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Lust auf Speed Hiking

Im Interview: Salewa Markenbotschafterin & Speedhikerin Verena Helminger

6 Minuten Lesezeit
Berginfluencerin Verena Helminger hat das Speed Hiking für sich als Leidenschaft entdeckt und ist als Markenbotschafterin für Salewa immer auf der Suche nach neuen Gipfeln. Aber wie hat sie Speed Hiking als Hobby für sich entdeckt? Welche Voraussetzungen sind gefragt und was sind die mentalen Benefits daraus? Wir haben Verena für Dich interviewt und sie mit Fragen gelöchert. Viel Spaß beim Lesen!

Speed Hiking: Was ist das und wie kamst du dazu?

Bergzeit: Was ist für Dich der entscheidende Unterschied zwischen Wandern und Speed Hiking?

Verena Helminger

Salewa

Im Gegensatz zum klassischen Wandern spielt beim Speed Hiking die Geschwindigkeit, also das schnelle Gehen, den wichtigten Unterschied aus.


Verena Helminger: Die Geschwindigkeit und der athletische Charakter machen den Unterschied. Das schnellere Gehen, welches das Speed Hiking ausmacht. Wenn ich wandern gehe, dann liegt für mich persönlich der Fokus auf dem geselligen Miteinander. Beim Wandern führe ich Gespräche, es werden Pausen gemacht, die Jausen am Berg sind ausgedehnter. Es ist dann mehr ein Spazierengehen, um das komplette Umfeld zu genießen.

Beim Wandern plane ich von Beginn an mehr Zeit ein. Wandern findet in meinem beruflichen Alltag daher auch keinen Platz. Eine Speed Hiking Tour hingegen kann ich im Sommer zwei bis dreimal Mal pro Woche einbauen. Das sind dann Trainingseinheiten, bei denen Trainingsumfang und -intensität eine Rolle spielen: wie viele Höhen- und Kilometer schaffe ich in welcher Zeit? Beim Wandern steht das gar nicht im Vordergrund für mich.

Dann lassen sich die beiden Disziplinen klar voneinander abgrenzen?

Ja, absolut. Wenn auch der Übergang fließend ist. Ich war immer viel beim Wandern – bevorzugt mit Freunden, aber auch allein. Mit der Zeit kam der Wunsch von innen heraus, schneller zu gehen, weiter und höher zu laufen. Und das in kürzerer Zeit. Durch das viele Berggehen waren die Energie und die Kondition bei mir da. Der Gedanke, schneller gehen zu wollen, drängte sich förmlich auf.

Der Übergang vom Wandern zum Speed Hiking ist fließend. Wenn noch Energie vorhanden ist, kommt der Wunsch, schneller zu gehen, von innen heraus.

Verena Helminger

Das Speed Hiking und Deine Vorliebe für mehr Geschwindigkeit am Berg haben sich automatisch entwickelt?
Ja, das kam von selbst. So ist es ja bei vielen Dingen. Macht man eine Sportart oft und regelmäßig, wird man automatisch auch besser. Die Entwicklung vom Wandern zum Speed Hiking war bei mir ein Prozess, der sich quasi wie von selbst realisierte. Körper und Geist wollten mehr. Das kam von ganz allein.

Welche Rolle spielt die Ausrüstung? Was sind die Must Haves beim Equipment?

Hast Du mit der Zeit Deine Ausrüstung angepasst? Beim Speed Hiking spielt das Gewicht des Equipments vermutlich eine größere Rolle als beim Wandern?

Das stimmt. Das Gewicht ist ein zentraler Punkt. Wenn ich am Wochenende wandern gehe, achte ich weniger auf die Größe des Rucksacks. Lieber nehme ich einen Riegel mehr mit, packe noch eine Thermosflasche mit Tee dazu. Vielleicht sogar eine dickere Jacke, ein paar Handschuhe – je nachdem, wo die Tour mich hinführt. Wandern ist für mich Zeit in der Natur ohne jeglichen athletischen Anspruch. Bei Speed Hiking Touren ist meine Herangehensweise eine andere: Ich möchte schnell sein, dabei abschalten und mit einem klaren Kopf zurück in den Alltag finden. Schnell bin ich durch mein Trainingsniveau, das unter anderem auf leichter Ausrüstung basiert. Die leichte Ausstattung schenkt mir die Freiheit, mich schnell und sicher zu bewegen. Die Schuhe gleichen vielmehr einem Lauf- als einem Wanderschuh, der Rucksack ist klein und liegt ganz eng am Körper an.

Beim Speed Hiking zahlt sich leichtes Equipment aus: die Schuhe ähneln einem Wanderschuh, der Rucksack ist klein und sitzt eng am Körper.

Salewa

Beim Speed Hiking zahlt sich leichtes Equipment aus: die Schuhe ähneln einem Wanderschuh, der Rucksack ist klein und sitzt eng am Körper.


Immer mehr Menschen entdecken ihre Leidenschaft für Speed Hiking

Salewa

Immer mehr Menschen entdecken ihre Leidenschaft für Speed Hiking


Beim Speed Hiking konzentrierst Du Dich also auf das nötigste Equipment. Was sind die Must haves für Deine Trainingstouren?

Wasser, Riegel, eine leichte Jacke mit kleinem Packmaß. Das sind für mich sicher die wichtigsten Dinge. Meine wöchentlichen Speed Hiking Einheiten dauern maximal zwei Stunden. An warmen Sommerabenden reicht das für mich. Am Gipfel angekommen, nehme ich mir immer die Zeit, den Ausblick zu genießen und neue Ziele von dort oben auszukundschaften. Dann ziehe ich die Windjacke über, trinke und esse etwas. Und werfe nebenbei einen Blick auf meine Uhr, um die Trainingsparameter zu checken.

Ich brauche das Speed Hiking, um das Chaos in meinem Kopf zu ordnen oder besser gesagt, einfach abzuschalten und meinen Gedanken freien Raum zu geben. Oben am Gipfel fühle ich mich jedes Mal frei und klar.

Verena Helminger

Speed Hiking und die mentalen Vorteile daraus?

Bist Du beim Speed Hiking allein unterwegs?

Unterm Strich sicher. Ich bin eigentlich ein super geselliger Typ. Ich ratsche gern, mag ausgiebige Jausen mit Weitblick. Meine Speed Hiking Einheiten genieße ich dennoch meistens allein. Das brauche ich auch, um das Chaos im Kopf zu ordnen oder besser gesagt, einfach abzuschalten und meinen Gedanken freien Raum zu geben. Ich bin ein Mensch, der vieles bewusst wahrnimmt. Mir gelingt es nicht so gut, Dinge auszublenden. Wenn mir der Kopf schwirrt vor lauter Eindrücken, ziehe ich meine Speed Hiking Schuhe an, laufe den Berg hoch und all das fällt nach und nach von mir ab. Dann tauche ich in die Natur ein, meine Gedanken wandern von A nach Z, von hier nach da. Über meine Gedanken verliere ich etwas die Kontrolle, auch, weil ich mich voll und ganz auf meinen Körper konzentriere und auf den Weg nach oben. Oben am Gipfel fühle ich mich dann frei und klar.

Speed Hiking hilft Dir also auch, Deinen Alltag zu meistern?

Ja, ganz klar. Diese kleinen intensiven Auszeiten schenken mir enorm viel Energie. Wirklich jedes Mal komme ich sortierter zurück und kann den Rest der Zeit ganz anders genießen. Dieses Auspowern in der Natur gibt mehr Kraft.

Für das Speed Hiking braucht es zumindest kleine Berge. Sonst würden wir nicht hiken. Speed allein geht ja auch in der Ebene

Verena Helminger
Berge sind für Speed Hiking natürlich Pflicht: Je aussichtsreicher, desto besser!

Salewa

Berge sind für Speed Hiking natürlich Pflicht: Je aussichtsreicher, desto besser!


Grundvoraussetzungen fürs Speed Hiking und Events

Dein Tipp für Einsteiger? Kann jeder Speed Hiking machen?

Grundsätzlich kann das jeder machen, der ohnehin gerne und regelmäßig wandern geht. Wenn man beim Wandern spürt, dass da noch Energie vorhanden ist oder sich der Wunsch aufdrängt, einfach mal den Berg runterzulaufen oder einen Höhenweg entlang zu joggen, dann macht es Sinn, diesem nachzugehen. Einfach mal leichtere Schuhe mit gutem Profil zu schnüren und es auszuprobieren. Das kommt aus meiner Erfahrung von innen heraus.

… und es braucht Berge, um Speed Hiking zu machen, oder?

Ja, ich denke schon (lacht). Ohne Berge würden wir nicht hiken. Speed geht auch in der Ebene. Erhebungen von 400 bis 500 Höhenmetern braucht es schon, um Speed Hiking zu machen. Das ist zumindest mein Minimalanspruch für die Trainings unter der Woche. Aber klar, ich habe das Glück in Bergnähe zu wohnen. Teils laufe ich direkt los und brauche keine Anfahrt mit dem Auto oder Rad. Das weiß ich sehr zu schätzen.

Und bei Dir? Entwickelst Du Dich vom Speed Hiking nun in Richtung Trailrunning?

Mhmm, eher nicht. Trailrunning ist für mich ausschließlich athletisch motiviert. Dabei geht es um Tempo. Die Natur fliegt an einem vorbei. Die Konzentration liegt zu 100 Prozent auf der Strecke. Insbesondere dann, wenn der Trail anspruchsvoll ist, das heißt verblockt und verwurzelt. Und noch dazu ausgesetzt. Beim Speed Hiking gönne ich mir und meiner Sportuhr am Gipfel oder Zielpunkt eine Pause. Trailrunner laufen eher durch, weil sie ihr Training nicht unterbrechen möchten. Trailrunning hat nochmals eine andere Intensität und die Art und Weise, das Training zu genießen, verändert sich. Auch hier ist der Übergang sicher fließend zwischen den Disziplinen. Ich kenne einige, die immer schneller wurden und mittlerweile Sky Races laufen. Da findet jeder seinen eigenen Weg.

Du sprichst Sky Races an. Das sind sehr ambitionierte Wettbewerbe. Gibt es Events ausschließlich für Speed Hiking?

Nicht wirklich. Wie sollte da die Ausschreibung lauten? Und wer kontrolliert, dass die Disziplin eingehalten wird? Das würde dann auch im Widerspruch stehen zu der Freiheit, die man beim Sport selbst spürt. Mal geht man schnell, mal läuft man ein Stück. Im Jahr 2020 habe ich beim Karwendelmarsch teilgenommen. Das Event ist legendär und führt die Teilnehmer durch wunderschöne Bergwelten. Ich bin damals die 38 Kilometer gelaufen. Nach kurzer Zeit war ich mittendrin. Mein Körper hat wieder übernommen, die Gedanken wanderten in alle Richtungen während ich intensiv in die Natur und den Lauf eintauchen konnte. Ich denke, dass Events, wie der Karwendelmarsch, unterschiedliche Sportler mit vielseitigen Ambitionen anspricht. Diejenigen, die als Erste das Ziel durchqueren werden vermutlich immer Trailrunner sein. Das liegt auf der Hand. Zu gewinnen, das steht für mich nicht an erster Stelle. Schnell sein, hingegen schon.  

… und im Alltag. Vor oder nach der Arbeit?
Der Untersberg zum Beispiel. Auch der Gaisberg oder der Schober. Unter der Woche plane ich maximal zwei Stunden. Diese Berge eignen sich dafür sehr gut. Oben angekommen ist man immer hoch genug, um neue Ziele auszumachen.

 

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