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Kopfschutz in jeder Situation

Die MIPS-Technologie – so funktioniert der Kopfschutz

4 Minuten Lesezeit
MIPS hat mit seiner durchdachten Kopfschutz-Technologie den Markt für Fahrrad-, Ski- und sogar Kletterhelme revolutioniert. Doch was bedeutet MIPS? Was steckt hinter der Technologie und wo wird sie verbaut? Hier erklären wir, wie genau MIPS funktioniert.

Vor einigen Jahren tauchten sie das erste Mal auf der ISPO auf – inzwischen gehören MIPS-Helme zum guten Ton in allen Bereichen der Outdoorindustrie. Doch wie funktioniert eigentlich die MIPS-Technologie in Ski- und Fahrradhelmen?

Was ist die MIPS-Technologie?

MIPS – das steht für Multi-Directional Impact Protection System. Das von schwedischen Medizinern und Ingenieuren ersonnene System wurde konstruiert, um auch dann Schutz zu bieten, wenn das menschliche Gehirn bei einem Schrägaufprall (= multi-directional impactstarken Rotationsbewegungen ausgesetzt wird.

Helme ohne MIPS-Technologie bieten zwar auch Schutz – allerdings nur bei linearen Aufprallszenarien, also wenn der Kopf nicht schräg, sondern gerade auf einen Gegenstand/Untergrund auftrifft – was in der Praxis vernachlässigbar selten vorkommt.

Laut MIPS steigt jedoch speziell bei schrägen Aufprallszenarien die Gefahr, dass die körpereigenen Schutzmechanismen für das Gehirn versagen. Hirnschäden oder umfangreichere Kopfverletzungen können die Folge sein.

MIPS sorgt dafür, dass die Rotationskräfte bei einem derartigen Schrägaufprall abgefangen bzw. absorbiert werden und damit die Verletzungsgefahr für das Gehirn sinkt.

Dazu besteht das System aus einer reibungsarmen Kunststoffschale, die über dehnbare Halterungen schwimmend in der EPS-Schale des Helms angebracht wird. Bei einem Sturz soll sie sich gegen die Helmschale verschieben und die Rotationsenergie auffangen bzw. vermindern.

Die MIPS-Technologie hat den Helmmarkt revolutioniert. | Foto: MIPS/Jonas Kullman

MIPS/Jonas Kullmann

Die MIPS-Technologie hat den Helmmarkt revolutioniert. | Foto: MIPS/Jonas Kullman


Die MIPS-Technologie hat den Helmmarkt revolutioniert. | Foto: MIPS/Jonas Kullman

MIPS/Jonas Kullmann

Geschafft hat sie das, indem sie Rotationskräfte bei einem Sturz auf den Kopf abfängt. | Foto: MIPS/Jonas Kullman


Was bedeutet Rotationskraft in diesem Fall?

In den seltensten Fällen stürzen Rad- oder Skifahrer senkrecht auf den Boden wie ein Stein, den man aus der Hand fallen lässt. Speziell beim Outdoorsport vollführt der Sportler während des Sturzes oft eine Rotationsbewegung – zum Beispiel, wenn er sich beim Stürzen noch vom Rad abstößt oder ihn beim Skifahren Bodenwellen aushebeln und er schräg auf dem Boden aufkommt.

Die dabei auf den Kopf einwirkenden Kräfte soll MIPS abfangen bzw. vermeiden, damit sie keine Verletzungen an Kopf und Gehirn verursachen.

Wo kommt die MIPS-Technologie zum Einsatz?

Tauchte die Technologie anfangs nur selten auf, ist MIPS inzwischen ein Qualitätsmerkmal für Ski- und Bikehelme geworden und wird von der schwedischen MIPS AB auch entsprechend vermarktet. Mammut hat 2018 den ersten MIPS-Kletterhelm auf den Markt gebracht – ein neuer, zukunftsträchtiger Sektor. Die Liste der Hersteller, die bei ihren Helmen auf MIPS setzen, ist groß: Giro, Endura, Sweet Protection, die Helm-Hersteller uvex oder Scott.

Die US-Amerikaner von Giro bieten außerdem eine Besonderheit. Ihr Modell Aether hat eine komplett neue MIPS-Technologie: MIPS Spherical. Im Prinzip besteht der Helm aus zwei Schalen, die gegeneinander beweglich sind.

Bei allen dynamischen Sportarten, wie z.B. dem Skifahren und Freeriden, bietet die MIPS-Technologie zusätzlichen Schutz vor den auftretenden Rotationskräften.

Auch Mountainbiker oder Rennradfahrer sind bei Stürzen Rotationskräften ausgesetzt. Deswegen setzen Hersteller vermehrt bei Fahrradhelmen auf MIPS.

Kritik an der MIPS-Technologie

Der Fairness halber sollte erwähnt werden: Der Hersteller selbst untermauert zwar die Wirkungsweise von MIPS mit eigenen Studien – es gibt jedoch kaum unabhängige Studien und Beweise, die die Wirksamkeit der MIPS-Technologie und die vom Hersteller zitierten Ergebnisse bestätigen – so zumindest die Kritik von MIPS-Skeptikern.

Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) kommt zu dem Schluss, dass Helme mit MIPS bei „Rotationsbeschleunigungen Belastungen auf das Hirn gemindert werden kann“ (Quelle) – was bei Helmen der herkömmlichen Norm nur bedingt gesichert ist.

MIPS/Jonas Kullmann

Die wichtigsten Fragen und Antworten zur MIPS-Technologie

1. Was ist MIPS?

MIPS ist ein Sicherheitssystem, das das Verletzungsrisiko beim Sturz mit einem Helm weiter minimieren soll.

2. Wird die MIPS-Technologie nur von einem bestimmten Hersteller verbaut?

Nein, MIPS wurde von einem Team aus medizinischen Fachleuten sowie Technikern entwickelt und ist nach wie vor ein eigenständiges Unternehmen. Verbaut wird es von den verschiedensten Herstellern.

3. In welchen Helmtypen kommt MIPS zum Einsatz?

Im Outdoorsportbereich wird MIPS in Fahrradhelmen und Skihelmen verbaut – also speziell dort, wo starke Rotationskräfte auf den Kopf einwirken können. Mammut hat 2018 den ersten Kletterhelm mit MIPS-Technologie herausgebracht. Doch auch im Reitsport, beim Motorradsport, im Automobilrennsport, Eishockey, Fußball und im Militärbereich kommt MIPS zum Einsatz.

4. Welche Vorteile hat ein MIPS-Helm gegenüber einem herkömmlichen Helm?

Die MIPS-Technologie schützt speziell vor Verletzungen, die durch Rotations-Aufprallszenarien verursacht werden. Herkömmliche Helme ohne MIPS können diese Art Schutz nicht gewährleisten, denn sie wurden nur unter Berücksichtigung linearer Aufprallszenarien konzipiert.

5. Wiegt ein MIPS-Helm mehr als ein herkömmlicher Helm?

Die MIPS-Zwischenschicht verursacht je nach Helmmodell ein Mehrgewicht zwischen 25 und 45 Gramm.

6. Kostet ein Helm mit MIPS-Technologie mehr als ein herkömmlicher Helm?

War der Preisunterschied zu herkömmlichen Helmen bei der Einführung von MIPS noch relativ hoch, sind MIPS-Helme inzwischen auch schon in der 100 Euro-Klasse zu finden.

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