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Von Sportlerinnen und Fabelwesen

Machen Frauen anders Bergsport als Männer?

5 Minuten Lesezeit
Frauen im Bergsport - das ist ein riesiges Thema, wie Women’s Lounge auf der ISPO, Women’s Only Events und Ladies Specials zeigen. Und tatsächlich sind so viele Frauen wie nie in den Bergen unterwegs. Doch machen Frauen wirklich anders Bergsport? Eine Spurensuche.

Ich  mache schon ziemlich lange Outdoorsport. Fahre Ski seit ich drei Jahre alt bin, mit ungefähr zehn oder elf Jahren kam dann Mountainbiken dazu. Zwischendurch mal Klettern. Das ganze Programm eben. Gemacht habe ich es bis dahin immer mit genau den Personen, die gerade da waren. Zugegeben, meistens waren das Männer. Mein Papa, die Jungs aus meinem Skiclub, mein erster Freund. Frauen waren aber natürlich auch immer wieder dabei. Gut durchgemischt würde ich sagen. Und wenn ich ehrlich bin, habe ich mir nie darüber Gedanken gemacht, ob Frauen anders Bergsport machen als Männer – bis ich diesen Beitrag schreiben sollte.

Für mich war eigentlich immer klar, dass ich einfach meinen Sport machen will. Und ich will als Sportlerin ernst genommen werden – egal ob ich nun eben männlich, weiblich oder divers bin.

Ich brauche keine Extrawurst, nur weil ich eine Frau bin.

Stimmt es wirklich, dass Frauen anders an Bergsport rangehen als Männer?

Bergzeit

Stimmt es wirklich, dass Frauen anders an Bergsport rangehen als Männer?


Frauen, Snowboarder und Exoten?

Meist hat das funktioniert, auch wenn ich mit Männern unterwegs war. Ich war einfach ein Teil der Gruppe und nicht die eine Ausreißerin. Ich selbst und die anderen sahen mich als Sportlerin. Bis ich dann 2015 am Start des Weißen Rauschs in St. Anton am Arlberg stand. Bei einem Massenstart-Skirennen mit 500 Teilnehmern. Eingeteilt war ich in die Startergruppe „Frauen, Snowboarder und Exoten“.

„Okay, Exoten“, dachte ich mir. „Was soll das sein?“ Beantwortet wurde mir diese Frage an der Startlinie. Neben mir in Position stand ein Herr im Teddybärkostüm, jemand in einem Einhorn-Gewand und ein Yeti. So. Frauen werden in Massenstart-Rennen also mit Fabelwesen gleichgesetzt?!

Gut, dass Frauen im Outdoor- und Bergsport häufig anders behandelt werden, ist mir bekannt. Das fängt schon bei der Ausrüstung an. Als Frauenequipment wird häufig Ausrüstung beschrieben, die für kleinere und leichter gebaute Menschen ist und mit einem lieblichen Design daherkommt. Dass Frauen aber auch größer sein können – und bei einer Körpergröße von 1,78 Meter weiß ich, wovon ich spreche – wird häufig nicht bedacht.

Worauf kommt es bei Frauen-Equipment an? Blumenprint drauf und fertig?

Bergzeit

Worauf kommt es bei Frauen-Equipment an? Blumenprint drauf und fertig?


Das bestätigt mir im Gespräch auch Anna Weiß. Sie ist Mitgründerin des World of Mountainbike Magazins und des European’s Womens Outdoor Summit und beschäftigt sich schon seit einigen Jahren mit dem Thema Frauen im Outdoorsport: „Es geht nicht um Frau oder Mann. Es geht immer um den Menschen, der das Produkt nutzt. Bei gutem Design steht nicht das Produkt am Anfang und im Mittelpunkt, sondern der Mensch. Natürlich sind Frauen statistisch gesehen kleiner und leichter als Männer – aber nicht ALLE sind es. Es gibt auch kleine, zarte Männer und große, kräftige Frauen.“

Häufig werden Frauenprodukte einfach nach dem altbekannten Prinzip „Pink it and shrink it“ produziert. Von Ski kenne ich das zu genüge. Frauen wollen einen Ski, der leicht ist und vor allem leicht zu fahren ist. So die allgemeine Annahme. Also, leichteren Kern verbauen, Blumenprint drauf und schon hat sich die Sache. Dass Frauen diese Ski oft gar nicht fahren möchten oder dass auch Männer gerne leicht zu fahrende Ski hätten? Ist nicht in der Produktplanung. Ergo, werden die sogenannten Ladies-Produkte nicht gekauft. Die Hersteller hören auf in Frauenprodukte zu investieren. Und so weiter. Ein Teufelskreis.

Mann oder Frau – oder einfach Individuum

Wenn wir uns also die Frage stellen, ob Frauen im Outdoorsport anders als Männer wahrgenommen werden, müssen wir uns zuerst wohl eher die Darstellung des Outdoorsports an sich anschauen.

„Viele der Eigenschaften, die wir damit assoziieren, werden mit vermeintlich ‚typisch männlichen‘ Worten konnotiert. Furchtlosigkeit, Draufgängertum, Wagemut, Schmerzen, Gefahr… Allein unser Vokabular – Bezwingen! Erobern! Kämpfen! Gipfelsieg! – ist kriegerisch. Das hat viel mit unserer Kultur zu tun, in der Männer eben lange Zeit das Maß aller Dinge und außerdem die rechtmäßigen Streuner waren“, erklärt Weiß. „Es ist Teil unserer Geschichte, unserer Kultur.“

Ein Blick zurück in unsere Geschichte lässt uns vermuten, woher das Bild der Frauen im Outdoorsport kommt.

Bergzeit

Ein Blick zurück in unsere Geschichte lässt uns vermuten, woher das Bild der Frauen im Outdoorsport kommt.


Dabei sind heutzutage so viele Frauen wie nie in den Bergen unterwegs. Und keine Stereotype. Sondern einfach Individuen. Dicke, dünne, athletische, junge, alte, kurzhaarige, langhaarige. Whatever.

Wir sollten anfangen, uns selbst nicht ständig in Schubladen zu stecken.

Viel wichtiger ist es doch daran zu denken, was Outdoorsport kann und warum wir alle Outdoorsportler geworden sind: „Ich sehe allgemein ein riesiges Potenzial im Outdoorsport. Als Prävention oder zur Therapie von Depressionen, als Mittel zur Steigerung von Selbstbewusstsein, als Werkzeug für gesellschaftlichen Wandel. Menschen, die einmal ihr Talent und ihre Selbstwirksamkeit im Outdoorsport erlebt haben, tragen diese Erlebnisse und Gefühle auch in ihr Alltagsleben“, erklärt Weiß.

Und wer kennt das nicht? Wenn man Selbstbewusstsein im eigenen Sport gesammelt hat, kann man das auch in den Alltag tragen und zufriedener und offener durch die Welt gehen. Außerdem wollen wir doch alle gemeinsam als Berg- und Outdoorsportler nur eines: draußen sein in der Natur und den Sport machen, den wir lieben. Egal ob Frau oder Mann, rot- oder schwarzhaarig, jung oder alt, Kletterer oder Trailrunner.

Welche Erfahrungen hast Du als Outdoorsportlerin gemacht? Wir freuen uns über Deinen Kommentar.

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MFGSparka
1 Jahr

Ich schreibe als Freund einer fantastischen Frau. Sie ist groß gewachsen, nicht dick nicht dünn sondern perfekt. Vor nicht allzu langer Zeit beschäftigte uns das Thema Skihose. Ich hätte nicht gedacht welchen Aufwand wir betreiben mussten um eine passende zu finden. Selbst dort wo mit Hosen in Langgrößen geworben wurde konnten gab es nur eine schmächliche Auswahl, wenn überhaupt. Unzählige Bestellungen später hatten wir dann eine gefunden. Passform so lala. Eigentlich etwas zu kurz und etwas zu eng. Aber was soll man machen?

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Brenda
1 Jahr

Wunderbar! Ihr sprecht mir aus der Seele, vielen Dank! Ich bin selbst über 180 cm groß und eher muskulös/kräftig, trotzdem mit weiblichen Körperbau und außerdem auch bereits über 50 Jahre alt. Weder passen mir die Pink-Blümchen-Pseudosexy-Bekleidungsteile, noch möchte ich so etwas tragen. Auch nicht in einer türkisen Version übrigens. Oft denke ich mir bei derlei Kleine-Mädchen-Kollektionen nur „was soll das?“ – und gehe frustriert und leicht verärgert wieder nach Hause. Eine Marke, bei der mir das öfter auffällt, findet generell keine Wiederwahl. Viele Freundinnen sehen es übrigens ähnlich. Das kann doch nicht im Sinne der Hersteller sein, sich große Teile… Read more »

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Anna
1 Jahr

Finde den Artikel sehr interessant und stimme bei sehr vielem zu! Die Auswahl bei Männern ist auch meist größer und speziell bei guten Bergschuhen gibt es für mich so gut wie keine Auswahl. Die verspielten und kitschigen Muster sowie die Farben im Frauensortiment nerven mich tierisch. Ich will weder was pinkes, noch was mit Blumen drauf. Da ich allerdings im Gegensatz zur Autorin doch sehr klein und zierlich bin, fühl ich mich dann oft gezwungen die kleinen, leichten und leider aber Design-mäßig oft gaaaar nicht meinem Geschmack entsprechenden Frauensachen kaufen zu müssen, denn egal wie oft ich die kleinste Größe… Read more »

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Flüstertüte
1 Jahr

Zwar bin ich „nur 1,68″m groß und habe somit längentechnisch keine Passformprobleme, allerdings scheine ich einige weitere Mankos zu Besitzen, die bei den Designern von Frauen-Sportklamotten schier verpönt sind: Ich habe einen muskulösen Schultergürtel, gerade Hüften und einen kräftigen Vorfuß :-) Derartiges scheint aber bei der Konzeption weiblicher Schnittmustern nicht zu existieren, ginge man nach dem Großteil des angebotenen Sortiments, müssten alle Frauen zierlich, schmalschultrig und schwanenhalsig sein. Am liebsten kaufe ich darum Männerklamotten in Gr.XS oder aus dem „Slim-fit“-Bereich. Da kann ich dann einen Jackenkragen auch bis oben schließen UND ein Schlauchtuch drunter tragen, ohne dass mir die Luft… Read more »

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René
1 Jahr

Eure Anliegen und Wünsche sind sicher berechtigt. Ich frage mich aber, ob das auch mit den Herstellern kommuniziert wird oder ob das, wie bisher in vielen andern Bereichen auch, stillschweigend als gegeben angenommen wird. Kann es aber auch sein, dass die Mehrheit der Frauen eben doch auf solche Farben und Designs stehen und sich die Produzenten daran orientieren? Übrigens, manchmal kann es auch umgekehrt passieren, ich bin auch schon in die Kinderabteilung geschickt worden, um eine passende Hosengrösse zu finden ;-)

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Barbara
1 Jahr

Ich bin klein und kräftig – manche halten mich auch für dick, und ich vermisse weibliche Fahrradklamotten wie z.B. von Maloja, für sportliches Fahren in großen Größen. Ich habe die Designs der Männersachen, speziell aus dem Bereich Mountainbiken so satt.
Aufgrund des fehlenden Sortiments habe ich immer das Gefühl, es kann sich kein Hersteller vorstellen, dass auch Frauen mit Größe 46 große Touren und schwierige Trails fahren können.

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