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Kaufberatung Kletterseil

Länge & Durchmesser von Kletterseilen: Was ist wichtig?

7 Minuten Lesezeit
Welche Länge sollte mein Kletterseil haben? Was sollte ich beim Durchmesser beachten? Und sollte das Seil imprägniert sein? Bergzeit Autor Stefan ist Klettertrainer und beantwortet Dir diese und weitere Fragen rund um die Auswahl des richtigen Kletterseiles.

Wir starten mit dem kleinen Einmaleins der Seilkunde und klären zum Einstieg ein paar Begrifflichkeiten und Unterscheidungsmerkmale rund um Kletterseile.

  • Seilart: Die Kletterseil-Norm UIAA 101 sieht drei verschiedene Typen vor:
  • Mantelanteil: Dynamische Kletterseile bestehen aus einem Mantel und einem Kern. Als Faustregel gilt: Je höher der Mantelanteil, umso länger hält das Seil – aber umso schwerer ist es auch.
  • Seillänge: Ein doppeldeutiger Begriff beim Klettern, der sowohl die Länge des Kletterseils als auch die Strecke zwischen zwei Standplätzen beim Alpinklettern beschreibt. Beim Kauf eines Seiles geht es aber um die Gesamtlänge des Seils.
  • Durchmesser: die Gesamtdicke des Kletterseiles.

Welche Länge sollte das Kletterseil haben?

Die Länge eines Kletterseils rangiert meist zwischen 60 und 80 Metern je nach Einsatzgebiet, wobei es mittlerweile Seile bis zu 100 Metern Länge zu kaufen gibt.

Indoor-Klettern

In der Kletterhalle werden ausschließlich Einfachseile benutzt. Für gewöhnlich reicht eine Länge zwischen 50 und 60 Metern aus, denn die meisten Hallen bieten schlicht keine längeren Routen.

Sportklettern im Klettergarten

Von der Kletterseil-Länge her reichen in vielen Gebieten – etwa dem Frankenjura – 60 Meter meistens aus. In anderen Gebieten wie dem Alpenvorland können allein die Routen bereits gut und gerne mal 40 Meter lang sein. Da wird ein 60 Meter langes Kletterseil somit schnell an seine Grenzen stoßen.

Die Länge richtet sich nach den Gebieten, in denen Du vorrangig unterwegs bist.

Zusätzlich solltest Du das Kürzen des Kletterseils und Kletterreisen und -urlaube mit längeren Routen im Hinterkopf behalten. Daher ist ein Seil von 70 bis 80 Metern Länge oftmals besser geeignet.

Mehrseillängenklettern

Da Du mit Halb- oder Zwillingsseilen die komplette Seillänge abseilen kannst, reicht Dir bei Mehrseillängentouren eine Kletterseil-Länge von üblicherweise 50 oder 60 Metern aus.

Welchen Durchmesser sollte das Kletterseil haben?

Auch der Kletterseil-Durchmesser hängt vom Einsatzbereich ab:

Indoor-Klettern

Hier solltest Du ein robustes Seil mit 9,5 bis 10,5 Millimeter verwenden, je nachdem welches Sicherungsgerät Du verwendest. Ein höherer Mantelanteil ist von Vorteil.

Felsklettern

Beim Felsklettern hängt es davon ab, ob Du eher Onsight- oder Projektkletterer bist.

  • Für lange Routen spart ein Seil zwischen 8,7 und 9,2 Millimeter einiges an Gewicht.
  • Fürs Ausbouldern empfiehlt sich eher ein Durchmesser von mehr als 9,5 Millimeter.

Speziell zum Projektieren von Routen ist deshalb ein Seil mit hohem Mantelanteil gut geeignet.

Ambitionierte Onsight-Kletterer, die für gewöhnlich weniger ausbouldern, bei denen es aber um jedes Gramm mitgeschlepptes Gewicht geht, sollten sich dagegen eher für ein dünneres und damit leichtes Seil entscheiden (das dafür beim Ausbouldern schnell durchgerubbelt wird).

Welchen Durchmesser und welche Länge ein Kletterseil haben muss, hängt entscheidend vom Einsatzbereich ab.

Bergzeit

Welchen Durchmesser und welche Länge ein Kletterseil haben muss, hängt entscheidend vom Einsatzbereich ab.


Alpinklettern

Beim Alpinklettern kommt es darauf an, ob man mit Doppel- oder Zwillingsseil unterwegs ist. Zwillingsseile sind in der Regel etwas dünner und leichter, dafür aber nicht für Dreier-Seilschaften oder alternierende Seilführung geeignet.

Welches Kletterseil brauche ich als Anfänger?

Der Einstieg ins Klettern beginnt in den meisten Fällen in der Halle. Hier kannst Du – am besten im Rahmen eines Einsteigerkurses – erste Erfahrungen beim Einbinden in das Seil und den Umgang mit einem Sicherungsgerät sammeln.

Wenn Du Dir für den Anfang direkt ein eigenes Seil zulegst, dann kannst Du gelernte Knoten und Einbinde-Techniken auch gleich zu Hause weiter verinnerlichen. Grundsätzlich sollte ein Kletterseil für Anfänger folgenden Kriterien erfüllen:

  • Einfachseil
  • 50 Meter bis 60 Meter Seillänge
  • Seildurchmesser nicht zu dünn, also zwischen 9,5 bis 10,5 Millimeter (Kompatibilität mit Sicherungsgerät beachten!)
  • hoher Mantelanteil
  • Imprägnierung unnötig

Durchmesser, Länge & Sicherungsgerät: Wie hängt das zusammen?

Prüfe vor dem Kauf eines Einfach-Kletterseils die Kompatibilität des Seildurchmessers mit Deinem Sicherungsgerät.

🆚 Mehr Beratung: Welches Sicherungsgerät mit welchem Kletterseil-Durchmesser kompatibel ist, haben wir für Dich im Beitrag Sicherungsgeräte im Vergleich in einer Tabelle zusammengetragen.

  • weniger als 9,2 Millimeter: Insbesondere bei Halbautomaten ist es bei Seilen von weniger als 9,2 Millimetern Dicke wichtig, die Sicherheitskriterien des jeweiligen Gerätes zu beachten, da hier möglicherweise der Blockier-Mechanismus nicht mehr greift.
  • 9,2 bis 9,8 Millimeter: Bei einem Seildurchmesser von 9,2 Millimetern aufwärts besteht in der Regel kein Problem mit Autotubern und Halbautomaten.
  • mehr als 9,8 Millimeter: Bis 9,8 Millimeter Dicke ist das Sichern mit den meisten Sicherungsgeräten ohne Probleme möglich. Darüber leidet oftmals das Handling – wobei das wiederum von zusätzlichen Faktoren wie Imprägnierung, Abrieb des Seils oder anderen Manteleigenschaften abhängt. Dafür besitzen Kletterseile mit einem größeren Durchmesser einen höheren Mantelanteil und sind damit tendenziell robuster.
  • Vom inzwischen weit verbreiteten Click Up gibt es eine Version speziell fürs Alpinklettern, das Click Up Alpine Kit, das speziell und ausschließlich für Seile von 7,7 bis 9 Millimeter gedacht ist. Auch Edelrid vertreibt für extra dünne Zwillingsseile von 6,9 bis 8,5 Millimetern Dicke das Sicherungsgerät Micro Jul. Generell ist, je nach Können, das Sichern mit Tube oder vergleichbaren Sicherungsgeräten bei sehr dünnen Seilen extrem unangenehm und sogar gefährlich. Im Zweifelsfall solltest Du das Seilverhalten vor Ort beim Sporthändler ausprobieren.
🪢 Ans Ende vom Seil kommt ein Knoten – immer!
– Unser Experte Stefan, Klettertrainer
Egal welches Seil, welche Länge und welcher Durchmesser: denke IMMER dran, ins Seilende einen Knoten zu machen! Nur so weißt Du im Notfall rechtzeitig, wann das Seil zu Ende ist.

Was bedeutet Einfachseil, Halbseil und Zwillingsseil?

Die UIAA-Norm 101 definiert drei Arten von Kletterseilen, für die unterschiedliche Normwerte gelten: Einfachseile, Halbseile und Zwillingsseile. Dabei ist es durchaus möglich, dass ein Seil mehrfach zertifziert ist und die Anforderungen für mehr als eine Seilart erfüllt.

Das Einfachseil wird, wie der Name vermuten lässt, im Einzelstrang benutzt und ist im Handling am einfachsten. Sein Seildurchmesser hat sich zwischen 8,5 und 10,5 Millimetern eingependelt.

👉 Die volle Auswahl: Entdecke Einfachseile im Bergzeit Shop

Halbseile werden (wie auch Zwillingsseile) im Doppelstrang verwendet. Das bedeutet, dass der Vorsteiger durch zwei dünnere Kletterseile gesichert ist. Zwar sind sie im Handling etwas umständlicher und auch schwerer als Einfachseile. Aber beim Trad-Climbing, Alpinklettern mit mehreren Seillängen und beim Eisklettern haben sie deutliche Vorteile.

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In der Praxis nutzen vor allem erfahrene Kletterer Zwillingsseile. Sie sind noch dünner und leichter als Halbseile und müssen immer zusammen in die Sicherungen eingehängt werden. Klettern in Dreierseilschaften oder die Halbseiltechnik ist mit ihnen nicht möglich. Dafür punkten Zwillingsseile gerade beim Alpin-, Mixed- und Eisklettern mit besserem Handling und geringerem Gewicht.

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Muss mein Seil imprägniert sein?

Der Seilmantel ist häufig mit zusätzlichen Behandlungen versehen. Die Ausrüstung mit Teflonpartikeln etwa hat einen vor Abrieb schützenden Effekt. Ganz ähnlich wirkt die Imprägnierung. Auch sie verhindert, dass Nässe, Schmutz, Staub und feinste Sandkörner in das Innere des Kletterseils eindringen. Die Ausrüstung macht die Seile auch langlebiger. 

Nachteil: Imprägnierte Kletterseile haben aufgrund der Behandlung eine sehr glatte Oberfläche. Deshalb ist gerade am Anfang Vorsicht geboten: Ein neues Seil rutscht leichter durch die Hände und durch das Sicherungsgerät.

Eine Imprägnierung schützt das Seil vor Schmutz und Nässe - und verlängert so seine Lebensdauer.

Bergzeit

Eine Imprägnierung schützt das Seil vor Schmutz und Nässe – und verlängert so seine Lebensdauer.


Einfachseile werden beim Felsklettern selten nass. Eine Imprägnierung ist deshalb hier nicht zwingend notwendig.

Fall Du das Einfachseil fürs Alpinklettern in Kombination mit einem Halbseil verwendet willst, lohnt sich natürlich eine Imprägnierung. Denn Halbseile und Zwillingsseile finden vor allem beim Trad-Climbing, Alpinklettern mit mehreren Seillängen, beim Eisklettern und auf Hochtouren Anwendung. Deshalb solltest Du, nicht nur für den Gebrauch im Eis, sondern auch für einen Regenschauer mitten in der Wand, auf eine gute Imprägnierung des Kletterseils achten.

Was sind statische vs. dynamische Seile?

Neben dynamischen Kletterseilen gibt es auch statische Seile, die für ganz andere Einsatzzwecke entwickelt sind. Ein grundlegendes Verständnis der Unterschiede hilft dabei, ihre jeweiligen Einsatzbereiche und Grenzen richtig einzuordnen.

Dynamische Seile: Sicherheit durch kontrollierte Dehnung

Bei Kletterseilen kommen ausschließlich dynamische Seile zum Einsatz. Denn durch die Dehnung der Polyamidfasern kann das Kletterseil höhere kinetische Sturzenergien aufnehmen. Diesen Dämpfungseffekt kennt jeder, der im Nachstieg die Schlüsselstelle einer Route bewältigt hat, sich zum Rasten ins Seil setzt – und sich dann plötzlich wieder unterhalb der schon überwundenen Passage wiederfindet.

Dabei handelt es sich um die sogenannte statische Dehnung, die acht bis zehn Prozent nicht überschreiten darf. Die dynamische Dehnung (auch Fangstoßdehnung) muss bei einem Sturz laut Norm unter 40 Prozent liegen.

👉 Mehr dazu: Kletterseile FAQs: Infos zu Normsturz, Haltbarkeit, Krangel & Co.

Statische Seile: Fix-, Material und Canyoning-Seile

Statische Seile kommen überall dort zum Einsatz, wo möglichst wenig Seildehnung erwünscht ist, etwa bei Fix- oder Canyoning-Seilen oder in der Berg- und Höhlenrettung.

Statische Seile solltest Du niemals zum Sichern beim Klettern verwenden, weder im Vor- noch im Nachstieg!

Sie werden als Fix- oder Materialseile benutzt.

Podcast-Tipp: Kletterseil-Beratung

Die Auswahl an Kletterseilen ist groß. In dieser Beratungsfolge erklärt Dir unser Kletter-Experte Stefan, wo die Unterschiede liegen, wann Du welchen Seiltyp verwendest und worauf Du beim Kauf achten solltest:

Die volle Auswahl: Hier findest Du alle Kletterseile im Bergzeit Shop.

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