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Nachts im Schnee

Winterbiwak: Tipps zu Ausrüstung, Schlafplatz & Schutzzonen

7 Minuten Lesezeit
Winterbiwak: Das klingt nach Abenteuer, sollte aber nicht unterschätzt werden, wie Bergzeit Experte Franz weiß. Was Du hinsichtlich Schutzzonen, Sicherheit, Schlafplatz und Ausrüstung beachten solltest, hat er Dir hier zusammengestellt.

Wenn sich die Wintersonne langsam hinter den Horizont senkt und die Temperaturen schnell fallen, flüchten die meisten Bergsportler vor das prasselnde Kaminfeuer einer wohlig warmen Berghütte. Doch was tun, wenn keine Hütte weit und breit zu sehen ist und Du es nicht mehr rechtzeitig ins Tal hinunter geschafft hast? Dann steht Dir eine bitterkalte Nacht an der frischen Luft bevor. Die gute Nachricht: Auch wenn Du kein Polarforscher bist, kannst Du ein solches (Not-)Winterbiwak überleben. Um nicht als zweiter Ötzi in die Geschichte einzugehen, solltest Du jedoch folgend Tipps beherzigen.

1. Das Wichtigste: Schutzzonen respektieren und Tiere nicht stören!

Tiere schlafen im Winter keineswegs so fest, wie es uns manche Kinderbücher erklären. Wer sie in der Nacht aufschreckt, riskiert, dass sie nicht mehr genug Energie haben, um über den Winter zu kommen. Ein Winterbiwak ist deshalb nichts für Romantiker, die sich einfach nur nach ein bisschen Abenteuer sehnen! Biwakiere nur im Notfall, wenn Du zum Beispiel nicht mehr rechtzeitig eine Hütte erreichst oder das Wetter plötzlich umschlägt! Beachte die Schutzzonen und nimm Rücksicht auf die sensible Tier- und Pflanzenwelt. Verhalte Dich leise und gehe sparsam mit dem Licht um.

Besonders im Winter ist es wichtig, dass Wildtiere einen Rückzugsraum haben, um Energie zu sparen und die kalte Jahreszeit zu überleben.  Das gilt unter anderem für die vom Aussterben bedrohten Raufußhühnern. Ein Winterbiwak ist deshalb nur etwas für Notfälle und kein romantisches Abenteuer!

Gebietsbetreuung Mangfallgebirge | Florian Bossert

Besonders im Winter ist es wichtig, dass Wildtiere einen Rückzugsraum haben, um Energie zu sparen und die kalte Jahreszeit zu überleben. Das gilt unter anderem für die vom Aussterben bedrohten Raufußhühnern. Ein Winterbiwak ist deshalb nur etwas für Notfälle und kein romantisches Abenteuer!


Schutzzonen im Winter: Darauf solltest Du achten!

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2. Grundausrüstung fürs Winterbiwak

Wenn Du im Winter eine lange Bergtour im alpinen Gelände unternimmst, solltest Du für den Notfall vorbereitet sein. Dazu zählt auch, dass Du Ausrüstung dabei hast, um ein mögliches Winterbiwak zu überleben. Das Wichtigste dabei: Der Schlafsack. Seine Komforttemperatur sollte den erwarteten Nachttemperaturen entsprechen. Die Füllung der Wahl heißt Daune – ein Kunstfaserschlafsack im vergleichbaren Temperaturbereich ist viel größer und schwerer. Allerdings: Gute Daunenschlafsäcke sind nicht gerade billig, aber sie leisten schließlich nicht nur beim Notbiwak, sondern auch beim Wintercamping gute Dienste.

Wer nicht gleich Geld für ein neues Wintermodell ausgeben möchte, kann seinen Drei-Jahreszeiten-Schlafsack auch etwas pimpen, zum Beispiel mit einem Inlet oder einem Biwaksack. Beide fügen der Komforttemperatur jeweils etwa fünf Grad hinzu. Auch mehrere trockene(!) Kleidungsschichten spenden zusätzliche Wärme. Hier lautet das Motto: Viel hilft zwar viel, zu viel sollte es aber auch nicht sein, da sonst die Wärmerückhaltung des Schlafsacks nur eingeschränkt funktioniert. Bei richtig guten Daunenschlafsäcken mit einem Komfortbereich zwischen -15 und -20 °C reicht es beispielsweise aus, lange Unterwäsche mit einem Midlayer zu kombinieren und so in den Schlafsack zu schlüpfen.

Ebenfalls unerlässlich: Eine wintertaugliche Unterlage. Als ideal erweisen sich aufblasbare Isomatten mit einem R-Wert höher als vier. Der R-Wert entspricht der Dämmwirkung der Matte. Regel: Je höher, desto wärmer. Die Isolationswirkung der gesamten Unterlage kann man etwas steigern, in dem man Jacken, ein Seil oder eine Plane unterlegt.

3. Einen geeigneten Schlafplatz finden

Den geringsten Schutz vor den Elementen bietet ein Biwak unter freiem Himmel. Für eine halbwegs geruhsame Nacht im Winter trampelt man zunächst mit seinen Ski den Schnee fest und schützt den Platz mit Mauern vor dem Wind. Ein atmungsaktiver Biwaksack gehört hier zum Standard. Eine Bodenplane hält Nässe fern.

Komfortabler geht es in einem Iglu oder einer Schneehöhle zu: Das weiße Gold ist ein hervorragender Isolator und schützt vor Wind und Wetter. Für welches Haus man sich entscheidet, hängt natürlich von der Beschaffenheit und Menge des Schnees, dem Gelände und Deiner Verfassung ab. Gerade im alpinen Bereich hat sich im Notfall eine Schneehöhle durchgesetzt, da sie viel schneller und leichter zu graben ist.

Beim Winterbiwak gibt es einiges zu beachten: Nicht nur beim Bauen, sondern auch hinsichtlich Schutzzonen.

Franz Grüntner

Beim Winterbiwak gibt es einiges zu beachten: Nicht nur beim Bauen, sondern auch hinsichtlich Schutzzonen.


Bei Bau und Nutzung der Winterbiwak-Unterkunft solltest Du außerdem diese fünf Tipps beachten:

  • Kälte nach draußen lassen: Der Eingang einer Schneehöhle liegt im Idealfall unterhalb des Schlafplatzes, so kann kalte Luft „abfließen“. In einem Iglu schaufelt man einen kleinen Graben, in dem sich die Kälte sammelt.
  • Für Belüftung sorgen: Ein paar kleine Löchlein im Dach sind nicht genug: Sie werden zu schnell zugeweht. Besser man lässt den Eingang etwas offen. Bei schlechtem Wetter muss er mehrmals pro Nacht freigeschaufelt werden: Ganz ohne Luftzufuhr droht man zu ersticken!
  • Handschuhe verwenden: Wer mit metallischen Gegenständen (Sonde, Schaufel) hantiert, sollte immer trockene, warme Skihandschuhe anziehen: Zu schnell holt man sich Erfrierungen an den Händen – und zu leicht übersieht man die Warnsignale.
  • Nicht schwitzen: Wer sich wie ein Maulwurf auf Speed in den Schnee fräst, ist zwar schneller fertig, dafür aber auch total durchnässt. Die Probleme: Nasse Klamotten und Schuhe kühlen den Körper sehr schnell aus und die Ausrüstung trocknet über Nacht in der Regel nicht.
  • Draußen kochen: Nicht nur, dass eine ordentliche Nudelsuppe ein Schneehaus schnell in eine Tropfsteinhöhle verwandelt, beim Kochen entstehen auch Kohlenstoffmono- und dioxid, die sich leicht in der Höhle sammeln können.

Bei einer Bergtour im Winter ist es wichtig, sich frühzeitig um einen Schlafplatz zu kümmern. Spätestens wenn die Dämmerung bereits einsetzt und eine Hütte immer noch nicht in Sichtweite ist, solltest Du Dich um einen geeigneten Platz für das winterliche Biwak kümmern. biwak viel früher als im Sommer – nämlich weit vor der Dämmerung. So hast Du auch noch genug Sicht, um die Hänge oberhalb des Lagers auf eine mögliche Lawinengefahr zu prüfen: Die weißen Biester treibt es schließlich auch nachts Richtung Tal.

4. Tipps für eine stille Winternacht

Ist ein geeigneter Schlafplatz hergerichtet, der Magen angenehm gefüllt, ist es Zeit sich in den Schlafsack zu verkriechen!

  • Biwak-Profis zweigen bereits beim Kochen etwas heißes Wasser ab und füllen es in ihre Trinkflasche. Diese kommt in den Schlafsack und wärmt ihn etwas vor. Der zweite Nutzen: Am Morgen hat man gleich etwas zu trinken.
  • Wer an den Atemwegen empfindlich ist, bindet sich einen Schal oder Buff um den Hals – das schützt vor Halsschmerzen und Husten. Und auch eine Mütze ist beim Schlafen Pflicht: Immerhin verliert der Körper über den Kopf die meiste Wärme.
  • Übrigens: Schlafsäcke sind vorne oft stärker gefüllt als hinten. Wer sich nur im Schlafsack bewegt, hat mit der ungleich verteilten Daune keine Probleme. Sobald man sich aber mit dem gesamten Schlafsack auf die Seite dreht, liegt die weniger stark gefüllte Seite plötzlich frei – und am Rücken wird es kalt.
Elektronik bewahrt man am besten im Schlafsack auf, sonst ist der Akku am nächsten Morgen runter.

Franz Güntner

Elektronik bewahrt man am besten im Schlafsack auf, sonst ist der Akku am nächsten Morgen runter.


Mütze an und Kapuze schließen: Die meiste Wärme verliert man über den Kopf. (Hinweis: Die gesetzlichen Rahmenbedingungen wurden für diese Fotos eingehalten.)

Franz Güntner

Mütze an und Kapuze schließen: Die meiste Wärme verliert man über den Kopf. (Hinweis: Die gesetzlichen Rahmenbedingungen wurden für diese Fotos eingehalten.)


5. Winterbiwak – Do’s and Don’ts

  • Don’t: Helles Licht & Lautstärke. Wir Menschen sind in der Natur nur zu Gast – das gilt besonders in winterlichen Nächten. Respektiere Schutzzonen, halte Dich an die gesetzlichen Bestimmungen und versuche die Tiere, so wenig wie möglich zu stören. Dazu gehört: Die Stirnlampe nicht zu hell einstellen und sich ruhig verhalten.
  • Don’t: Elektronik draußen liegen lassen. Wer am nächsten Tag auch noch gerne seine Digicam und sein Smartphone benutzen möchte, sollte zumindest die Akkus mit in den Schlafsack nehmen.
  • Don’t: Trockenen Schnee schmelzen. Das dauert länger und beschädigt unter Umständen den Topf. Besser: Etwas Wasser zum Schnee hinzugeben, das verbessert den Kontaktschluss zwischen kaltem Schnee und heißem Topf.
  • Don’t: Gaskartusche in den Schnee stellen. Gerade im Winter funktionieren viele Gaskocher nicht mehr richtig, da das Butan-Propan-Gemisch zu kalt ist. Trick: Die Kartusche mit einem kleinen Ständer aus dem Schnee befördern oder etwas unterlegen. Winterfester sind Gaskocher mit Gasleitung und Heizspirale wie der Optimus Gravity – hier kann man die Kartusche mit Kleidung isolieren.
  • Do: Auf das Team achten. Bei tiefen Temperaturen zu biwakieren ist bei allem Abenteuer auch ein ernstes Unterfangen. Achtet aufeinander!
  • Do: Müll mitnehmen. Hinterlasse bei Deinem nächtlichen Schlafplatz so wenig Spuren wie möglich. Die leere leere Gaskartusche, Taschentücher, Bananenschalen & Co. gehören nicht in die Natur!
Rezept fürs Schneeschmelzen: Schnee und ein bis zwei Zentimeter Wasser am Topfboden. (Hinweis: Die gesetzlichen Bestimmungen wurden für dieses Foto eingehalten.)

Franz Güntner

Rezept fürs Schneeschmelzen: Schnee und ein bis zwei Zentimeter Wasser am Topfboden. (Hinweis: Die gesetzlichen Bestimmungen wurden für dieses Foto eingehalten.)


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