die Wand gespaxt und dafür, dass er nicht der weichste Schuh ist, macht sich der Voltage richtig gut.

Der einzige Schwachpunkt für mich ist die Ferse. Für meine Anatomie ist dort etwas viel Luft. Aber dieses Problem habe ich zugegebenermaßen auch bei anderen Schuhen.

Vorläufiges Indoor-Fazit: Der Voltage ist mein neuer Boulderschuh. Der alte Python darf zwar weiter mit, muss aber vor allem dann aus dem Rucksack, wenn es noch weicher sein soll.

Nach diesen ersten Testzügen kann ich mir schon vorstellen, dass sich der Voltage auch am Seil wohlfühlt!

Testphase 2: Sportklettern und Bouldern draußen

Eingeklettert - der Voltage gehört schnell zum Stamminventar meines Kletterrucksacks. | Foto: Stefan Rehm
Eingeklettert – der Voltage gehört schnell zum Stamminventar meines Kletterrucksacks. | Foto: Stefan Rehm

Es ist ein wunderbarer Frühlingstag und nach einer Woche erzwungener Kletter-Abstinenz (nicht nur Fluglotsen streiken manchmal, sondern auch der Rücken) stehe ich endlich wieder am Fels. Die Bedingungen sind perfekt, es ist recht warm, dafür trocken. Die Aufwärmrouten absolviere ich wieder mit meinen Schlappen.

Dann geht es an ein altes Projekt. Die Züge haben in meinem Kopf recht gut überwintert. Nicht so gut durch den Winter gekommen ist dagegen meine Brachialkraft. So fühlt es sich zwar gut an, aber Klettern kann ich die Route nicht. Ich verlege mich aufs Onsighten. Hier gewinnt der Voltage schnell vollends mein Vertrauen. Als ich in einer wackeligen Position ein Stück über dem Haken stehe, rechne ich eigentlich schon nicht mehr, dass der Schuh auf dem kleinen Zacken stehen bleibt. Aber er bleibt. Und ich klettere die Route mit dicken Unterarmen zu Ende.

Auch beim Bouldern überzeugt der Voltage. | Foto: Stefan Rehm
Auch beim Bouldern überzeugt der Voltage. | Foto: Stefan Rehm

Auch hier draußen bewahrheitet sich, was sich in der Halle schon angedeutet hat. Auf allen Trittformen steht der Voltage zuverlässig und mit Gefühl. Wenn ich irgendwo unsauber stehe, so liegt es an meiner Tritttechnik und nicht am Kletterschuh.

Auch zum Bouldern dürfen die Voltages (ist das der richtige Plural, der Duden gibt hier keine Auskunft…) mit: leicht überhängendes Kalkschild mit kleinen Leisten und Auflegern. Ohne sauberes Stehen ist hier kein Blumentopf zu gewinnen. Und auch hier überzeugt der Voltage.

Fazit zu den Red Chili Voltage Kletterschuhen

Der Voltage ist mein neuer Lieblingsschuh. Die relativ breite Konstruktion und die Kombination von Gefühl und Spannung, von Weichheit und Unterstützung taugt mir richtig gut. Die Vibram XS-Sohle ist genau die richtige Wahl für diesen Schuh!

Ob drinnen oder draußen – das ist dem Schuh ziemlich egal. Klar, für geneigte und senkrechte Kletterei muss sich mein geliebter Five Ten Anasazi Verde keine Sorgen um seine Einsatzzeiten machen, aber selbst das kann der Voltage. Mein Fazit also? Der Voltage ist in meinem Kletterrucksack gesetzt. Punkt.

Das Wichtigste zu den Red Chili Voltage auf einem Blick:

  • Geeignet für … fortgeschrittene Kletterer
  • Sohle: Vibram XS
  • Vorspannung: stark
  • Fußform: eher für breite Füße geeignet
  • Verschluss: zwei Velcros

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