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Frühjahrestrekking am Mittelmeer

Wandern auf dem GR221: Die Ruta de Pedra en Sec auf Mallorca

8 Minuten Lesezeit
Die 150 Kilometer lange Ruta de Pedra en Sec - auch bekannt als GR221 - ist einer der schönsten Wanderwege auf Mallorca. Bergzeit-Trekkingexperte Sebastian stellt die vier reizvollsten Etappen des "Trockenmauerwegs" über die Serra de Tramuntana vor.
Blick über den Weitwanderweg GR221 Richtung Valldemossa - das Ziel unserer viertägigen Wanderung auf Mallorca. | Foto: Sebastian Krejci
Blick über den Weitwanderweg GR221 Richtung Valldemossa – das Ziel unserer viertägigen Wanderung auf Mallorca. | Foto: Sebastian Krejci

Wer sehnt sich mit dem ausklingenden Winter nicht nach etwas Wärme, Sonne und frischem Grün? Wem dies bei uns noch zu lange dauert, der fährt einfach der Sonne entgegen, zu einem für viele eher unbekannten Trekking-Ziel: Mallorca. Auch ich brachte die Mittelmeerinsel eher mit Party- und Badespaß und zubetonierten Hotelpromenaden in Verbindung als mit einem Wanderurlaub – doch ich wurde schließlich eines besseren belehrt. Möchte man Mallorca für einen ausgedehnten Trekkingurlaub nutzen, bietet sich eine längere Tour auf dem Weitwanderweg GR221 an. Die sogenannte Ruta de Pedra en Sec – was auf katalanisch so viel wie „Trockenmauerweg“ bedeutet – ist rund 150 Kilometer lang und führt in acht Tagesetappen von Port d’Andratx im Süden über den Gebirgszug der Serra de Tramuntana bis nach Pollença im Norden der Insel.

Auf den schönsten Etappen des GR221

Gleich am ersten Tag gibt es mit dem Aufstieg zum Puig d'en Galileu (1.1.95 Meter) ein erstes Highlight auf der Durchquerung des Tramuntana-Massivs. | Foto: Sebastian Krejci
Gleich am ersten Tag gibt es mit dem Aufstieg zum Puig d’en Galileu (1.1.95 Meter) ein Highlight auf der Durchquerung des Tramuntana-Massivs. | Foto: Sebastian Krejci

Mitte März hält der Frühling auf der Insel bereits Einzug und wir werden mit angenehmen Temperaturen empfangen. Da wir nur eine Woche Zeit hatten und uns die Zeit fehlte, die gesamte Strecke an einem Stück zu gehen, haben wir uns die, wie wir meinen, schönsten Etappen herausgesucht. Dadurch decken sich die Start- und Zielpunkte nicht exakt mit den Angaben in anderen Tourenportalen. Außerdem waren zur Zeit der Trekkingtour die Beschilderung des GR221 und auch die Hüttenstruktur noch im Aufbau.

Nach der kostengünstigen Anreise per Bahn von Palma nach Inca und weiter nach Luc starteten wir unsere viertägige Tour im Norden am Kloster Lluc, in welchem wir für eine Nacht ein Klosterzimmer beziehen. Obwohl wir die komplette Trekkingausrüstung dabei haben und am Kloster ein Campingplatz existiert, sind wir einem warmen Zimmer nicht abgeneigt, zumal dieses auch noch bezahlbar ist…

Tag 1: Von Lluc zum Cúber-Stausee – über die Gipfel der Serra de Tramuntana

Abstieg durch die Schlucht Barrancs de Biniaraix in das Orangental von Sóller. | Foto: Sebastian Krejci
Abstieg durch die Schlucht Barrancs de Biniaraix in das Orangental von Sóller. | Foto: Sebastian Krejci

Am nächsten Tag empfängt uns bestes Wetter. Vor uns liegt die Etappe von Lluc zum Cúber-Stausee. Bei vollem Sonnenschein, aber mit am Morgen doch recht frischen Temperaturen um zehn Grad Celsius, geht es vorbei an alten Olivenhainen. Schnell gewinnt der Weg an Höhe. Gut so, müssen wir doch heute etwa 1.000 Höhenmeter schaffen. Die Olivenhaine weichen bald den für Mallorca typischen Steineichenwäldern. Auf dem 1.195 Meter hohen Puig d’en Galileu haben wir die erste hervorragende Aussicht auf das vor uns liegende Gebirge und das azurblaue Meer – einfach traumhaft. Weiter führt uns der Weg über Altschneefelder, vorbei an Schneehäusern (Cases de Neu) – tiefen, mit Steinen ausgekleideten Gruben, in welchen man im Winter Schnee für den Sommer konservierte.

Wir steigen ab Richtung Cúber-Stausee. Unterwegs decken wir uns an einer Quelle mit frischem Wasser ein. Das Kalkgebirge bietet dem Wanderer nur wenige Möglichkeiten, Wasser an Quellen nachzutanken. Sich im Vorfeld über die möglichen Wasserstellen auf der Ruta de Pedra en Sec zu informieren, ist also ein Muss.

Am Ufer des Cúber-Stausees verbringen wir eine Nacht im Zelt zwischen Steineichen und den überall auf der Insel vorkommenden Schafen. Gegen Morgen wird es mit Temperaturen von gerade einmal vier Grad doch recht frisch, was meinen ultraleichten Schlafsack und die Neo Air Isomatte fast an ihre Grenzen bringt.

Tag 2: Vom Cúber-Stausee nach Sóller – durch Olivenhaine und tiefe Schluchten

Warum die Tour auch als „Ruta de Pedra en Sec“ oder Trockenmauer-Route bekannt ist, wird uns spätestens auf unserer zweiten Etappe vom Cúber-Stausee nach Sóller bewusst. Man trifft praktisch im gesamten Gebirge auf terrassierte Hänge, auf welchen noch bis in den letzten Winkel Olivenbäume kultiviert werden. Eine wie ich finde enorme Leistung, dem kargen steinigen Boden noch die letzten Erträge abzuringen. Besonders eindrucksvoll ist der in ewigen Serpentinen verlaufende, gepflasterte Abstieg durch das Barrancs de Biniaraix in das Orangental von Sóller.

In Sóller angekommen, stärken wir uns erst einmal mit frischen Früchten und leckerem mallorquinischem Gebäck. Unser Quartier, eine Pension namens Casa Margarita, finden wir in einer der engen Gassen in einem typischem Stadthaus.

Tag 3: Von Sóller nach Deià – Obstbäume und Meerblicke

Die dritte Etappe nach Deià verläuft zwar recht unspektakulär ohne hohe Gipfel oder tiefe Schluchten, dafür durch liebliche Orangen- und Zitronenplantagen mit Unmengen an Früchten. Immer wieder müssen wir Zäune überklettern oder Gatter schließen. Kein Wunder, verläuft doch ein Großteil des GR221 über Privatgrund. Obwohl die mallorquinische Verwaltung den Weitwanderweg deutlich ausbaut, ausschildert und bewirbt, gibt es von Seiten der Landbesitzer offenbar etwas Widerstand.

Der Weg zieht sich etwas oberhalb der Küste durch Kiefernwälder und bietet immer wieder grandiose Aussichten auf die steinige Westküste Mallorcas. Rechts schnell erreichen wir Deià, eines der wohl hübschesten Dörfer der Baleareninsel. Enge Gassen, Treppen und die interessante Bauweise laden zur Erkundung ein. Irgendwann werden die Rucksäcke doch zu schwer und wir stärken uns bei frisch gepresstem Orangensaft und Pasta.

Auch in Deià gibt es eines der am GR221 neu eingerichteten Refugis, Unterkünfte ähnlich den aus den Alpen bekannten Berghütten. Da wir keine Lust auf Bettenlager haben – die Reservierung ist zudem recht kompliziert -, gönnen wir uns eine Nacht im sehr zu empfehlenden Hotel d’es Puig.

Tag 4: Von Deià nach Valldemossa – noch ein Gipfel zum Schluss

Zelten am Cúber-Stausee: Eine Übernachtung im Zelt ist am GR221 aufgrund der Wasserversorgung und des vielen Privatgrunds nicht überall möglich. | Foto: Sebastian Krejci
Zelten am Cúber-Stausee: Eine Übernachtung im Zelt ist am GR221 aufgrund der Wasserversorgung und des vielen Privatgrunds nicht überall möglich. | Foto: Sebastian Krejci

Unser vierter und letzter Tag auf dem GR221 nach Valldemossa hat es landschaftlich und streckentechnisch noch einmal in sich. Mit etwas Mühe finden wir hinter Deià den Einstieg zum Aufstieg in Richtung Puig de Teix (1.064 Meter). Zum Glück nordseitig, tragen uns unsere Trekkingstiefel wieder durch Steineichenwälder und über verwilderte Olivenhaine bergauf. Unterwegs stoßen wir erneut auf die überall vorkommenden Köhlerplätze und die dazugehörigen Unterkünfte. Wir entdecken in den Berg getriebene Stollen, welche zum Wassersammeln dienen, und können uns kaum an den Blicken auf das Meer sattsehen, die sich immer wieder bieten. Auf dem Gipfel angekommen ist es leider auch vorbei mit der Einsamkeit. Mit dem Abstieg nach Valldemossa beenden wir unsere sehr eindrucksvolle Vier-Tages-Trekkingtour auf der Ruta de Pedra en Sec.

Nach einer besonderen Nacht im Kloster, einer Nacht im Zelt sowie je einer Nacht in Pension und Hotel, erreichten wir unseren Endpunkt Valdemossa. Anschließend fuhren wir per Bus nach Port de Soller und es folgten während der Zeit des restlichen Aufenthalts einige Tagesausflüge. Zurück nach Palma ging es schließlich mit der historischen Bahn.

Fazit zum Wandern auf Mallorca

Nach vier Tagen, etwa 50 Kilometern und knapp 2.600 Höhenmetern muss ich meine Meinung revidieren. Statt Bettenburgen finden sich auf der Ruta de Pedra en Sec nur wunderschöne Landschaften, viel mediterrane Natur und ursprüngliche Dörfer und Städte. Für einen Trekking-light-Urlaub auf der Suche nach Sonne ist Mallorca genau das Richtige!

Panorama am Puig d'en Galileu (1.181 Meter) auf der Ruta de Pedra en Sec. | Foto: Sebastian Krejci
Panorama am Puig d’en Galileu (1.181 Meter) auf der Ruta de Pedra en Sec. | Foto: Sebastian Krejci

Infos zum Wandern auf dem GR221 (Ruta de Pedra en Sec):

In der Serra de Tramuntana trifft man auf die bekannten Schneehäuser, in denen der Schnee für den Sommer konserviert wurde.
In der Serra de Tramuntana trifft man auf die bekannten Schneehäuser, in denen der Schnee für den Sommer konserviert wurde.
  • Beste Reisezeit zum Wandern auf Mallorca ist Frühjahr und Herbst. Den Sommer sollte man sich aufgrund der Hitze ersparen.
  • Übernachtung und Verpflegung: Der Weg ist sehr gut als Hüttentour machbar. Die Berghütten sind alle erst in den letzten Jahren errichtet bzw. renoviert worden. Die Preise sind sehr moderat, die Anmeldung und Reservierung allerdings etwas umständlich. Eine gute Quelle für Informationen, Reservierungsmöglichkeiten der Hütten und Etappenbeschreibungen bietet die noch im Aufbau befindliche Seite www.conselldemallorca.net. Zelten ist auf der Ruta de Pedra en Sec zwar nicht unmöglich, ist aber aufgrund der mangelnden Wasserversorgung und insbesondere des vielen Privatbesitzes mit gewissen Hürden verbunden. Man sollte sich vorher über die Möglichkeiten zum Wasserauffüllen informieren.
  • Als Wanderkarten sind die beiden Karten „Mallorca- Serra de Tramuntana Nord“ und „Mallorca- Serra de Tramuntana Süd“ absolut zu empfehlen. Ein GPS- Gerät ist mit entsprechendem Kartenmaterial nicht verkehrt, aber kein Muss, da der Weg auf den hier beschriebenen Etappen hervorragend mit Schildern und Wegweisern markiert ist.

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