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Wasserdruck

Wassersäule: Wann sind Jacken & Zelte wasserdicht?

4 Minuten Lesezeit
Die Wassersäule gibt an, wie wasserdicht Regenjacken, Skibekleidung, Zelte und andere Outdoor-Ausrüstung sind. Über ihre Aussagekraft lässt sich jedoch streiten. Wir erklären Dir, was die Wassersäule ist, wie sie gemessen wird und wie Du ihren Wert richtig einschätzt.
Das Wichtigste zur Wassersäule
  • Die Wassersäule ist eine Kennzahl zur Angabe der Wasserdurchlässigkeit eines Materials.
  • Je höher der Wert, desto dichter ist das Material.
  • Angegeben wird der Druck, dem das Material standhalten kann, ehe Wasser durchdringt.
  • 1.000 Millimeter Wassersäule entsprechen einem Druck von etwa 0,1 bar.

Was sagt die Wassersäule aus?

Die Wassersäule ist eine Maßeinheit zur Angabe von Druck. Sie gilt bei wasserdichter Bekleidung und Zelten als Referenz für die Wasserdurchlässigkeit des Materials. Angegeben ist meist ein Wert in Millimetern, zum Beispiel 10.000 Millimeter Wassersäule (10.000 mmWS oder auch 10.000 mmH2O). Je höher der Wert, desto dichter das Material.

Die Wassersäule gibt an, welchem Wasserdruck das Obermaterial einer Regenjacke oder eines Zelts standhalten kann, ehe Wasser durchdringt. Die Angabe bezeichnet den Druck, der vorliegt, wenn die ersten Tropfen durch das Gewebe dringen.

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Die Wassersäule markiert damit die Belastungsgrenze, ab der ein Textil durchlässig wird. 1.000 Millimeter Wassersäule (mmWS) entsprechen dabei etwa dem Druck von 0,1 bar.

Rechenbeispiel: Was bedeutet Wassersäule 3.000 Millimeter?

Eine stehende Person mit 83 Kilogramm Körpergewicht und Schuhgröße 43 erzeugt einen Druck von etwa 0,22 bar. Das entspricht einer Wassersäule von circa 2.200 Millimetern. Kramt diese Person in einem Zelt nun in der Hocke auf ihren Vorfüßen in ihrem Rucksack, steigt der Druck auf den Zeltboden durch die reduzierte Auflagefläche auf 0,4 bar bzw. über 4.000 mmWS. Ein Zeltboden mit nur 3.000 mmWS wäre damit also nicht mehr wasserdicht.

Wer im Zelt kniet, erzeugt durch die geringe Auflagefläche mit seinem Körpergewicht großen Druck auf den Zeltboden.

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Wer im Zelt kniet, erzeugt durch die geringe Auflagefläche mit seinem Körpergewicht großen Druck auf den Zeltboden.


Welche Wassersäule ist wasserdicht?

In Deutschland gilt Bekleidung der Kategorie 3 (hoher Anspruch) ab einer Wassersäule von 1.300 Millimetern als wasserdicht und darf entsprechend gekennzeichnet sein. Für die niedrigere Kategorie 2 genügen sogar 800 mmWS. Dies legt die Europäische Norm EN 343:2003 fest.

Etwas anspruchsvoller ist die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (EMPA) in St. Gallen in der Schweiz: Hier gilt Bekleidung erst ab 4.000 mmWS als dicht.

Welche Wassersäule sollte eine Regenjacke haben?

Bei Regenjacken ist eine Wassersäule von 10.000 Millimetern für die meisten Aktivitäten unter

Bergzeit

Bei Regenjacken ist eine Wassersäule von 10.000 Millimetern für die meisten Aktivitäten unter „normalen“ Bedingungen als Richtwert ausreichend.


Im Outdoorbereich hat sich bei zuverlässigen Regenjacken zum Laufen, Radfahren und Wandern eine Wassersäule von 10.000 Millimetern als Richtwert durchgesetzt. Dieser Wert berücksichtigt auch die besonderen Herausforderungen durch Wind, Bewegung und Dauerbelastung und ist unter normalen Bedingungen in jedem Fall ausreichend.

Für gehobene Ansprüche, Touren mit schwerem Gepäck und fordernde Bedingungen bieten Hardshelljacken mit einer Wassersäule von 20.000 Millimetern die nötigen Reserven.

Welche Wassersäule sollte ein Zelt haben?

Insbesondere der Zeltboden muss an einem Regentag einiges aushalten – Du erinnerst Dich an das obenstehende Rechenbeispiel zur Wassersäule.

Für dauerhaft zuverlässige Zeltböden empfehlen wir Dir daher mindestens 5.000 mmWS. Dass diese – insbesondere bei ultraleichten Zelten – oft nur bei 3.000 Millimetern liegt, geht auf Kosten eines Kompromisses aus Leistung und Minimalgewicht.

Liegen, sitzen, knien: Der Zeltboden ist besonders gefordert. 5.000 Millimeter Wassersäule sind daher empfehlenswert. Um Gewicht zu sparen, machen Ultralight-Zelte hier häufig Abstriche.

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Liegen, sitzen, knien: Der Zeltboden ist besonders gefordert. 5.000 Millimeter Wassersäule sind daher empfehlenswert. Um Gewicht zu sparen, machen Ultralight-Zelte hier häufig Abstriche.


Für das Außenzelt sind mindestens 3.000 mmWS in der Regel auch bei Wind und Dauerregen ausreichend.

Tabelle: Wie hoch soll die Wassersäule sein bei …

ProduktgruppeEmpfehlung Wassersäule
Zeltbodenab 5.000 Millimeter
Außenzeltab 3.000 Millimeter
Regenjackenab 10.000 Millimeter
Winterjacken (Alltag)ab 5.000 Millimeter
Skihosenab 15.000 Millimeter
Regenhosenab 15.000 Millimeter
Snowboardhosenab 15.000 Millimeter
Schneeanzug, Skibekleidung für Kinderab 4.000 Millimeter
Regenbekleidung für Kinder, Kinderbekleidungab 4.000 Millimeter

Wassersäule und Atmungsaktivität: Wie verhält sich das?

Sehr vereinfacht lässt sich sagen: Je wasserdichter ein Stoff, desto weniger dampfdurchlässig ist er. Das bedeutet: Mit dem Anstieg der Wassersäule verringert sich die Atmungsaktivität. Die Feuchtigkeit aus dem Inneren einer Regenjacke wird schlechter nach außen abgegeben als beispielsweise bei einer wasserdurchlässigen Fleecejacke.

Wie wird die Wassersäule bei Textilien gemessen?

Um die Wassersäule zu messen, gibt es unterschiedliche Normen und Standards. Beispielsweise die internationale ISO 811 (auch DIN EN 20811:1992) oder den AATCC-Standard 127 aus den USA. Das Prinzip der Tests ist ähnlich: In einem hydrostatischen Wasserdruckversuch wie dem Suter-Test wird die Außenseite des Stoffes im Labor Wasser ausgesetzt.

Zunächst ohne Druck, im weiteren Verlauf steigt der Wasserdruck schrittweise um – abhängig von der jeweiligen Norm – 100 bis 600 mmWS an. Die Prüfung endet, wenn der dritte Tropfen auf der Innenseite des getesteten Materials zu sehen ist. Anhand der bis dahin abgelaufenen Zeit bzw. des herrschenden Druckes berechnet sich in Folge die Wassersäule.

Video: Wie ermittelt Gore die Wassersäule einer Jacke?

Aussagekraft: die Wassersäule in der Kritik

Die Bedeutung und Aussagekraft der Wassersäule wird vom Endverbraucher oftmals überbewertet, denn: Für die Bestimmung der Wassersäule textiler Materialien gibt es verschiedene Normen, Messverfahren und Testmethoden. Auch die Laborbedingungen sind nicht überall gleich. Die Werte sind daher grundsätzlich nicht ohne Weiteres vergleichbar.

Nicht jeder Hersteller kennzeichnet mit seine Angaben immer auf das oberste Limit. Manche Hersteller testen nur, ob ihre Produkte die gewünschten Minimalanfordungen für den angestrebten Einsatzbereich erfüllen.

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Zusätzlich entscheidet neben der Wassersäule auch die Konstruktion über „dicht“ oder „undicht“. Ein Stoff mit hoher Wassersäule bringt wenig, wenn nicht auch die Nähte des Kleidungsstückes mit wasserdichten Nahtbändern versiegelt sind oder wenn der Reißverschluss einer Regenjacke das Wasser nach innen leitet. Daher solltest Du bei der Suche nach verlässlicher Regenbekleidung immer auch auf eine insgesamt hochwertige Verarbeitung achten.

Die Wassersäule ist daher ein Richtwert, um einzuschätzen, welchen Belastungen die Regenjacke oder das Zelt gewachsen ist.

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