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Alpenüberquerung zu Fuß: Die schönsten Routen im Vergleich 

13 Minuten Lesezeit
Eine Alpenüberquerung ist für viele die Königsdisziplin des Fernwanderns. Welche Wanderrouten über die Alpen gibt es? Und welche ist die richtige für Dich? Wir zeigen ausgewählte Wege, die Dich in rund einer Woche oder auch in einem Monat durch Europas zentrales Gebirge führen.

Einmal im Leben über die Alpen. Aus eigener Muskelkraft das schaffen, was mit dem Auto oder Zug in ein paar Stunden möglich ist – mit dem Begriff Alpenüberquerung verbinden sich oft sehr emotionale Bedeutungen. Dabei ist eine Alpenüberquerung zu Fuß genau genommen nichts anderes als eine Mehrtageswanderung, in den meisten Fällen eine Hüttentour. Die Route könntest Du Dir individuell mit Karte und Hüttenführer zusammen stellen. Doch es gibt natürlich bekannte und erprobte Wege, die sinnvolle Etappen, gute Übernachtungsmöglichkeiten und besonders reizvolle Alpenlandschaften kombinieren. Und weil einige davon im Sommer sehr viele Alpentraversanten anziehen, stellen wir Dir hier nicht nur die bekanntesten Fernwanderwege vor, sondern auch unbekannte und neue Varianten, die eher abseits verlaufen. 

Einmal zu Fuß über die Alpen: Träumst Du noch oder planst Du schon?

Bergzeit

Einmal zu Fuß über die Alpen: Träumst Du noch oder planst Du schon?


Manche dieser Routen überwinden nur den Alpenhauptkamm, andere durchqueren das ganze Gebirge von Nord nach Süd – oder auch längs von Ost nach West wie die Via Alpina oder die Grande Traversata delle Alpi (GTA) in Kombination mit der Route Wien – Lago Maggiore

Touren, die länger als eine Woche dauern, kannst Du in Teilabschnitten erwandern oder Dir auf mehrere Sommer aufteilen. Ebenso kannst Du bei einigen Alpenüberquerungen öffentliche Verkehrsmittel nutzen, um einzelne Etappen abzukürzen oder zwischendurch ein- und auszusteigen. Hier helfen die angegebenen Wanderführer mit Vorschlägen weiter.

Allgemeine Hinweise zu den Routen

Alle vorgestellten Wanderrouten (mit Ausnahme der Via Claudia Augusta) sind im Sommer zwischen (Ende) Juni und September begehbar. Dann sind auch die höchsten Übergänge in der Regel schneefrei und die Hütten geöffnet. Einige höhergelegene Hütten öffnen sogar erst im Juli ihre Pforten. Am Alpenhauptkamm solltest Du jedoch auch in dieser Jahreszeit auf Schneefall und einen kurzfristigen Wintereinbruch vorbereitet sein.

Varianten, die sich am ehesten für Einsteiger, sprich wenig geübte Bergwanderer, eignen, sind im Beitrag als „leicht“ markiert. Hier gibt es keine seilversicherten Stellen oder Kletterpassagen (oder diese sind umgehbar wie auf der Bergzeit Route). Auch die konditionellen Anforderungen bewegen sich im Rahmen. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit werden in den Bergen trotzdem immer vorausgesetzt, denn Wege können sich unvorhergesehen verändern. Ebenso musst Du Dich mit dem Wetter in den Bergen und anderen möglichen alpinen Gefahren auseinandersetzen. 

Wenn Du Dir unsicher bist und wenig Erfahrung im Bergwandern hast, dann schließe Dich am besten einer geführten Tour einer Bergschule an. 

Alpenüberquerung: Die Routen im Vergleich 

RouteSchwierigkeitDauer GehstreckeHöhenmeter (Aufstieg) ÜbernachtungRemote-Faktor*
Bergzeit Route Spitzingsee – Sterzingleicht6 Tage91 km2.750 Hm im Tal mittel
Tegernsee – Sterzingleicht7 Tage 100-110 km3.300 Hm im Talmittel 
Europäischer Fernwanderweg E5 Oberstdorf – Meranmittel8 Tage111 km6.000 Hm auf Hütten, eine Nacht im Tal gering 
Garmisch – Brixenmittel bis anspruchsvoll12 Tage176 km11.300 Hm auf Hüttenje nach Gebiet mittel bis hoch 
Via Claudia Augustaleicht30 Tage  600 km- im Talgering 
München – Venedigmittel29 Tage554 km22.200 Hmauf Hütten und im Talgering
Salzburg – Triestmittel bis anspruchsvoll28 Tage501 km25.350 Hmje zur Hälfte Hütten und Talhoch
Via Alpina – Der Rote Weganspruchsvoll161 Tage2.540 km142.000 Hmauf Hütten und im Tal je nach Gebiet mittel bis hoch

*Remote-Faktor: Abgeschiedenheit der Route, stark frequentierte Weitwanderwege vs. kleine Wege 

Routen für rund 7 Tage 

In nur einer knappen Woche kannst Du auf den kürzesten Routen über die Alpen wandern.

Bergzeit

In nur einer knappen Woche kannst Du auf den kürzesten Routen über die Alpen wandern.


Spitzingsee – Sterzing: Die Bergzeit Route (leicht) 

Gemeinsam mit einem Bergführer-Kollegen hat sich Bergzeit diese Weitwanderroute für 2022 neu ausgedacht, um Wanderer jeden Typs zu inspirieren, sich auf den Weg über die Alpen zu machen. Die Bergzeit Alpenüberquerung führt abseits der klassischen Pfade in sechs landschaftlich reizvollen Etappen über den Alpenhauptkamm – und ist damit in dieser Liste die kürzeste Route. 

Geeignet für: Wanderbegeisterte jeden Alters, Genusswanderer, Speed Hiker, Auszeit- wie Bestzeitsuchende 

Ziel der Bergzeit Alpenüberquerung ist Sterzing, das man am unteren Ende des Pfitschtals (Foto) erreicht.

Thomas Herdieckerhoff

Ziel der Bergzeit Alpenüberquerung ist Sterzing, das man am unteren Ende des Pfitschtals (Foto) erreicht.


Auf der Bergzeit Route wanderst Du in nur sechs Tagen über den Alpenhauptkamm.

Thomas Herdieckerhoff

Auf der Bergzeit Route wanderst Du in nur sechs Tagen über den Alpenhauptkamm.


  • Start & Ziel: Spitzingsee (Oberbayern) – Sterzing (Südtirol) 
  • Dauer: 6 Tage 
  • Gehstrecke & Höhenmeter gesamt: 91 km, 2.750 Hm 
  • Wegbeschaffenheit: leichte bis mittelschwere Bergwege 
  • Kondition: mittel 
  • Längste Tagesetappe: 20 km (Etappe 1) bzw. 950 Hm (Etappe 4) 
  • Höchster Punkt: 2.343 m (Kellerjoch-Gipfel, Tuxer Alpen) 
  • Remote-Faktor: mittel, neue Route ab 2022
  • Durchquerte Regionen: Brandenberger Alpen, Tuxer und Zillertaler Alpen (Tirol), Pfitschtal (Südtirol) 
  • Highlights: Kaiserklamm, Tiefenbachklamm, Kellerjoch, Schlegeisstausee, Pfitschtal, Altstadt von Sterzing 
  • Markierung: keine; GPS-Tracks stehen über Bergzeit zur Verfügung 
  • Übernachtung: im Tal (Hotels, Pensionen oder Gasthäuser) 
  • ÖPNV: Bus- und Bahntransfer an vier Stellen (inkl. Bergbahn), um weniger attraktive Teilabschnitte abzukürzen sowie optionaler Bustransfer auf der letzten Etappe 
  • Wanderführer: Du kannst die Bergzeit Alpenüberquerung als geführte Tour mit Guide bei Bergzeit Erlebnis buchen.

Ausführliche Routenbeschreibung im Bergzeit Magazin

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Tegernsee – Sterzing: Vom Bier zum Wein (leicht) 

Diese Genuss-Route, die auch für weniger geübte Wanderer machbar ist, führt auf einfachen bis mittelschweren Wegen von Gmund am Tegernsee nach Sterzing. Bequemes Wandern, überschaubare Entfernungen, kaum alpine Gefahren – das kennzeichnet diese Alpenüberquerung. Was den landschaftlichen Reiz angeht, steht sie anderen, schwierigeren Routen in nichts nach. Neben vielfältigen landschaftlichen und kulturellen Highlights genießen Wanderer auf dieser Route komfortable Übernachtung im Tal, die Möglichkeit, einen Gepäcktransport (oder gleich die ganze Tour) zu buchen und natürlich die bayrische, Tiroler und Südtiroler Küche bei einer der zahlreichen Einkehrmöglichkeiten unterwegs. 

Geeignet für: Genusswanderer, Alleingänger, kulturell Interessierte, Familien 

Auf der Route Tegernsee - Sterzing fühlen sich auch wenig geübte Wanderer wohl.

Franziska von Treuberg

Auf der Route Tegernsee – Sterzing fühlen sich auch wenig geübte Wanderer wohl.


Die Route führt wie die Bergzeit Alpenüberquerung über den Zillertaler Hauptkamm am Pfitscher Joch.

Franziska von Treuberg

Die Route führt wie die Bergzeit Alpenüberquerung über den Zillertaler Hauptkamm am Pfitscher Joch.


  • Start & Ziel: Gmund am Tegernsee (Oberbayern) – Sterzing (Südtirol) 
  • Dauer: 7 Tage 
  • Gehstrecke & Höhenmeter gesamt: 100-110 km (je nach Einsatz von Bustransport), 3.300 Hm 
  • Wegbeschaffenheit: leichte bis mittelschwere Wege und Steige 
  • Kondition: leicht bis mittel 
  • Längste Tagesetappe ohne Abkürzungsmöglichkeit: 17 km/850 Hm (Etappe 2) bzw. 900 Hm (Etappe 5) 
  • Höchster Punkt: 2.275 m (Pfitscherjochhaus) 
  • Remote-Faktor: mittel  
  • Durchquerte Regionen: Blauberge (Bayrische Voralpen), Achensee, Zillertaler und Tuxer Alpen (Tirol), Pfitschtal (Südtirol) 
  • Highlights: Tegernsee, Achensee, Zillertal, Schlegeisstausee, Pfitschtal, Altstadt von Sterzing 
  • Markierung: durchgehend mit dem gelbschwarzen „Ü“ 
  • Übernachtung: im Tal (Gasthöfe, Pensionen oder Hotels) 
  • ÖPNV: Bus- und Bahntransfer an 5 Stellen (inkl. Bergbahnfahrt), um weniger attraktive Teilstücke und optional auch lange Etappen abzukürzen 
  • Wanderführer: Kompasskarte 2556 – Die Alpenüberquerung (im handlichen Leporello-Format; inkl. Etappenbeschreibungen, Bushaltestellen, Einkehrmöglichkeiten, Sehenswürdigkeiten, Stadtpläne);
    Rother-Wanderführer Alpenüberquerung Tegernsee – Sterzing, 2021 (in neun Etappen) 

Ausführliche Routenbeschreibung im Bergzeit Magazin

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Europäischer Fernwanderweg E5: Abschnitt Oberstdorf – Meran (mittelschwer) 

Ein viel begangener Klassiker unter den Alpenüberquerungen beginnt in Oberstdorf im Allgäu und endet in Meran beziehungsweise Bozen in Südtirol. Diese Tour dauert je nach Routenwahl, Etappenlänge und Benutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln sechs bis neun Tage. Die hier vorgestellte Variante folgt dem Europäischen Fernwanderweg E5 durch die Lechtaler und die Ötztaler Alpen. 

Geeignet für: geübte Wanderer jeden Alters (Senioren, Familien, junge Leute), Pflanzen- und Tierfans

Sonne, blauer Himmel und die rauschende Pitze – was will man mehr?

Dirk Steuerwald / Stephan Baur

Sonne, blauer Himmel und die rauschende Pitze – was will man mehr?


Mit etwas Glück kann man auf dem Weg von Oberstdorf nach Meran diverse Alpentiere beobachten - nahe der Memminger Hütte stehen die Chancen für Steinböcke gut.

Christoph Werntgen

Mit etwas Glück kann man auf dem Weg von Oberstdorf nach Meran diverse Alpentiere beobachten – nahe der Memminger Hütte stehen die Chancen für Steinböcke gut.


  • Start & Ziel: Oberstdorf (Allgäu) – Meran (Südtirol) 
  • Dauer: 8 Tage  
  • Gehstrecke & Höhenmeter gesamt: 111 km, 6.000 Hm 
  • Wegbeschaffenheit: überwiegend mittelschwere, zum Teil auch schwere Bergwege mit versicherten Passagen oder einfachen Kletterstellen (Klettersteigausrüstung ist nicht erforderlich) 
  • Kondition: mittel bis anspruchsvoll 
  • Längste Tagesetappe: 18 km (Etappe 5) bzw. bis zu 1.400 Hm (Etappen 2 + 4) 
  • Höchster Punkt: 3.019 m (Niederjoch, Similaunhütte) 
  • Remote-Faktor: gering (stark frequentierter Weg) 
  • Durchquerte Regionen: Nagelfluhkette (Allgäuer Alpen), Lechtaler Alpen, Ötztaler Alpen (Tirol), Schnalstal (Südtirol) 
  • Highlights: vielfältige Pflanzen- und Tierwelt (Murmeltiere, Steinböcke), abwechslungsreiche Bergpanoramen, Abstecher zur Ötzi-Fundstelle 
  • Markierung: Europäischer Fernwanderweg E5 
  • Übernachtung: auf Hütten, eine Nacht im Tal 
  • ÖPNV: 5 Bus- oder Taxitransfers auf weniger reizvollen Abschnitten möglich 
  • Wanderführer: Rother-Wanderführer E5 Konstanz-Verona von Dirk Steuerwald und Stephan Baur, 11. vollst. überarb. Aufl. 2020. Neben dem einwöchigen Abschnitt von Oberstdorf nach Meran wird hier auch die Route bis Bozen und Verona beschrieben.

Ausführliche Routenbeschreibung im Bergzeit Magazin

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Rother-Wanderführer E5 Konstanz-Verona von Dirk Steuerwald und Stephan Baur

Dirk Steuerwald / Stephan Baur

Rother-Wanderführer E5 Konstanz-Verona von Dirk Steuerwald und Stephan Baur


Route für zwei Wochen 

Wer etwas mehr Zeit hat, wandert in rund zwei Wochen über die Alpen.

Bergzeit

Wer etwas mehr Zeit hat, wandert in rund zwei Wochen über die Alpen.


Garmisch – Brixen: Die Tour der Höhepunkte (mittelschwer) 

Auf dieser eher unbekannten Alpenüberquerung verlocken interessante Gipfel als Abstecher – etwa der Wilde Freiger im Stubai, mit 3.418 m der höchste Gipfel am Wegrand, oder gleich zu Beginn die Zugspitze. Den Höhepunkt der Tour bilden die Stubaier Alpen. Doch auch der Start mit Wetterstein und Mieminger Gebirge hat es landschaftlich in sich. „Nach den teils spektakulären Landschaften der Stubaier Alpen mögen die Sarntaler Alpen wie biederes Hausbrot erscheinen nach dem Genuss von Torte. Sehr bald wird man aber die Vorzüge des Gebiets schätzen lernen: Ruhe, einfache Wege, kleinere Hütten und vor allem große Aussicht auf die umliegenden Gebirgsketten.“, schwärmen die Autoren des Rother-Wanderführers Alpenüberquerung Garmisch – Brixen über den letzten Abschnitt dieser Weitwanderung. 

Geeignet für: ambitionierte Bergwanderer, Gipfelsammler, Fans spektakulärer Bergkulissen 

Zahlreiche Gipfel locken auf der Alpenüberquerung Garmisch - Brixen zur Besteigung: etwa der Apere Turm in den Stubaier Alpen.

Andrea und Andreas Strauß

Zahlreiche Gipfel locken auf der Alpenüberquerung Garmisch – Brixen zur Besteigung: etwa der Apere Turm in den Stubaier Alpen.


In der Lotterscharte mit Blick zurück zur Edelweißhütte (Stubaier Alpen).

Andrea und Andreas Strauß

In der Lotterscharte mit Blick zurück zur Edelweißhütte (Stubaier Alpen).


  • Start & Ziel: Garmisch-Partenkirchen (Oberbayern) – Brixen (Südtirol) 
  • Dauer: 12 Tage 
  • Gehstrecke & Höhenmeter gesamt: 176 km, 11.300 Hm 
  • Wegbeschaffenheit: gut begehbare Wanderwege „ohne besondere technische Schwierigkeiten“, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich; zum Teil Hochgebirgsterrain mit Geröll und Fels, Querung von Altschneefeldern; Varianten mit Klettersteig und Gletscherpassage möglich 
  • Kondition: anspruchsvoll 
  • Längste Tagesetappe: 22,8 km (Etappe 3) bzw. 1.370 Hm (Etappe 10) 
  • Höchster Punkt: knapp 3.000 m (bei Start an der Bergstation der Zugspitze), 2.880 m (Übergang am Grawagrubennieder, Stubaier Alpen) 
  • Remote-Faktor: je nach Gebiet mittel bis hoch (abgesehen von einzelnen Abschnitten z.B. rund um die Zugspitze, Coburger Hütte oder den Stubaier Höhenweg) 
  • Durchquerte Regionen: Wettersteingebirge, Mieminger Kette, Stubaier Alpen (Tirol), Sarntaler Alpen (Südtirol) 
  • Übernachtung: auf Hütten
  • Highlights: zahlreiche Gipfeloptionen unterwegs und herrliche Ausblicke auf und von Dreitausendern (z.B. vom Großen Trögler, Stubaier Alpen), Teiletappen auf dem Stubaier Höhenweg 
  • Markierung: keine (Wegbeschreibungen und GPS-Tracks über Rother-Wanderführer verfügbar) 
  • Übernachtung: auf Hütten  
  • ÖPNV: keine Nutzung (mehrere Abbruchs- und Einstiegsmöglichkeiten mit Öffentlichen unterwegs vorhanden) 
  • Wanderführer: Rother Wanderführer Alpenüberquerung Garmisch – Brixen von Andrea u. Andreas Strauß, 2. aktual. Aufl. 2021
Rother Wanderführer Alpenüberquerung Garmisch – Brixen von Andrea und Andreas Strauß

Andrea und Andreas Strauß

Rother Wanderführer Alpenüberquerung Garmisch – Brixen von Andrea und Andreas Strauß


Routen für einen Monat

Wenn Du das Fernwandern so richtig erleben willst, solltest Du Dir mindestens einen Monat Zeit nehmen für Deine Transalp zu Fuß.

Bergzeit

Wenn Du das Fernwandern so richtig erleben willst, solltest Du Dir mindestens einen Monat Zeit nehmen für Deine Transalp zu Fuß.


Via Claudia Augusta: Die historische Route (leicht)

Auf römischen Pfaden bewegt sich, wer auf der Via Claudia Augusta nach Süden wandert. Der römische Kaiser Claudius baute diese im ersten Jahrhundert n. Chr. zur ersten befestigten Handelsstraße zwischen der Adria und Augsburg aus. Heute kannst Du auf der Route über den Fernpass und Reschenpass von der Donau bis zum Po spazieren. Im Unterschied zu den anderen hier vorgestellten Alpenüberquerungen liegt die beste Zeit für diese Weitwanderung zwischen April und November. Die heißen Sommermonate Juli und August – sonst Hauptsaison für Transalpinisten – solltest Du dabei eher meiden. 

Geeignet für: historisch interessierte Genusswanderer, Entdeckungsfreudige, Weitwandereinsteiger (auch Kinder und Senioren) 

  • Start & Ziel: Landsberg am Lech (Bayern) – Castelbrando nördlich der venezianischen Ebene (Italien) 
  • Dauer: 30 Tage  
  • Gehstrecke gesamt: 600 km (Gehzeit 4-6 Stunden täglich) 
  • Wegbeschaffenheit: einfache Forst- und Wanderwege, ruhige Nebenstraßen, häufig an südseitigen Berghängen entlang 
  • Kondition: leicht bis mittel 
  • Längste Tagesetappe: abhängig von eigener Routenplanung (Anstiege bis zu 1.100 Hm) 
  • Höchster Punkt: 1.504 m (Reschenpass) 
  • Remote-Faktor: gering (verläuft entlang heutiger Verkehrsrouten; v.a. bei Radfahrern als leichteste Transalp beliebt) 
  • Durchquerte Regionen: bayrisches Alpenvorland (Ostallgäu), Gurgltal, Inntal (Tirol), Vinschgau, Etschtal, Trentino 
  • Highlights: zahlreiche interessante Orte mit teils römischer Vergangenheit (z.B. Schongau, Füssen, Landeck, Mezzocorona, Feltro), Reschensee, Südtiroler Weinstraße, Bayrische Königsschlösser 
  • Markierung: nicht durchgehend, Route muss selbst zusammengestellt werden, z.B. mithilfe des Internetportals (s.u.) 
  • Übernachtung: Unterkünfte in Ortschaften entlang des Weges 
  • ÖPNV: Verkehrsroute verläuft entlang der Strecke, Etappenorte gut erreichbar, Abkürzung möglich 
  • Wanderführer: kann auch auf der Website (s.u.) bestellt werden 
  • Mehr Infos, Routenbeschreibung und Tourenplanung unter: viaclaudia.org.

München – Venedig: Der Klassiker (mittelschwer) 

Die bekannteste aller Routen darf in einer Auflistung von Alpenüberquerungswegen nicht fehlen. Ludwig Grasser wanderte die wunderschöne Strecke von der Isar bis zur Adria erstmals 1974 und beschreibt sie in seinem Buch „Zu Fuß über die Alpen“. Der sogenannte „Traumpfad“ kann auch in einzelnen Abschnitten von fünf bis sieben Tagen begangen werden. 

Geeignet für: Weitwanderliebhaber, Routensammler, geübte Bergwanderer jeden Alters (Senioren, Familien, junge Leute) 

Biwakschachtel am Gipfel der Benediktenwand - eine der ersten Etappen am Traumpfad München - Venedig.

Dirk Steuerwald / Stephan Baur / Vera Biehl

Biwakschachtel am Gipfel der Benediktenwand – eine der ersten Etappen am Traumpfad München – Venedig.


Der Traumpfad über die Alpen führt in die italienische Traumstadt Venedig.

Ludovico Lovisetto

Der Traumpfad über die Alpen führt in die italienische Traumstadt Venedig.


  • Start & Ziel: München – Venedig  
  • Dauer: 29 Tage 
  • Gehstrecke & Höhenmeter gesamt: 554 km, 22.200 Hm 
  • Wegbeschaffenheit: überwiegend leichte oder mittelschwere Bergwege, auf einzelnen Etappen anspruchsvolle Stellen mit versicherten Passagen, die nur zum Teil umgangen werden können; auch ein Klettersteig liegt auf der Route (in der Schiara/Belluneser Dolomiten; mit Umgehungsmöglichkeit) 
  • Kondition: mittel 
  • Längste Tagesetappe: 36 km (Etappe 28) bzw. 1.600 Hm (Etappe 24) 
  • Höchster Punkt: 2.904 m (Friesenbergscharte, Zillertaler Alpen) 
  • Remote-Faktor: gering
  • Durchquerte Regionen: Bayrische Voralpen, Karwendel, Tuxer und Zillertaler Alpen, Pustertal, Dolomiten, italienisches Alpenvorland. 
  • Highlights: Bergpanoramen in den Zillertaler Alpen und den Dolomiten, Klettersteig in der wilden Schiara, Venedig 
  • Markierung: keine (Kartenmaterial und GPS-Tracks im Rother-Wanderführer) 
  • Übernachtung: Hütten und Hotels/Pensionen 
  • ÖPNV: An- und Rückreise von verschiedenen Etappenpunkten möglich 
  • Wanderführer: Rother Wanderführer Alpenüberquerung München – Venedig von Dirk Steuerwald, Stephan Baur und Vera Biehl, 6. aktual. Aufl. 2022 und Bruckmann Wanderführer Traumpfad München – Venedig
 Rother Wanderführer Alpenüberquerung München – Venedig von Dirk Steuerwald, Stephan Baur und Vera Biehl

Dirk Steuerwald / Stephan Baur / Vera Biehl

Rother Wanderführer Alpenüberquerung München – Venedig von Dirk Steuerwald, Stephan Baur und Vera Biehl


Salzburg – Triest: Stille Wege ans Mittelmeer (mittelschwer) 

Still, einsam, unberührt – das sind Adjektive, die man im Zusammenhang mit der Alpenüberquerung Salzburg – Triest liest. Die noch relativ wenig besuchte Route führt durch vier Länder, drei berühmte Nationalparks und sieben Gebirgsgruppen, die zum Teil eher unbekannt sind. Bevor es ins Finale an der Adria geht, marschiert man nach der Durchquerung der Alpen noch auf leichten aber langen Wegen durch italienische Hügel- und Küstenlandschaften. 

Geeignet für: Natur- und Ruhesuchende, ambitionierte Weitwanderer 

Pure Natur auf der Mitterastenalm auf der Alpenüberquerung Salzburg - Triest.

Christof Herrmann

Pure Natur auf der Mitterastenalm auf der Alpenüberquerung Salzburg – Triest.


Sonnenuntergang an der ersten Etappe.

Christof Herrmann

Sonnenuntergang an der ersten Etappe.


  • Start & Ziel: Salzburg – Triest (Italien) 
  • Dauer: 28 Tage 
  • Gehstrecke & Höhenmeter gesamt: 501 km, 25.350 Hm 
  • Wegbeschaffenheit: überwiegend mittelschwere Bergwege; Passagen, die absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erfordern (mit Umgehungs- bzw. Schlechtwettervarianten) 
  • Kondition: mittel bis anspruchsvoll 
  • Längste Tagesetappe: 26 km (Etappe 15) bzw. 1.750 Hm (Etappe 12) 
  • Höchster Punkt: 2.754 m (Fraganter Scharte, Goldberggruppe, Hohe Tauern) 
  • Remote-Faktor: hoch (mit Ausnahme einiger stärker besuchter Gebiete wie die Nationalparks Berchtesgaden oder Triglav) 
  • Durchquerte Regionen und Länder: Deutschland (Berchtesgadener Alpen), Österreich (Salzburger Schieferalpen, Goldberggruppe, Kreuzeckgruppe, Gailtaler Alpen, Karnische Alpen), Slowenien (Julische Alpen), Italien (Friaul-Julisch Venetien) 
  • Highlights: Nationalpark Berchtesgaden, Nationalpark Hohe Tauern und Triglav-Nationalpark, die Städte Salzburg und Triest, interessante Gipfeloptionen am Weg 
  • Markierung: keine 
  • Übernachtung: 15x auf Berghütten, 14x in Städten und kleineren Ortschaften 
  • ÖPNV: bei Bedarf lassen sich Teilstrecken mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen, Ein- und Ausstieg zu Etappenorten unterwegs mit Bus und Bahn möglich 
  • Wanderführer: Rother-Wanderführer Alpenüberquerung Salzburg – Triest von Christof Herrmann, 3. aktual. Auflage 2020
Rother-Wanderführer Alpenüberquerung Salzburg – Triest von Christof Herrmann

Christof Herrmann

Rother-Wanderführer Alpenüberquerung Salzburg – Triest von Christof Herrmann


Ausführliche Routenbeschreibung im Bergzeit Magazin

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Die längste Route über die Alpen 

Auf der Via Alpina kannst Du eine ganze Saison lang über die Alpen wandern - nämlich in vier bis fünf Monaten.

Marina Wolf

Auf der Via Alpina kannst Du eine ganze Saison lang über die Alpen wandern – nämlich in vier bis fünf Monaten.


Via Alpina: Der Rote Weg (anspruchsvoll) 

Einen ganzen Sommer wandern, dabei acht Länder und gleich mehrmals den Alpenhauptkamm queren – das kannst Du auf der Via Alpina. Diese verbindet seit 2005 als Projekt im Rahmen der Alpenkonvention das bestehende Wegenetz der Alpen zu fünf verschiedenen Routen. In den 161 Tagen, die Du auf dem Roten Weg unterwegs bist, lernst Du verschiedene Sprachgebiete und Kulturräume der Alpenstaaten kennen und durchwanderst mehrere Nationalparks. 

Geeignet für: Abenteurer, Natur- und Freiheitssuchende, kulturinteressierte Weitwanderer, die Zeit und Ausdauer mitbringen 

Wer Freiheit und Abenteuer sucht, ist auf einer mehrwöchigen oder sogar mehrmonatigen Alpenüberquerung genau richtig.

Marina Wolf

Wer Freiheit und Abenteuer sucht, ist auf einer mehrwöchigen oder sogar mehrmonatigen Alpenüberquerung genau richtig.


Die Drei Zinnen in Südtirol – auf einem Abschnitt des Roten Wegs der Via Alpina.

Marina Wolf

Die Drei Zinnen in Südtirol – auf einem Abschnitt des Roten Wegs der Via Alpina.


  • Start & Ziel: Triest (Italien) – Monaco 
  • Dauer: 161 Tage (laut via-alpina.org); 120 Tage (unsere Autorin) 
  • Gehstrecke & Höhenmeter gesamt: 2.540 km, 142.000 Hm 
  • Wegbeschaffenheit: hauptsächlich gut begehbare Wanderwege und Bergpfade (keine spezielle Ausrüstung nötig), Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich 
  • Kondition: anspruchsvoll 
  • Längste Tagesetappe unserer Autorin: 45 km (Etappe 118) / 2.820 Hm (Etappe 113) 
  • Höchster Punkt: 3.183 m (Obere Weißzintscharte, Zillertaler Alpen) 
  • Remote-Faktor: je nach Region sehr unterschiedlich
  • Durchquerte Länder: Italien, Slowenien, Österreich, Deutschland, Liechtenstein, Schweiz, Frankreich, Monaco 
  • Durchquerte Regionen: u.a. Julische Alpen, Karnische Alpen, Dolomiten, Zillertaler und Tuxer Alpen, Karwendel, Wetterstein, Lechtaler Alpen, Allgäu, Rätikon, Silvretta, Tessin, Walliser und Berner Alpen, Aostatal, Mont Blanc, Seealpen 
  • Highlights: einige der höchsten Berge (z.B. Triglav, Drei Zinnen, Hochfeiler, Zugspitze, Mont Blanc), mehrere Nationalparks und Schutzgebiete und viele kulturell interessante Städte und Ortschaften entlang der Route 
  • Markierung: Rote Via Alpina-Markierung 
  • Übernachtung: Hütten und Unterkünfte im Tal 
  • ÖPNV: verschiedene Start- und Endpunkte für das Begehen von Teilabschnitten der Via Alpina sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen (mehr Infos unter via-alpina.org) 
  • Wanderführer: Detaillierte Infos zu den einzelnen Etappen des Roten Wegs sowie GPS-Tracks stellt Marina Wolf in ihrem E-Book zur Verfügung .

Reisebericht unserer Autorin Marina Wolf im Bergzeit Magazin

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Fazit: Welche Route ist nun die schönste?

Das kannst Du nur selbst herausfinden. Abwechslungsreich sind alle vorgestellten Wege und jede Variante führt durch imposante und unscheinbare Landschaften, viel besuchte Gebiete und weniger begangene Abschnitte. Für den einen ist die schönste Transalp die stille, abgeschiedene Tour, für die andere die Wanderung, wo sie das beste Essen und Hüttenflair genießen kann. Für die eine steht die spektakuläre Bergwelt im Vordergrund, für den anderen überwiegt der Wunsch, die Alpen aus eigener Kraft zu bezwingen und sich einen Traum zu erfüllen. Jede Route hat ihren Reiz und hält einmalige Erfahrungen für Dich bereit.  

Unterwegs wird es für jede und jeden Wandernden gute und schlechte Tage geben. Doch das Gesamterlebnis wird (hoffentlich) in positiver Erinnerung bleiben.

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