Inhalt
Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Nacht im Freien?
Wer sich zum ersten Mal mit dem Thema „draußen schlafen“ beschäftigt, sollte sich für den ersten Feldversuch komfortable Bedingungen schaffen. Ideal ist eine warme Nacht mit Temperaturen über zehn Grad. Der Wetterbericht sollte stabile Bedingungen und keinen Niederschlag ankündigen, denn ein ungeplanter Weckservice durch Gewitter und Regentropfen ist mehr als unangenehm.
Beste Bedingungen für eine Nacht unter freiem Himmel
🌡️ Temperatur: Warme Nacht, über 10° Celsius
🌙 Wetter: Klare bzw. stabile Bedingungen ohne Niederschlag
✅ Ort: ein legaler Trekking- oder Zeltplatz (Buchung nicht vergessen!)
🌠 Bonus: Meteorschauer wie die Perseiden um den 12. und 13. August
Wo ist draußen schlafen erlaubt – und wo nicht?
💚 Trekkingplatz: Die erste Wahl für eine legale Nacht im Freien sind sogenannte Trekkingplätze, die es mittlerweile in vielen deutschen Mittelgebirgen und Naturparks, aber auch im hohen Norden gibt. Hier findest Du sie:
- Frankenwald
- Obere Donau
- Schwarzwald
- Odenwald
- Altmühltal
- Steigerwald
- Spessart
- Habichtswald
- Kellerwald-Edersee
- Diemelsee
- Sauerland-Rothaargebirge
- Eifel
- Pfalz
- Elbsandstein
- Hunsrück-Hochwald
- Soonwald
- Schleswig-Holstein
In der Regel ist für Trekkingplätze eine Buchung erforderlich. Informiere Dich vorab über die jeweiligen lokalen Bedingungen, Regelungen und Verfügbarkeit des Platzes.
🏕️ Mehr dazu: Trekkingplätze in Deutschland: Hier darfst Du Dein Zelt aufschlagen
Frankenwald Tourismus & M. Felgenhauer
Trekkingplätze sind eine geniale Möglichkeit, um in der Natur Deine Isomatte auszurollen. Holz-Plattformen sorgen sehr häufig für einen ebenen Untergrund, den Du mit oder ohne Zelt nutzen kannst.
💚 Zeltplatz: Wer draußen in der Natur schlafen will, denkt dabei seltener an einen klassischen Campingplatz. Auf einer abgegrenzten Parzelle, zwischen Dauercampern und Wohnmobilen ist eine Nacht im Freien sicher weniger verlockend. Ausgewiesene Naturcampingplätze können aber je nach Anlage durchaus eine tolle Option sein, um sicher und legal unter Sternenzelt zu schlafen – gerade wenn Du mit einer größeren Gruppe unterwegs bist.
⛔ Wildcampen: Klingt romantisch, ist für die Natur jedoch problematisch und kann auch für Dich teuer enden. Bevor Du zum Wildcampen aufbrichst, solltest Du Dich in jedem Fall mit den jeweils geltenden Bestimmungen auseinandersetzen. Die Regelungen sind in Europa von Land zu Land und oft auch von Bundesland zu Bundesland sehr verschieden.
Wo ist kein guter Schlafplatz?
Überall, wo Wildcampen nicht erlaubt ist. Mit Ausnahme von Norwegen, Schweden und Schottland ist Wildcampen in weiten Teilen Europas entweder grundsätzlich verboten oder zumindest gesetzlich reguliert.
👉 Mehr dazu: Wildcampen in Europa – Alle Infos zu Gesetzen und Bestimmungen
No-Go-Areas fürs Draußenschlafen
🚫 Schutzgebiete wie Nationalparks, Naturreservate, Naturschutzgebiete, Wildruhezonen, Biotope und andere sensible Lebensräume sind absolut tabu.
🚫 Privatgrundstücke ohne Erlaubnis des Eigentümers.
🚫 Landwirtschaftsflächen: Auf keinen Fall solltest Du mitten in einer Wiese campieren und auch vom „Bett im Kornfeld“ ist jedenfalls abzusehen!
⛔ Beliebte Picknick-, Bade- oder Grillplätze verwandeln sich nachts manchmal in Partyzentren oder ähnliches. Sehr häufig wird das Campieren gerade an diesen Orten ausdrücklich mit Schildern verboten, kontrolliert und geahndet.
Auch auf ausgewiesenen Trekking- und Zeltplätzen gilt: Verlasse Deinen Schlafplatz am nächsten Morgen wieder so, wie Du ihn vorgefunden hast. Müll mitnehmen, keine Pflanzen mutwillig zerstören und den Platz im Naturzustand verlassen. Falls keine Toilette vorhanden ist, vergräbst Du Deine Ausscheidungen ordentlich und sammelst etwaige Taschentücher ein.
Welche Ausrüstung braucht man für eine Nacht im Freien?
Grundsätzlich gilt: Je weniger Ausrüstung, desto größer das Abenteuer.
Für die erste Nacht unter freiem Himmel sind eine Isomatte und ein Schlafsack die absoluten Basics. Um die Isomatte zu schonen und den Platz etwas gemütlicher zu gestalten, lohnt sich auch eine Picknickdecke als Unterlage. Alternativ schützt auch eine Gewebeplane die Isomatte vor Beschädigungen.
🏆 Mehr Beratung: Schlafsack-Testsieger – die besten Modelle aus Daune und Kunstfaser
Grundsätzlich kannst Du in sehr warmen Nächten natürlich auch ohne Schlafsack draußen schlafen. Eine Unterlage ist beim Übernachten in der Natur in jedem Fall sinnvoll – auch im eigenen Garten.
🏆 Mehr Beratung: Testsieger: Die besten Isomatten
Auch in einer Hängematte lässt es sich wunderbar entspannen. Um Dir den Einstieg zu erleichtern, gibt es kompakte Sets, die Du auf ein handliches Maß komprimieren kannst, sodass sie gut in Deinen Rucksack passen. Bei einigen Modellen ist sogar das Moskitonetz praktischerweise mit integriert.
🌳 Tipp: Auch wenn es in der Regel bereits zum Standard gehört: Achte beim Aufspannen Deiner Hängematte darauf, spezielle Baumgurte und Aufhängseile zu verwenden, die die Bäume nicht schädigen.
Abhängig vom Schlafsack und Schlafplatz benötigtst Du gegebenenfalls noch einen Wetterschutz. Zum Beispiel, wenn Wind, Feuchtigkeit und niedrige Nachttemperaturen ins Spiel kommen. Daunenschlafsäcke ohne Nässeschutz können bei hoher Kondensfeuchtigkeit ihre Isolationsfähigkeit verlieren. In diesen Fällen ist ein wasserdichter Biwaksack sinnvoll.
Naturpark Nordeifel, Fotograf Nils Nöll
Eine Holzplattform, ein Tarp, Isomatte und Schlafsack – Trekkingplätze, wie hier am Platz „mit Seeblick“ im Naturpark Nordeifel, machen unkompliziertes Übernachten im Freien möglich.
Wenn Du unsicher bist, ob das Wetter tatsächlich hält, kannst Du auch ein Tarp oder eine Plane spannen, das als kleines Dach vor Regen schützt. Da dabei die „Wände“ fehlen, trübt ein Tarp kaum das eindrucksvolle „Draußen-Schlaferlebnis“.
Zu guter Letzt sollte auch eine Stirnlampe oder Taschenlampe mit ins Gepäck – falls Du nachts mal raus musst, das Lager sortieren oder ähnliches.
🏆 Mehr Beratung: Testsieger: Die besten Stirnlampen
Auch wenn es tagsüber heiß ist: nachts sinken die Temperaturen – besonders in höheren Lagen. Daran solltest Du auch mit Blick auf Deine Bekleidung denken. Eine leichte Isolationsjacke und lange Hosen sorgen abends für Gemütlichkeit.
Was Du sonst noch zur Verpflegung brauchst – Campingkocher, Töpfe, Geschirr oder einfach nur eine gut gefüllte Kühlbox – richtet sich nach den individuellen Plänen für Dein Abenteuer.
Draußen schlafen am Lagerfeuer: Das musst Du beachten!
Lagerfeuer sind nicht überall und jederzeit erlaubt. Wichtig ist daher, vorab die geltenden Regelungen und die aktuelle Waldbrandgefahr zu erfragen. Mach nur dort ein Feuer, wo es ausdrücklich erlaubt ist.
🚫 Verzichte darauf, wenn Feuermachen aufgrund von Trockenheit verboten wurde!
⚠️ Wer ein Feuer entfacht, muss sicherstellen, dass dieses nicht außer Kontrolle gerät und vor Verlassen des Lagerplatzes zuverlässig gelöscht wird!
Frankenwald Tourismus & S. Faltenbacher
Trekkingplätze bieten oft eine Feuerstelle. Im Frankenwald – wie zum Beispiel hier am Döbraberg – stellen die Betreiber auch ein Brennholzlager und ein Brauchwasserfass zur Verfügung. Informiere Dich vorab über die Infrastruktur und die aktuelle Waldbrandsituation.
Achte zudem am Lagerfeuer auf genügend Abstand zu Deiner Ausrüstung. Schlafsäcke, Picknickdecken und Isomatten sind in der Regel aus Kunstfasern gefertigt. Diese sind empfindlich gegenüber Feuer und Hitze. Lagerfeuer aus Laubhölzern neigen weniger zum Springen als Nadelholzfeuer. So kommt es weniger zu Brandlöchern durch springende Glut.
🔥 Mehr dazu: Feuer machen: Anleitung, Tipps und Infos rund ums Lagerfeuer
Was tun, wenn ein Tier kommt?
In Deutschland oder Mitteleuropa ist die Gefahr, von einem wilden Tier angegriffen zu werden zwar gering – eine Begegnung ist aber nicht völlig ausgeschlossen.
- Begegne Tieren grundsätzlich mit Respekt
- In der Paarungszeit oder im Beisein von Jungtieren gilt besondere Vorsicht
- Bei Kontakt: bleib ruhig und entferne Dich schrittweise, sofern dies die Situation zulässt
- Kochzutaten, Essensreste und Müll geruchsneutral und sicher verstauen
- Wildtiere niemals füttern!
🦌 Wichtig ist: Tiere brauchen ihre Ruhe! Schlafe nur dort, wo es ausdrücklich erlaubt ist und respektiere Schutzzonen. Störe die Tiere nicht mit zu hellem Licht oder lauter Musik!
Insekten und Spinnentiere: was kreucht und fleucht
Ein recht ungangenehmes Problem können die kleinen Tierchen werden. Hier gilt: vorbeugen und Nachsorge.
🦟 Mücken vorbeugen
Stechmücken lieben Feuchtigkeit und sind besonders in der Nähe von Gewässern, Sümpfen und Pfützen häufig zu finden. Leichter Wind hält die Plagegeister fern, auch in trockenen Nadelwäldern sind sie seltener zu finden.
👉 Mehr dazu: Mückenstichen vorbeugen – die richtige Mückenstich-Prophylaxe
Anti-Mücken-Sprays oder auch Mückenschutzkleidung sind je nach Mücken-Lage entscheidende Hilfsmittel für eine entspanntere Zeit draußen.
🕷️ Zecken checken
Auch Zecken sind bei Aufenthalten in Wald und Wiese ein Thema. Spätestens bei der Rückkehr nach Hause solltest Du Deinen Körper daher gründlich unter die Lupe nehmen.
👉 Zecken entfernen: Zeckenzange, -karte und -schlinge richtig anwenden
👉 Was hilft gegen Zecken? So kannst Du den lästigen Blutsaugern vorbeugen
🐜 Ameisen vermeiden
Bei der Wahl des Lagerplatzes lohnt es sich auf Ameisen zu achten, um etwaige Konflikte mit dem Volk zu vermeiden. Dein Proviant, Essensreste und Müll können Ameisen anlocken. Achte auf eine geruchsneutrale, dichte Verpackung.
Im Freien schlafen: Was muss ich sonst noch wissen?
Eine Nacht im Freien, unter dem Sternenzelt, wird eventuell nicht die gemütlichste Nacht Deines Lebens werden – aber sie wird sicher zu einem bleibenden Eindruck. Was beim ersten Mal vielleicht noch ein bisschen unheimlich war, vermittelt Wiederholungstätern bald ein Gefühl von Freiheit und Ursprünglichkeit.
Doch bei aller Abenteuerlust solltest Du nie vergessen: Wir sind in der Natur nur zu Gast! Schlafe nur dort draußen, wo es erlaubt ist, halte Dich von Schutzzonen fern, geh respektvoll mit Tieren und Natur um und verlasse Deinen Schlafplatz am nächsten Morgen so, wie Du ihn vorgefunden hast!
Welche Erfahrungen habt Ihr schon beim Schlafen unter freiem Himmel gemacht? Habt Ihr noch weitere Tipps? Wir freuen uns auf Eure Kommentare!
Mehr Tipps zum Zelten und Draußensein in der Natur
- Müll in den Bergen – Statistiken & Daten zu einem Umweltproblem
- Microadventure: Sechs Tipps für den Schritt vor die Haustüre
- Zelten bei Gewitter: So verhält man sich richtig
- Camping-Geschenke: 50 tolle Ideen für Camper
- Testsieger: Die besten Zelte für 2 bis 4 Personen
- Was muss in die Rucksackapotheke beim Wandern und Trekking?
- So behandelt man Mückenstiche richtig
- Outdoor-Wasserfilter: Die besten Systeme für unterwegs