Wenn Du beim Outdoorsport viele Stunden draußen unterwegs bist, ist ein guter Wetterschutz essentiell. Das übernimmt die Außenlage im Lagenkonzept: Deine Regenjacke und Regenhose. Dabei fungiert eine wasserdichte aber atmungsaktive Schicht aus Hardshellmaterial als wetterabweisende Barriere.
Es gibt grundsätzlich zwei verschiedene Arten dieser Barriere, die sich in Ihrer Konstruktion und ihrer Funktion maßgeblich unterscheiden:
Beide Arten der Barriere sind in unterschiedlichem Maß atmungsaktiv und wasserdicht und winddicht. Sie sind also durchlässig für Wasser in Molekülform (Dampf) während flüssiges Wasser (Regentropfen) nicht durchdringt.
Lass uns mit diesen beiden wichtigen Fachbegriffen beginnen, bevor wir in die Funktionalität und Unterschiede einsteigen.
🌬️ Was bedeutet Atmungsaktivität?
Atmungsaktivität beschreibt die Eigenschaft eines Materials, Wasser in Form von Dampf – also in Form von Wassermolekülen – von einer zur anderen Seite zu transferieren. Dies wird begünstigt und ist auch abhängig von einem Gefälle in Temperatur und Luftfeuchtigkeit von der einen zur anderen Seite dieser Barriere: Die Wassermoleküle bewegen sich von der wärmeren und feuchteren Seite zur kälteren und trockeneren Seite.
👉 Mehr dazu: Atmungsaktiv: was heißt das? Alles zu RET und MVTR

💦 Was bedeutet Wasserdichtheit?
Hier geht es um die Wasserundurchlässigkeit in der textilen Fläche. Das Hardshellmaterial soll auch unter dem mit Druck auftreffenden Tropfen eines Starkregens, beim Knien auf nasser Oberfläche oder auch unter der Last von Rucksack-Schulterriemen kein flüssiges Wasser durchlassen. Membrane bieten eine durchaus unterschiedliche Leistung bei der Atmungsaktivität. Eine Wassersäule von 10.000 Millimeter nach dem Teststandard JIS L 1092 B ist ein guter Durchschnitt.
👉 Mehr dazu: Wassersäule: Wann sind Regenjacken & Zelte wasserdicht?
Welche Funktion hat wasserabweisende Ausrüstung?
Eine sehr wichtige Rolle – sowohl für Atmungsaktivität als auch für die Wasserdichtheit – spielt eine wasserabweisende Ausrüstung auf der Außenseite des Materials – eine Imprägnierung. Die wasserabweisende Ausrüstung lässt Regenwasser von der Oberfläche abperlen, sodass der Stoff kein Wasser aufnimmt.

Fam. Hackinger
Atmungsaktivität ist neben der Wasserdichtheit eine Schlüsselfunktion von guter Hardshell-Bekleidung, damit Du nicht ins Schwitzen gerätst.
Falls der Oberstoff durchnässt, ist die Atmungsaktivität stark eingeschränkt. Die Wassermoleküle können nach dem Transport durch die Membran nicht in die Umgebung verdunsten sondern bleiben in Feuchtigkeit zwischen den Fasern des Oberstoffes hängen. Der Abtransport aus dem Inneren kommt zum Erliegen.
👉 Mehr dazu: Was ist eine DWR-Imprägnierung?
Re-imprägniere Deine Regenjacke regelmäßig, um die Atmungsaktivität zu erhalten. Entweder nach jedem Waschen oder – wenn das Bekleidungsstück trotz einigem tragen nicht verschmutzt ist – auch ohne einen Waschvorgang.
👉 Eine Anleitung findest Du im Beitrag Regenjacke imprägnieren: So geht’s mit Spray und Einwaschmittel
Was ist eine Membran?
Eine Membran wird aus verflüssigten Kunststoff-Polymeren hergestellt. Dabei wird in einem Extrusions-Prozess eine hauchdünne Folie gebildet und diese ausgehärtet. Beim Ausgangsmaterial handelt es sich meistens um Polyurethan (PU), aber auch Polyester (PES), Polypropylen (PP), Polyethylen (PE) oder Polytetrafluorethylen (PTFE).
Da für die Herstellung der PTFE-Membran umweltschädliche Fluorcarbone (PFAS) benötigt werden, wird deren Vertrieb in Zukunft eingeschränkt. Seit 2022 setzt PTFE-Platzhirsch Gore-Tex verstärkt auf eine ePE (expandiertes Polyethylen)-Membran als Ersatz für PTFE in Verbrauchertextilien, behält aber PTFE-Membrane für bestimmte Anwendungen bei.
👉 Mehr dazu: PFAS- und PFC-frei: Was bedeutet das bei Outdoor-Produkten?
Welche Unterschiede gibt es bei Membranen?
Es wird unterschieden zwischen mikroporösen und hydrophilen Membranen.
- Bei der mikroporösen Membrane „wandern“ (diffundieren) die Wassermoleküle, entsprechend dem Unterschied in Temperatur und Luftfeuchtigkeit zwischen beiden Seiten, durch die Poren der Membran von einer zur anderen Seite. Diese Poren sind so klein, dass nur Moleküle durchpassen, keine Tropfen.
- Die hydrophile Membrane hat keine Poren. Sie transportiert Wassermoleküle nur durch einen physikalisch-chemischen Prozess. Wie schon ihr Name sagt, ist die hydrophile Membran „wasserfreundlich“: sie nimmt die Wassermoleküle in sich auf und transportiert sie entsprechend dem Gefälle von Temperatur und Luftfeuchtigkeit zu der Seite der Membran, auf der es weniger feucht und weniger warm ist.

Laminate: Wie aus der Membran-Folie ein Stoff entsteht
Eine Membran ist sehr dünn und empfindlich. Um sie zu schützen und in Bekleidung verarbeiten zu können, wird die Membran in einen thermischen Laminationsprozess mit weiteren „Lagen“ dauerhaft verbunden. So entsteht aus mehreren fest miteinander verbundenen Schichten eine wasserdichte, textile Fläche, die je nach Konstruktion aus zwei, zweieinhalb oder drei Lagen besteht.

Bergzeit
Die Außenseite eines Drei-Lagen-Laminats: ein robuster Oberstoff aus Polyamid.

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Auf der Innenseite ist ein feines Netzfutter vollflächig auflaminiert. Die Membran liegt zwischen den beiden Stoffen.
Laminate und Lagen im Überblick
Laminat | Konstruktion | Eigenschaften |
---|---|---|
Zwei-Lagen-Laminat | Die Membran ist mit dem Oberstoff dauerhaft verbunden, das Futter wird separat und frei hängend verarbeitet. | ✅ hoher Tragekomfort ✅ oft preisgünstiger ✅ einarbeiten einer isolierenden Lage möglich (Wintermodelle) ❌ größeres Packmaß ❌ mehr Gewicht |
2,5-Lagen-Laminat | Die Membran ist mit dem Oberstoff dauerhaft verbunden. Auf der Innenseite wird eine feine Beschichtung aufgetragen, welche die Membran schützt. | ✅ geringes Gewicht ✅ hohe Atmungskativität ✅ kleines Packmaß ❌ anfälliger gegenüber Abrieb |
Drei-Lagen-Laminat | Oberstoff, Membran, Futter: die Membran ist dauerhaft mit zwei textilen Schichten verbunden. | ✅ robust ✅ geringes Gewicht ✅ hohe Atmungsaktivität ✅ geringes Packmaß ❌ meist teurer |
Bei einem Zwei-Lagen-Laminat wird meist ein stabiles Polyester- oder Nylon-Gewebe – aufgeklebt. Das Futter wird separat und frei hängend in das Kleidungstück eingearbeitet, was für ein höheres Packmaß des Kleidungsstückes sorgt.

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In Regenbekleidung aus zweilagigen Laminaten ist ein frei hängendes Futter eingearbeitet.

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Blick durch das Netzfutter auf die Membran. Gut zu erkennen: das transparente Nahtband zur Versiegelung der Nähte.
Wenn auch auf der Rückseite der Membran ein Material auflaminiert ist – meistens ein sehr dünner Trikot Stoff, dann handelt es sich um ein Drei-Lagen-Laminat. Der Stoff auf der Innenseite übernimmt die Funktion eines Futters, das die Membran vor Abrieb und Verunreinigung schützt.
Die dritte Variante ist das 2,5-Lagen-Laminat. Wie beim Zwei-Lagen-Laminat wird die Membran mit dem Außenstoff fest verbunden, während auf der Innenseite eine weiche Kunststoff-Beschichtung aufgetragen wird.

Sind alle Drei-Lagen-Laminate gleich?
Nein. Nicht nur die Lagen machen Hardshell-Laminate unterschiedlich. Die in den Lagen verwendeten Material-Komponenten können sehr unterschiedlich sein. Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Membran-Laminate, die zum Teil sehr spezialisierte Eigenschaften aufweisen.
So kann zum Beispiel auch ein Drei-Lagen-Laminat besonders leicht und aktmungsaktiv, dafür aber auch empfindlicher oder weniger Rucksacktauglich sein. Eine andere Stoff-Kombination macht ein dreilagiges Laminat hingegen besonders robust, dafür auch schwerer und vielleicht auch sperriger. Achte bei der Auswahl von Hardshell-Bekleidung auf die Produktbeschreibung. Sie gibt an, für welche Einsätze ein Produkt entwickelt wurde.
Marken- und Eigenmembrane: Was ist der Unterschied?
Im Outdoor Markt bekannte Marken-Membrane sind beispielsweise Gore-Tex, Dermizax oder Sympatex. Je nach Membran-Hersteller ist mit den Marken ein mehr oder weniger aufwändiges Lizenzverfahren verbunden, das die Qualität der Produkte sicherstellen soll und am Preis der Produkte sichtbar wird.
Manche Bekleidungshersteller verarbeiten auch Materialtechnologien einer Eigenmarke. Das sind entweder tatsächlich Eigenentwicklungen oder es sind „fertige“ Materialtechnologien, die eine Bekleidungsmarke unter eigenem Label nutzen darf. Bei der Outdoor-Bekleidungsmarke Jack Wolfskin heißt die Eigenmembran beispielsweise Texapore. Im Hause Vaude heißt die Eigenmembran Ceplex und bei Salewa Powertex.
Worauf kommte es bei guter Membran-Bekleidung an?
Eine Membran alleine macht ein Kleidungsstück noch nicht dicht. Auch die Verarbeitung spielt eine Rolle. Achte bei der Auswahl auf verschweißte Nähte, die mit einem wasserdichten Nahtband vor dem Eindringen von Wasser geschützt sind. Auch Taschen und Applikationen sollten abgedichtet sein. Wasserdichte Reißverschlüsse oder Abdeckleisten tragen ebenfalls dazu bei, dass Du in Deiner Regenkleidung trocken bleibst.

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Nähte sind potenzielle Schwachstellen bei funktionaler Regenbekleidung.

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Wasserdichte Nahtbänder auf der Innenseite versiegeln die Nähte und sind ein Zeichen für eine hochwertige Verarbeitung.
Was ist eine Beschichtung?
Bei einer Beschichtung werden verflüssigte Polymere – meistens Polyurethan – direkt auf die Rückseite einer textilen Fläche aufgetragen. Diese Schicht ist im Vergleich zu einer Membran deutlich dichter und häufig etwas steifer im Griff. Auch beschichtete Materialein haben eine wasserabweisende Ausrüstung auf der Außenseite.

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Friesennerz- oder Matschhosen-Material ist ein klassisches Beispiel für eine Beschichtung. Bei diesem Material wird an der Außenseite des weißen Trägerstoffes ein wasserdichter Polyurethan-Film aufgetragen.
Während eine Beschichtung sehr wasserdicht sein kann, ist sie bei der Atmungsaktivität einer Membran meist weit unterlegen. Daher kommen Beschichtungen hauptsächlich bei preisgünstigerer und weniger technischer Bekleidung – wie zum Beispiel Ponchos – oder bei Accessoires zum Einsatz, bei denen die Atmungsaktivität eine untergeordnete Rolle spielt.
Beschichtungen kommen jedoch häufig bei Rucksäcken und Taschen sowie bei Zelten zum Einsatz, um deren Außenmaterialien wasserdicht auszurüsten.
Besichtungen aus Wachs, Paraffin und Silikon
Neben Polymeren gibt es weitere Beschichtungstechnologien auf Basis anderer wasserabweisender Stoffe. Das sind zum Beispiel Beschichtungen aus Wachs, Paraffin oder Silikon. Die bekannteste Alternative ist Fjällrävens G-1000-Material, welches durch die Behandlung mit einer Mischung aus Bienenwachs und Paraffin wasserabweisend und auch wasserdicht wird.
Friesennerz und Matschhose: dicht dank PU-Beschichtung
Der „Friesennerz“ hatte ursprünglich eine gelbe PVC (Polyvinylchlorid) Beschichtung auf einem Baumwollgewebe, was ihn wind- und wasserdicht machte – jedoch ohne jegliche Atmungsaktivität.
Moderne Varianten sind häufig mit einer Beschichtung aus Polyurethan ausgestattet, die auf einem synthetischen Trägerstoff aufgebracht ist. Dieses unkomplizierte Material bewährt sich auch bei Matsch-Bekleidung für Kinder als wasserdichte und robuste Barriere. Die Atmungsaktivität ist auch hier stark eingeschränkt.
Membrane und Beschichtungen im Vergleich
Hier siehst Du die Vorteile und Nachteile von Membranen und Beschichtungen im Überblick:
Membran | Beschichtung | |
---|---|---|
Vorteile | ✅ hohe, konstante Wasserdichtigkeit ✅ hohe Atmungsaktivität (angenehmes Körperklima auch bei intensiver Aktivität) ✅ gute Langlebigkeit | ✅ preisgünstig |
Nachteile | ❌ pflegeintensiver (Nach-Imprägnieren) ❌ bei unsachgemäßem Waschen und Gebrauch mikroporöser Membrane kann die Atmungsaktivität abnehmen | ❌ eingeschränkt atmungsaktiv ❌ weniger robust und abriebfest, Wasserdichtheit kann abnehmen |
Fazit: Membran oder Beschichtung?
Für die wetterschützende Außenlage beim Berg- und Outdoor-Sport ist ein Laminat mit Membran fraglos die beste Wahl. Es gibt tatsächlich auch nur wenige Alternativen mit Beschichtung im Bereich Bekleidung. Bei Rucksäcken, Taschen und Zelten sind die wasserdichten Außenmaterialien hingegen fast ausnahmslos beschichtet, da Atmungsaktivität bei Ausrüstungsgegenständen keine Rolle spielt.
Für gelegentliche und weniger technische Nutzung und ein kleineres Budget kann eine Jacke mit einfacher Membran ausreichend sein. Bei technischen Sportarten, und wenn Komprimierbarkeit und Packbarkeit wichtig sind, ist ein leichtes Drei-Lagen-Laminat mit einer leistungsfähigen hydrophilen Membran das Nonplusultra.
Mit guter Pflege und regelmäßigen Re-Imprägnieren von Laminaten erhältst Du die Atmungsaktivität und Wasserdichtigkeit auf einem hohen Niveau und auch ein Regenschauer unterwegs kann den Spaß bei Deiner Outdooraktivität nicht trüben.